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Irak: "Heute ist dem Islam der Krieg erklärt worden"

Bei einer verheerenden Anschlagserie gegen schiitische Gläubige im Irak sind bis zu 100 Menschen getötet worden. Das Blutbad ereignete sich auf dem Höhepunkt des Aschura-Festes, bei dem Schiiten des Märtyrertodes ihrer Leitfigur Imam Hussein gedenken.

Tausende Schuhe und Sandalen liegen auf der Straße vor dem Hussein-Schrein durcheinander, Picknickkörbe sind in alle Richtungen verstreut. Der Innenhof der heiligen schiitischen Stätte im südirakischen Kerbela ist nach einer Serie von drei Explosionen auch mit abgerissenen Gliedmaßen übersät. Tausende Gläubige rennen in Panik über das Gelände. Etwa 25 von ihnen wurden bei den Anschlägen am Dienstag getötet. Fast gleichzeitig kamen bei mehreren Explosionen in Bagdad rund 75 Menschen ums Leben.

Insgesamt fünf Explosionen

"Wir standen neben der Moschee, als wir eine gewaltige Explosion hörten", sagte der 18-jährige Tarar in Kerbela. "Wir haben Körperteile gesehen, Arme, Beine, noch mehr Körperteile. Dann sind die Rettungswagen gekommen." Die Polizei riegelte das Gebiet ab, Dutzende bewaffnete Männer in Zivil bemühten sich, die Ordnung wiederherzustellen, und gaben Warnschüsse ab. Den drei Explosionen folgten nach etwa einer halben Stunde zwei weitere.

Zwei irakische Polizisten brachen bei der Besichtigung des Tatorts in Tränen aus. Zwei Männer wurden festgenommen, nachdem die aufgebrachte Menge sich auf sie gestürzt hatte. In der Stadt breiteten sich alle möglichen Gerüchte über die Ursache der Anschläge aus. Dabei wurde ein Mörserbeschuss von außerhalb der Stadt ebenso in Erwägung gezogen wie Selbstmordanschläge.

Aschura-Fest nur kurzzeitig unterbrochen

Ein Augenzeuge erklärte, einer der Sprengsätze sei in der Nähe der Moschee versteckt gewesen. "Ich war zehn Meter entfernt, die Bombe war unter Abfall deponiert", sagte der Mann, der seinen Namen mit Sairus angab. Aus den Lautsprechern der Moschee schallten weiter Verse aus dem Koran. Die Feierlichkeiten zum Aschura-Fest wurden nur kurzzeitig für eine Aufforderung an die Gläubigen unterbrochen, die Rettungswagen durchzulassen. Die Moschee wurde bei den Anschlägen nicht beschädigt.

Die Sprengsätze detonierten sowohl im Inneren der heiligen Stätte als auch auf dem davor gelegenen Platz, auf dem sich zahlreiche Straßenverkäufer aufhielten. Hunderte bewaffnete Männer verteilten sich auf dem Gelände, in der Luft kreisten mehrere Hubschrauber. Von den traditionellen schwarzen Trauerbannern des Aschura-Festes blieben nur Fetzen übrig. Zu dem Fest gedenken die Schiiten des Todes von Hussein, dem Enkels des Propheten Mohammed, der in einem Schrein in Kerbela beigesetzt ist.

Spekulationen über die Hintermänner

Unter den Überlebenden machte sich Unmut breit. Streitende Gruppen machten entweder die USA, das Terrornetzwerk El Kaida oder sunnitische Extremisten für die Bluttaten verantwortlich. "Wie ist es möglich, dass ein einzelner Mann, geschweige denn ein Muslim, so etwas am Tag Husseins tun kann?" sagte Thaer el Schimri, ein Mitglied der schiitischen Partei El Dawa. "Heute ist dem Islam der Krieg erklärt worden."

Tarek Al-Issawi / DPA
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