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Irak: Obama schließt Einsatz von Bodentruppen aus

Die Dschihadisten-Armee Isis marschiert weiter Richtung Bagdad. Auch China bietet dem Irak Unterstützung an. Ein Rückblick auf die Ereignisse des Tages im stern-Newsticker.

+++ 19.46 Uhr: US-Börsen legen moderat zu +++

Nach der jüngsten Talfahrt erholen sich die US-Börsen leicht. Positive Unternehmensnachrichten wie eine Prognose-Erhöhung von Intel stützen den Markt. Die Islamisten-Offensive im Irak und die Furcht vor einem Abschwung der Weltwirtschaft sorgen aber weiter für Verunsicherung. Der Konflikt im Irak treibt zudem den Ölpreis auf den höchsten Stand seit September, was Konjunktursorgen zusätzlich schürt.

+++ 18.08 Uhr: Obama schließt Bondentruppen-Einsatz aus +++

Die USA planen keinen Einsatz ihrer Soldaten gegen die islamistischen Rebellen. Er werde in den kommenden Tagen jedoch andere Optionen prüfen, teilt US-Präsident Obama in Washington mit. Jede Aktion der USA müsse begleitet werden von Bemühungen der irakischen Regierung. Die sunnitischen Isil-Rebellen hätten den Irak zum Teil überrannt, so der Präsident. Die Aufständischen bedrohten das irakische Volk und könnten auch zu einer Gefahr für US-Bürger werden.

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Wer sind die radikalislamistischen Kämpfer von Isis?

Alles zur Lage im Irak auf unserer Themenseite zum Land

Lesen Sie hier alles zu Syrien, wo Isis ebenfalls aktiv ist

Die Iraker reagieren auf die vorstoßenden Dschihadisten mit Massenflucht

Die "Süddeutschen Zeitung" schreibt in einem Kommentar, warum der Vormarsch der Islamisten eine historische Zäsur sein könnte.

Die "New York Times" zeigt auf mehreren Karten, wie sich die beiden großen Religionsgruppen im Irak verteilen (englisch).

Die "Neue Zürcher Zeitung" über die unentschiedene Rolle der USA im neuen Konfliktherd Irak.

+++ 17.59 Uhr: Irak blockiert Online-Netzwerke +++

Angesichts des Vormarschs der Dschihadisten hat Bagdad nach Angaben von Internetanbietern eine Sperre sozialer Online-Netzwerke angeordnet. Das Kommunikationsministerium habe eine weitgehende Blockade verfügt, teilen zwei der wichtigsten Anbieter mit. Betroffen seien etwa Facebook, Twitter, YouTube, WhatsApp und Viber. Das Ministerium ist für eine Bestätigung nicht erreichbar.

Während ihrer Offensive nutzen Isil-Kämpfer und -Anhänger offenbar die verschiedenen Onlinedienste zur Kommunikation.

+++ 17.10 Uhr: Türkei ruft Bürger zum Verlassen der Krisengebiete auf +++

Wegen des Vormarschs der Dschihadisten hat das türkische Außenministerium seine Bürger zum Verlassen der umkämpften Regionen des Iraks aufgefordert. Zu "ihrer eigenen Sicherheit" sei den Türken dringend geraten, die Städte und Provinzen Mossul, Kirkuk, Salaheddin, Dijala, al-Anbar und Bagdad zu verlassen, erklärt das Ministerium auf seiner Internetseite. Das Ministerium rief seine Landsleute zudem zur Wachsamkeit auf. Derzeit halten sich rund 125.000 Türken im Irak auf. Am Mittwoch hatten die Dschihadisten-Miliz Isis zudem das türkische Konsulat in Mossul gestürmt und 48 Geiseln genommen, darunter den Konsul. Die Verhandlungen über ihre Freilassung dauern noch an.

US-Außenminister John Kerry rief die politischen Anführer im Irak zur "Einheit" auf, um den Dschihadisten die Stirn zu bieten. Politische Spaltungen angesichts ethnischer oder konfessioneller Unterschiede seien nicht angebracht, sagte Kerry in London. Der Irak sehe sich mit einem "brutalen Feind" konfrontiert und müsse nun zusammenstehen.

