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Irak-Krise: Amerika sucht Geld und Soldaten

Jeden Monat kostet der Militäreinsatz im Irak Amerika 4,7 Milliarden Dollar. Die US-Regierung schließt nicht aus, im Kongress weitere Gelder zu beantragen. Möglicherweise müsen auch weitere Truppen entsendet werden.

Trotz der Truppenabzüge dreier Staaten aus dem Irak steht die dortige Koalition nach Einschätzung der USA nicht vor dem Auseinanderbrechen. "Die Koalition ist weiter stark und die Entschlossenheit groß", sagte der Sprecher im US-Präsidialamt, Scott McClellan, am Mittwoch in Washington. Er erwähnte die Unterstützung von Staaten wie Großbritannien, Japan, Italien und Polen. Polen hatte allerdings zuvor erklärt, es überprüfe seinen Einsatz im Irak. Es werde jedoch seine Truppen nicht plötzlich oder ohne Zustimmung der USA aus dem Irak abziehen. In den vergangenen Tagen hatten Spanien, Honduras und die Dominikanische Republik angekündigt, ihren Einsatz im Irak zu beenden.

Weitere Gelder für den Irak-Einsatz?

"Wir schützen die starken Unterstützungsbekundungen für das irakische Volk, das auf den Weg zu einer freien und friedlichen Zukunft gebracht werden soll", sagte McClellan. Er schloss zugleich nicht aus, dass die Regierung im Kongress weitere Gelder für den Irak-Einsatz beantragen werde. "Ich denke, das hängt völlig von der Lage vor Ort ab", sagte er. Der US-Kongress hatte im vergangenen Jahr nach einer hitzigen Debatte 87 Milliarden Dollar für den Einsatz bewilligt. Der Irak-Einsatz ist in den USA wegen der hohen Kosten und der zahlreichen Verluste von Soldaten umstritten.

Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz sagte, die USA müssten "sehr tief graben", falls die Entsendung zusätzlicher Truppen erforderlich sein sollte. Falls mehr Truppen in Irak benötigt würden, müssten einige Einheiten eher aus dem Heimaturlaub zurückkehren als bislang geplant.

Das Verteidigungsministerium erwäge zudem die Entsendung zusätzlicher Panzer und schwerer Geschütze. Allein die dreimonatige Verlängerung des Einsatzes von 20.000 Soldaten, die eigentlich hätten abgelöst werden sollen, werde allerdings schätzungsweise 700 Millionen Dollar (592 Millionen Euro) kosten. Derzeit koste der Militäreinsatz in Irak jeden Monat 4,7 Milliarden Dollar.

Für US-Präsident George W. Bush ist ein Erfolg seines Irak-Kurses von entscheidender Bedeutung für die Chancen seiner Wiederwahl im November. Ungeachtet der Rückschläge in dem Golfstaat und des Verlustes von Verbündeten gab sich Bush am Mittwoch kämpferisch. "Das irakische Volk schaut auf uns und fragt sich, ob wir die Flucht ergreifen werden", sagte er vor Zeitungsherausgebern. "Solange ich im Weißen Haus bin, werden wir nicht die Flucht ergreifen", fügte Bush hinzu. "Wir werden unsere Arbeit erledigen."

Die Serie blutiger Terroranschläge im Irak hatte am Mittwoch den bislang relativ ruhigen Süden des Landes erreicht. Bei der Explosion mehrerer Bomben im morgendlichen Berufsverkehr starben in der Stadt Basra und im Vorort Zubair mindestens 68 Menschen. Fast 100 weitere wurden verletzt. Unter den Toten waren auch 20 Kinder, die auf dem Weg zur Schule waren, als die Sprengsätze vor Polizeistationen explodierten.

Bush verurteilt Anschläge

US-Präsident George W. Bush verurteilte die Selbstmordanschläge von Basra und in der saudiarabischen Hauptstadt Riad, wo am selben Tag neun Menschen durch die Explosion einer Autobombe getötet wurden. Zugleich kündigte Bush eine entschlossene Fortsetzung des Kampfes gegen den Terrorismus an. Er lehnte jede Art von Verhandlungen mit Terroristen ab.

Der Bürgermeister von Basra, Wael Abdul-Hafis, machte das Terrornetzwerk El Kaida für die Anschläge in seiner Stadt verantwortlich. Ein als Polizist verkleideter Verdächtiger sei festgenommen worden und werde verhört, sagte der Bürgermeister nach britischen Fernsehberichten. Basra wird von britischen Truppen kontrolliert.

Unterdessen warnte der iranische Präsident Mohammed Chatami die USA vor einem Angriff auf die den Schiiten heiligen Städten Nadschaf und Kerbela. "Solch ein Angriff käme einem Selbstmord der US- geführten Koalition gleich und würde einen Zornesausbruch der schiitischen Welt gegen die Koalition auslösen", sagte Chatami nach Angaben des staatlichen iranischen Fernsehens.

Milizionäre der vom radikalen Schiiten-Prediger Muktada el Sadr gegründeten "Mahdi-Armee" hatten in den vergangenen Tagen weite Teile von Nadschaf kontrolliert. Auch Kerbela gilt als Hochburg radikaler Schiiten. Rund um die beiden Städte hat die US-Armee ihre Positionen verstärkt.

Moratinos: keine Spannungen mit Washington

Spaniens Außenminister Miguel Angel Moratinos bestritt nach einem Gespräch mit seinem amerikanischen Kollegen Colin Powell, dass es Spannungen mit der US-Regierung wegen des angekündigten Truppenrückzugs aus dem Irak gebe. Die Entscheidung für den Rückzug der rund 1300 spanischen Soldaten sei bereits Vergangenheit, sagte Moratinos in Washington. Damit bleibt von den lateinamerikanischen Kontingenten unter spanischer Führung nur noch eine 375 Mann starke Einheit aus El Salvador übrig. Präsident Bush hatte am Montag Spaniens rasche Ankündigung des Truppenabzugs bedauert.

DPA/AP / AP / DPA