VG-Wort Pixel

Gewalt in Nigeria Viertelmillion Menschen auf der Flucht vor Boko Haram-Terror


Die Gewalt im Norden Nigerias vertreibt Hunderttausende Menschen aus ihren Häusern. Die UN ist wegen der Lage in dem Land alarmiert. Die Islamisten von Boko Haram setzen ihr blutiges Treiben fort.

Rund ein Jahr nach der Verhängung des Ausnahmezustandes in drei nordnigerianischen Bundesstaaten sind dort nach UN-Angaben 250.000 Menschen auf der Flucht vor Gewalt. Rund 61.000 weitere hätten sich in die Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger begeben, teilte das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) am Freitag unter Berufung auf nigerianische Behördenangaben mit. Die Binnenflüchtlinge und die Vertriebenen berichteten demnach von extremer Gewalt und Brutalität.

Im muslimisch geprägten Norden Nigerias kämpft unter anderem die Boko Haram für einen Gottesstaat auf Grundlage der Scharia. Die Armee des Landes hatte im vergangenen Mai eine Offensive gegen die Gruppe in den Bundesstaaten Yobe, Borno und Adamawa gestartet. Unter Kontrolle haben die Truppen die Region aber nicht gebracht. In Chibok im Staat Borno waren vor gut einem Monat mehr als 200 Schülerinnen von der Boko Haram verschleppt worden. Von ihnen fehlt bislang jede Spur.

Amnesty International erhebt in diesem Fall schwere Vorwürfe gegen das Militär. Die Sicherheitskräfte seien Stunden vor dem Überfall auf die Schule vor der bevorstehenden Attacke gewarnt worden und hätten die Entführung der Mädchen womöglich verhindern können.

Boko Haram wütet weiter

Die Menschenrechtsorganisation beruft sich auf "Informationen aus mehreren Interviews mit glaubwürdigen Quellen", die unabhängig geprüft worden seien. Demnach hätten beispielsweise Zivilpatrouillen im Nachbarort Gagilam Alarm geschlagen, als eine große Gruppe bewaffneter Männer auf Motorrädern durch ihr Dorf kam und angab, sie wären unterwegs nach Chibok. Trotzdem habe niemand der lokalen Polizei und den dort stationierten 17 Soldaten Verstärkung geschickt, teilte Amnesty in Washington mit.

Die Islamisten von Boko Haram setzten derweil ihre Angriffe fort. Mutmaßliche Mitglieder der Extremisten sprengten im Norden eine Brücke und töteten mindestens 30 Menschen. Der Anschlag ereignete sich in dem Dorf Gamboru Ngala an der Grenze zu Kamerun, wie die Zeitung "Punch" am Freitag berichtete. Dort hatte Boko Haram erst vor wenigen Tagen über 300 Menschen ermordet und elf Mädchen entführt.

Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats verurteilten die neuerliche Attacke und auch die Entführung der mehr als 200 Schülerinnen. Das Vorgehen von Boko Haram bezeichneten sie in einer Mitteilung vom späten Freitagabend als Gefahr für die Stabilität in West- und Zentralafrika.

ivi/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker