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Irak: Aufruf zum Marsch auf Nadschaf

Großajatollah Ali al Sistani hat die Iraker zu einem Marsch nach Nadschaf aufgefordert, "um die Amerikaner zu vertreiben". Al Sadr, politischer Rivale Al Sistanis und seit Wochen von US-Soldaten belagert, schloss sich dem Aufruf an.

Der einflussreichste schiitische Geistliche im Irak, Ajatollah Ali al Sistani, hat am Mittwoch seine Landsleute zu einem Marsch auf Nadschaf aufgerufen, um "die brennende Stadt" zu retten.

In Nadschaf werden Kämpfer des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al Sadr seit Wochen von US-Soldaten belagert. Nach Ablauf eines Ultimatums waren die Kämpfe in der Pilgerstadt am Morgen wieder eskaliert. Am Vortag hatte die irakische Übergangsregierung den Freischärlern bis zum Abend Zeit gegeben, die Waffen niederzulegen.

Al Sadr ruft ebenfalls zum Marsch auf

Die Anhänger Al Sadrs haben sich in der Imam-Ali-Moschee verschanzt, einem der bedeutendsten Heiligtümer der Schiiten. Al Sadr, der als politischer Rivale des gemäßigten Al Sistani gilt, hat ebenfalls zu einem Marsch auf Nadschaf aufgerufen, um die Belagerung der Stadt zu durchbrechen. Diese Aktion sei bereits vor dem Aufruf Al-Sistanis geplant gewesen, sagte ein Sprecher Al Sadrs.

Rund 60 Prozent der rund 25 Millionen Iraker sind Schiiten, eine von dieser Bevölkerungsgruppe getragene Massendemonstration könnte die US-Truppen in Nadschaf in große Bedrängnis bringen. Bislang hat Al Sistani versucht, mäßigend auf die Auseinandersetzungen um Nadschaf einzuwirken. Er hatte allerdings Nadschaf als Gebiet bezeichnet, das für die US-Truppen tabu sei. Diese stehen inzwischen aber in der Stadt nur noch wenige Meter von der Imam-Ali-Moschee entfernt und drohen mit der Vernichtung aller Freischärler, die sich darin verschanzt haben.

Al Sistani hatte sich mehrere Wochen in London von einer Herzoperation erholt und traf am Mittwoch zunächst in Basra im Süden des Irak ein. Von dort wollte er sich nach den Angaben seines Sprechers am Donnerstag auf den Weg nach Nadschaf machen. Alle Gläubigen seien aufgerufen, ihn auf dieser Reise zu begleiten.

Wieder Schüsse vor Imam-Ali-Moschee

In der Nähe der Imam-Ali-Moschee waren am Vormittag wieder Schüsse zu hören. US-Panzer und -Soldaten rückten dichter an die Moschee heran. In der Nacht hatten US-Kampfflugzeuge die Stadt beschossen. Die angedrohte Offensive zur Zerschlagung von Sadrs Miliz blieb aber zunächst noch aus. Die Armee versuche erst, die Kämpfer Al Sadrs vor dem Angriff an einem Ort zu isolieren, sagte ein Offizier der US-Armee. Neben den 2000 US-Soldaten sind seit Dienstag auch 500 irakische Soldaten in der Kampfzone in Stellung gegangen. "Wir hoffen, dass sie die ersten sind, die ihren Fuß ins Innere (der Moschee) setzen", sagte der US-Offizier Michael Throckmortan.

AP/Reuters / AP / DPA / Reuters