+++ 15.56 Uhr: Bagdad bereitet sich auf Isis-Angriffe vor +++

In der irakischen Hauptstadt Bagdad bereiten sich Sicherheitskräfte und Bürger auf mögliche Angriffe der Dschihadisten-Miliz Isis vor. Augenzeugen berichteten über massive Sicherheitsmaßnahmen. Polizei und Soldaten patrouillierten durch wichtige Straßen, neue Kontrollposten werden aufgebaut. "Die Sicherheitskräfte sind in maximaler Alarmbereitschaft", verlautete aus Sicherheitskreisen.

In den Geschäften standen den Angaben nach die Menschen Schlange, um sich auf Vorrat mit Lebensmitteln und Medikamenten auszustatten. Zahlreiche Freiwillige meldeten sich zudem bei den Behörden, um sich bewaffnen zu lassen und Bagdad im Notfall gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat in Irak und Syrien (Isis) zu verteidigen. Der frühere irakische Übergangsregierungschefs Ijad Allawi rief seine Landsleute auf, in der Krise zusammenzustehen. In einer Mitteilung appelliert er an die Bürger des Landes, wieder eine Koalition der Nationalen Einheit zu bilden und alle Differenzen hinter sich zu lassen.

+++ 15.41 Uhr: UN befürchtet Massenhinrichtungen durch Isis im Irak +++

Bei den Kämpfen im Irak sind nach UN-Einschätzung in den vergangenen Tagen mehrere hundert Zivilisten ums Leben gekommen. UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay berichtete von willkürlichen Hinrichtungen. "Das volle Ausmaß der zivilen Opfer ist bisher nicht genau überschaubar", sagte sie in Genf. Die Zahl der verletzten Menschen dürfte bei etwa 1000 liegen. Die Kämpfer der radikal-islamischen Terrorgruppe Isis hätten zusammen mit befreiten Gefangenen Zivilisten erschossen. Nach ihren Informationen seien allein in einer Straße der Stadt Mossul 17 Zivilangehörige der Polizei getötet worden. "Ich bin besonders besorgt über die gefährliche Lage von Minderheiten, Frauen und Kindern", sagte Pillay.

+++ 14.54 Uhr: Türkei will Irak-Krise diplomatisch lösen +++

Zur der rund 80 türkischen Geiseln im Nordirak will Ankara nicht militärisch eingreifen. Die Regierung bemühe sich um eine diplomatische Lösung der Krise, sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Rede vor Anhängern in der Stadt Rize am Schwarzen Meer. "Die Sicherheit unser Bürger ist das Wichtigste", sagte Erdogan. Es war die erste öffentliche Äußerung Erdogans zu der Geiselnahme. Dschihadisten hatten in der von ihnen besetzten irakischen Stadt Mossul am Dienstag 31 Lkw-Fahrer verschleppt. Am Mittwoch stürmten Extremisten in Mossul das Befreiung türkische Konsulat und nahmen 49 Geiseln, darunter den Konsul.

+++ 13.56 Uhr: Mischt sich auch China ein? +++

China bietet der irakischen Regierung "jede erdenkliche Hilfe an". Das sagt eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking, ohne ins Detail zu gehen. Die staatliche chinesische Öl-Gesellschaft CNPC ist an drei Projekten im Irak beteiligt.

+++ 13.03 Uhr: Schiitenführer appelliert zum Widerstand gegen Dschihadisten +++

Das geistliche Oberhaupt der irakischen Schiiten, Ayatollah Ali al Sistani, hat die Iraker zum Widerstand gegen die sunnitischen Dschihadisten aufgerufen. Die Bürger sollten zu den Waffen greifen und "ihr Land, ihr Volk und ihre heiligen Stätten verteidigen" sagte ein Sprecher al Sistanis beim Freitagsgebet in der Schiiten-Hochburg Kerbela. Wer könne, solle sich den Sicherheitskräften im Kampf gegen die Isis-Dschihadisten anschließen. Der Konflikt ist auch eine Auseinandersetzung der beiden großen Glaubensrichtungen des Islam, zwischen Sunniten und Schiiten.

+++ 12.50 Uhr: Steinmeier: Isis ist "Machtfaktor" in der Region +++

Außenminister Frank-Walter Steinmeier erwartet nach dem Vormarsch der islamistischen Terrorgruppe Isis im Irak keine baldige Lösung. Für den Irak gebe es keine "schnelle Antwort", sagte er in Berlin. Die Isis sei in der Region mittlerweile ein Machtfaktor mit einem "Potenzial, das weit über terroristische Anschläge hinausgeht". "Es kommt jetzt darauf an, dass das Voranschreiten der Isis im Irak gestoppt wird", sagte er nach einem Treffen mit dem marokkanischen Außenminister Salaheddine Mezouar. "Das wird sicherlich nur dann gehen, wenn eine irakische Regierung zustande kommt, die ihrerseits über Autorität im eigenen Land verfügt. Davon wird vieles Weitere abhängen."

