Irak-Konflikt Sprengköpfe verschärfen die Lage


Die UN-Waffeninspekteure haben in Bagdad elf leere Chemiewaffen-Sprengköpfe und einen Sprengkopf entdeckt, der noch näher untersucht werden muss.

Die UN-Waffeninspekteure haben am Donnerstag in Bagdad elf leere Chemiewaffen-Sprengköpfe und einen Sprengkopf entdeckt, der noch näher untersucht werden muss. Wie der Sprecher der UN-Waffenkontrollkommission, Hiro Ueki, ferner mitteilte, wurde der Fund auf dem Gelände des Munitionsdepots Ucheidar bei der Durchsuchung mehrerer neuer Bunker gemacht.

Der Chef der UN-Waffenkontrollkommission UNMOVIC in Bagdad, Dimitri Perricos, betonte nach Angaben des US-Nachrichtensender CNN, der Fund stelle möglicherweise keinen „schlagenden Beweis“ für eine Verletzung der UN-Resolution durch den Irak dar.

Zurückhaltung im Weißen Haus
Das Weiße Haus nimmt nach einem US-Medienberichten eine abwartende Haltung zu dem Fund ein. Der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, Ari Fleischer, betonte nach Angaben des US-Fernsehsenders CBS, die Regierung prüfe die Informationen und werde ihre Reaktion abwägen. Ein hoher US-Beamter sagte dem Nachrichtensender CNN, Washington warte auf weitergehende Informationen. Auch London äußerte sich abwartend.

Alte Bestände?


Die irakische Führung spielte den Fund herunter. Es handele sich um alte Bestände, die längst nicht mehr zu gebrauchen seien, erklärte der Chef der Nationalen Überwachungsbehörde, Hossam Mohammed Amin.

„Sturm im Wasserglas“


Ueki sagte, die Sprengköpfe seien in einem „ausgezeichneten Zustand und ähnelten den vom Irak in den späten 80er Jahren importieren Sprengköpfen. Amin sagte hingegen, die auf dem Gelände gefundenen Waffenkomponenten seien alt. Sie seien in Holzkisten gelagert und dort fast vergessen worden. Die ganze Aufregung um die Sprengköpfe sei nicht mehr als ein „Sturm im Wasserglas“. Das Munitionsdepot liegt etwa 100 Kilometer südlich von Bagdad.

Chefinspekteur Blix verlangt Kooperation


UN-Chefwaffeninspekteur Hans Blix hatte zuvor die Lage als „sehr gespannt und sehr gefährlich“ bezeichnet. Bei Gesprächen in Brüssel wies er auf den Truppenaufmarsch rund um den Irak hin und verlangte von Bagdad mehr Kooperation mit den Inspekteuren. Die USA dringen auf ein baldiges Ende der Waffeninspektionen und den Abzug der Inspekteure. Das verlautete am Donnerstag aus diplomatischen Kreisen im UN-Hauptquartier kurz vor überraschend einberufenen Konsultationen des Sicherheitsrates. Washington sei allerdings mit seiner Forderung nach einer zeitlichen Begrenzung für die UN-Inspektionen auf Ablehnung gestoßen.

Die Ungeduld wächst
Blix sagte, die Ungeduld mit Bagdad wachse, zumal der Sicherheitsrat die jetzigen Inspektionen ausdrücklich als letzte Chance bezeichnet habe. Blix erwartet aber vom Weltsicherheitsrat noch den Auftrag zu einem weiteren Bericht über die Kontrollen im Irak für Februar. Mit dem für den 27. Januar fälligen Report werde das Thema nicht beendet sein, sagte Blix nach Gesprächen mit Vertretern der Europäischen Union.

Russische Kritik


Der russische Außenminister Igor Iwanow kritisierte den „Druck bestimmter amerikanischer Kreise“ auf die Waffeninspekteure. Russland erwarte, dass die Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak auch nach dem 27. Januar fortgesetzt werde. Der Beauftragte für die gemeinsame Sicherheits- und Außenpolitik der EU, Javier Solana, sagte ebenfalls, der 27. Januar sei nicht das Ende des Prozesses. Doch sei er ein wichtiger Termin, der berücksichtigt werden müsse.

Die US-Regierung möchte dagegen nach Angaben von Diplomaten, für ein Mandatsende möglicherweise schon bald nach dem 27. Januar einzutreten. Washington wolle sich gegen einen zweiten Bericht von Blix und dem Direktor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Mohammed el Baradei, Ende März aussprechen, hieß es in New York. Am Mittwoch hatte das Weiße Haus bekräftigt, dass US-Präsident George W. Bush vor einem etwaigen Militärschlag gegen den Irak die Vereinten Nationen konsultieren werde.

Weitere Flugzeugträger


Unterdessen verstärkt das US-Verteidigungsministerium den Druck auf Saddam Hussein weiter. Nach einem Bericht des Nachrichtensenders CNN sollen bis zu vier zusätzliche Flugzeugträger in die Golfregion verlegt werden. Dies könne bereits diese Woche geschehen, berichtet der Sender am Donnerstag. Damit wären im kommenden Monat sechs Flugzeugträger in der Region für einen möglichen Irak-Krieg. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld habe den Marschbefehl jedoch noch nicht unterschrieben.

Das Pentagon erklärte, die zusätzlichen Schiffe gehörten zu einem Gesamtplan, die US-Militärpräsenz am Persischen Golf stetig auszubauen. Es handele sich dabei aber nicht um eine Antwort auf den Fund von leeren Chemiewaffensprengköpfen durch UN-Waffeninspekteure am Donnerstag

DPA

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