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Golf von Aden: Deutsche Fregatte verjagt Piraten

Dramatische Szenen im Golf von Aden: Piraten haben gestern einen spanischen Fischkutter überfallen, wenig später wurde ein japanischer Öltanker attackiert. Doch der Angriff auf den Tanker misslang - die Bundeswehr-Fregatte "Emden" kam der Besatzung zu Hilfe und vertrieb die Seeräuber.

Gleich zweimal innerhalb von 24 Stunden schlugen Piraten zu: Gut zwei Wochen nach der Kaperung einer französischen Luxusjacht haben Seeräuber vor der Küste Somalias einen spanischen Fischkutter mit 26 Menschen an Bord in ihre Gewalt gebracht und einen japanischen Öltanker angegriffen. Der Angriff auf den Tanker misslang allerdings, woran offenbar auch das deutsche Marineschiff "Emden" seinen Anteil hatte. Die Fregatte sei dem japanischen Schiff zu Hilfe geeilt, die Piraten hätten Reißaus genommen, hieß es vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr.

Der Tanker "Takayama" war im Golf von Aden Richtung Saudi-Arabien unterwegs als die Piraten angriffen. Als es diesen nicht gelang, das Schiff zu entern, feuerten sie die Rakete ab und trafen den Tanker, wie die Reederei Nippon Yusen KK mitteilte. Das Schiff verlor Treibstoff, konnte seine Fahrt jedoch fortsetzen. Von den 23 Besatzungsmitgliedern - 16 Seeleute von den Philippinen und sieben Japaner - sei niemand verletzt worden.

Nach Bundeswehrangaben schickte die vor Somalia kreuzende Fregatte "Emden" nach einem Notruf der "Takayama" einen Hubschrauber zu dem bedrohten Tanker. Als der Helikopter eintraf, seien die Piraten schon weg gewesen, sagte ein Bundeswehrsprecher und bestätigte eine Meldung der "Kölnischen Rundschau". Die Bundesmarine beteiligt sich an der Operation "Enduring Freedom" zur Terrorabwehr am Horn von Afrika, Nothilfe wie im vorliegenden Fall sei durchaus zulässig. Dabei müsse unmittelbare Lebensgefahr bestehen oder andere Hilfe müsste ausgeschlossen sein, hieß es von der Bundeswehr. Die staatliche jemenitische Nachrichtenagentur SABA berichtete hingegen, die Küstenwache des Landes sei der Besatzung zu Hilfe gekommen.

Der Angriff auf das spanische Fischerboot rund 24 Stunden vorher ging nicht so glimpflich ab: Die Fischer an Bord der "Playa de Bakio" hatten gerade ihre Essenspause, als ihr Schiff plötzlich mit Granaten beschossen wurde. Vier bewaffnete Piraten stürmten an Bord. Sie zwangen die Besatzung, Kurs auf das somalische Festland zu nehmen, wie Medien am Montag berichteten.

Die Seeräuber verlangten ein Lösegeld für die Freilassung der Fischer, nannten zunächst aber keine konkrete Summe. Der Kapitän des Kutters, Amadeo Alvarez (55), sagte in einem kurzen Funkgespräch mit dem spanischen Radiosender RNE: "Wir sind alle wohlauf. Im Augenblick gibt es keine Probleme." Der aus dem Baskenland stammende Kutter war 250 Seemeilen (450 Kilometer) vor der Küste Ostafrikas in internationalen Gewässern auf Thunfischfang gewesen. Die spanische Regierung setzte ein Krisenkomitee zur Befreiung der Fischer ein. 13 der gekidnappten Seeleute stammen aus Spanien, die anderen aus Ghana, Madagaskar, Senegal und den Seychellen.

Spanische Diplomaten nahmen von Nairobi in Kenia aus Kontakte zu somalischen Führern auf, um eine Freilassung der 26 Fischer zu erreichen. Zugleich kommandierte das Madrider Verteidigungsministerium eine Fregatte aus dem Roten Meer in das Seegebiet vor der somalischen Küste ab.

Der spanische Kutter wurde beim Granatenbeschuss der Piraten beschädigt, blieb aber seetüchtig. Einer der Seeräuber sagte dem Sender RNE, er und seine Komplizen gehörten einer somalischen Clan- Miliz an, die unter Finanzproblemen leide. Wenn die Spanier ein Lösegeld zahlten, werde es "keine Probleme" geben.

Die Küste vor Somalia und generell der Golf von Aden sind berüchtigt für Piratenüberfälle. Am 4. April hatten vor dem Horn von Afrika Seeräuber die französische Luxusjacht "Le Ponant" geentert. Die Geiseln kamen eine Woche später gegen Zahlung eines Lösegeldes frei. Kurz nach der Übergabe nahmen französische Soldaten sechs Verdächtige in Somalia fest.

Somalische Piraten sind zumeist mit Gewehren, Panzerfäusten und Granatwerfern bewaffnet. Sie bringen die von ihnen gekaperten Schiffe normalerweise in die Küstengewässer ihres Landes. Dort stellen sie dann konkrete Lösegeldforderungen. Ihre Beutezüge werden dadurch erleichtert, dass Somalia über keinen Küstenschutz verfügt. Das Land ist seit dem Sturz des Diktators Mohammed Siad Barre im Jahr 1991 praktisch ohne einen funktionierenden Staatsapparat.

Hubert Kahl/DPA / DPA