+++ 12.18 Uhr: UNO beklagt willkürliche Hinrichtungen im Irak +++

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay hat sich besorgt über die Menschenrechtslage im Zusammenhang mit dem Vorstoß der Dschihadisten im Irak gezeigt. Pillay sei "extrem beuhruhigt" über die "dramatische Verschlechterung der Situation" in dem Land, sagte sein Sprecher. Es gebe Berichte über willkürliche Hinrichtungen und "außergerichtliche Tötungen".

+++ 11.55 Uhr: Türkei bestreitet, Isis geholfen zu haben +++

Die türkische Regierung hat Vorwürfe zurückgewiesen, die Türkei habe die Terrorgruppe Isis unterstützt. Es habe keinerlei Hilfe von der Türkei gegeben, sagte Vizeregierungschef Bülent Arinc bei einer Pressekonferenz in Ankara. Arinc reagierte auf Kritik von Experten, die Türkei habe Dschihadisten ungestört über ihre Grenzen in die Nachbarländer ein und -ausreisen lassen. Wegen der instabilen Sicherheitslage im Irak empfahl das Außenministerium allen Türken, das Land zu verlassen, wie Medien berichteten.

+++ 11.13 Uhr: Kurdische Truppen bereiten Offensive vor +++

Im Ostirak bereiten sich kurdische Truppen nach dem Vormarsch von Dschihadisten auf eine Gegenoffensive vor. Wie das Nachrichtenportal "Sumaria News" unter Berufung auf kurdische Sicherheitskräfte berichtete, traf ein Regiment der Peschmerga-Truppen am Vormittag ein. Die kurdischen Soldaten wollten im Großraum der Stadt Dschalula das Machtvakuum füllen, das die irakischen Truppen nach ihrem Rückzug aus der Region hinterlassen hätten, hieß es. Zuvor hatte Isis laut arabischen Medienberichten die Stadt Dschalula sowie die Ortschaft Saadija in der Provinz Dijala übernommen. Dort leben neben Arabern auch viele Kurden und Turkmenen.

+++ 11.07 Uhr: Berichte über Hunderte von Toten bei Kämpfen +++

Bei den Kämpfen im Irak sind nach Angaben eines UN-Sprechers in den vergangenen Tagen vermutlich Hunderte Menschen getötet worden.

+++ 10.36 Uhr: Isis rückt weiter auf Bagdad vor+++

Im Irak nehmen die Isis-Dschihadisten weiter die Hauptstadt Bagdad in Visier. Nach Polizeiangaben lieferten sich die irakische Armee und Aufständische der radikal-sunnitischen Organisation Kämpfe am Stadtrand von Mukdadijah. Mukdadijah liegt 35 Kilometer nordöstlich von Bakuba, der Hauptstadt der Provinz Diala. Die Bevölkerung dieser Provinz ist aus Sunniten, Schiiten und Kurden zusammengesetzt. In der Region werden seit dem US-Einmarsch im Irak 2003 besonders viele politisch motivierte Gewalttaten verübt.

+++ 10.16 Uhr: Dschihadisten übernehmen die Stadt Dschalula +++

Die Terrorgruppe Isis hat dem Nachrichtensender al Arabija zufolge eine weitere Stadt im Irak eingenommen. Dabei handele es sich um Dschalula, rund 125 Kilometer nordöstlich von Bagdad, wo auch viele Kurden leben. Örtliche Aufständische sollen auf der Seite der Extremisten gekämpft haben.

+++ 9.54 Uhr: Krise belastet den Deutschen Aktienindex +++

Die Eskalation der Unruhen im Irak verunsichert auch die Anleger am deutschen Aktienmarkt. Der Dax fiel im frühen Handel um 0,42 Prozent auf 9897,13 Punkte. Für den MDax ging es um 0,37 Prozent auf 16 995,31 Punkte nach unten und der TecDax sank um 0,85 Prozent auf 1308,37 Punkte. Die Situation im Irak könne sich durchaus zu einem größeren Störfaktor entwickeln, sagte ein Börsianer. Der Markt sei von dem Tempo überrascht worden, mit dem sich der Konflikt ausbreitet.

+++ 9.13 Uhr: Iran kündigt Irak Unterstützung an +++

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat dem Nachbarland Irak die uneingeschränkte Solidarität im Kampf gegen die Terrorgruppe Isis zugesichert. Sowohl auf regionaler als auch internationaler Ebene werde der Iran alles im Kampf gegen die Terroristen im Irak unternehmen, sagte er dem irakischen Regierungschef Nuri al Maliki nach Angaben der Webseite des Präsidialamts. Eine Bestätigung, dass der Iran auch Truppen in den Irak entsandt habe, gab es zunächst nicht. Nach Auffassung Teherans sind die Erfolge der Isis auch eine Konsequenz der westlichen Politik in der Syrien-Krise.

+++ 6.41 Uhr: Bagdad fürchtet Einmarsch der Dschihadisten +++

Die Einwohner der irakischen Hauptstadt fürchten sich vor einem Einmarsch islamistischer Extremisten, die nach der Einnahme mehrerer Städte nun auf Bagdad vorrücken. "Bagdad ist seit Tagen menschenleer. Die Leute verlassen kaum ihre Häuser, weil sie Angst haben", sagt der Journalist Said Andulwahab der Nachrichtenagentur AFP. Der Isil-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani kündigte an, seine Einheiten würden nun weiter auf Kerbela und Bagdad vorrücken.

+++ 4.34 Uhr: USA will militärische Reaktion nicht ausschließen +++

Angesichts des Vormarschs der islamistischen Terrorgruppe Isis behält sich die USA eine militärische Reaktion im Irak vor. Das Land brauche zusätzliche Hilfe von den USA und er schließe bei Überlegungen über eine Reaktion keine Option aus, sagte US-Präsident Barack Obama am Donnerstag im Weißen Haus. Er wolle sicherstellen, dass die Extremisten gestoppt werden könnten. Zuvor hatte es geheißen, die USA wollten sich nicht an Luftangriffen auf die Aufständischen beteiligen.

+++ 3.47 Uhr: US-Unternehmen holen Beschäftigte aus dem Nordirak +++

Nach dem rasanten Vormarsch von Islamisten ziehen amerikanische Unternehmen ihre Beschäftigten aus der Region ab. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums sagte, die Betroffenen hätten für die irakische Regierung gearbeitet. Sie fügte hinzu, die US-Botschaft und die -Konsulate im Irak arbeiteten normal weiter. Ein Sprecher des Rüstungskonzerns Lockheed Martin sagte, 25 Mitarbeiter würden aus der Balad-Region im Norden des Irak abgezogen. Sie hätten dort die Lieferung von 36 F-16-Kampfflugzeugen vorbereitet, die in diesem Jahr in den Irak gebracht werden sollen.

+++ 1.17 Uhr: "USA evakuieren Stützpunkt im Irak +++

Die USA ziehen mehrere hundert Amerikaner aus einem irakischen Luftwaffenstützpunkt nördlich von Bagdad vorübergehend ab. Das berichtete der Sender "Fox News" unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsbeamte. Sie hatten in dem sunnitischen Gebiet irakische Sicherheitskräfte im Einsatz von Kampfjets und Überwachungsdrohnen trainiert. US-Außenamtssprecherin Jen Psaki bestätigte lediglich, dass US-Bürger wegen "Sicherheitsbedenken in der Gegend" den Ort wechseln würden.

+++ 0.30: UN-Gesandter glaubt nicht an Bedrohung von Bagdad +++

Der Chef der UN-Delegation im Irak sieht trotz des raschen Vormarsches der Islamisten die Hauptstadt Bagdad nicht unmittelbar in Gefahr. Nickolay Mladenov habe bei einer Video-Konferenz mit dem UN-Sicherheitsrat erklärt, dass Bagdad gut geschützt und unter Kontrolle der Regierung sei, so der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Witali Tschurkin. Bagdad sei daher derzeit nicht in Gefahr. Allerdings sei der UN-Gesandte sehr besorgt darüber, wie sich die Gewalt vom Norden des Landes ausbreite. Der Sicherheitsrat habe der irakischen Regierung und dem irakischen Volk einstimmig seine Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zugesichert, sagte der Vertreter Russlands, das derzeit den Vorsitz im Sicherheitsrat innehat.

amt/nik/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters