Islamabad Armee nimmt Rote Moschee ein


Die Rote Moschee ist unter Kontrolle der pakistanischen Armee. Nach rund 40 Stunden haben die Sicherheitskräfte in Islamabad das Gotteshaus von den militanten Islamisten befreit. Bis zu 80 Menschen sind seit Beginn der Belagerung ums Leben gekommen.

Fast 40 Stunden nach dem Sturm auf die Rote Moschee in Islamabad haben die Sicherheitskräfte das Gotteshaus vollständig unter Kontrolle gebracht. Es befänden sich keine militanten Islamisten mehr in der Moschee, sagte ein Militärsprecher. Noch kurz zuvor erschütterten einzelne Schüsse und Explosionen das Gelände in der pakistanischen Hauptstadt. Über Nacht seien drei der noch in dem Gebäude verschanzten führenden Extremisten getötet worden, so Armeesprecher Waheed Arshad. Leichen von Frauen und Kindern seien bislang nicht in dem Komplex gefunden worden, meldete Ministerpräsident Shaukat Aziz.

"Die Operation ist vorbei." Die Streitkräfte hatten keine Angaben dazu gemacht, wie viele Menschen sich noch in der Moschee und den angrenzenden Koranschulen aufhielten. Es hieß lediglich, seit dem 3. Juli seien 1300 Menschen aus dem Gebäude geflüchtet. Aber auch bei Beginn der Erstürmung, der "Operation Stille", hielten die Islamisten offenbar noch Frauen und Kinder sowie junge Männer fest. Verwandte warteten verzweifelt auf deren Befreiung. Bei der Erstürmung der Moschee wurden nach Militärangaben zehn Soldaten und mehr als 50 Aufständische getötet, darunter auch der radikale Geistliche Abdul Rashid Ghazi. Er galt als ein Anführer der Bewegung, die in Pakistan ein islamistisches System nach dem Vorbild der gestürzten Taliban in Afghanistan errichten will. Sein Leichnam wurde nach Angaben des Innenministeriums im Kellergeschoss der Koranschule für Frauen gefunden. Der Tote sei dem Innenministerium übergeben worden, sagte Generalmajor Arshad. Ghazi hatte sich bis zuletzt geweigert aufzugeben. Die Säuberung des Geländes von Sprengfallen und Minen wird nach Militärangaben noch längere Zeit dauern.

USA: Den Extremisten sei genug Zeit eingeräumt worden

Den Unruhen, die mit Straßenschlachten vor der Moschee am 3. Juli begannen und zur Belagerung seitens der Streitkräfte führten, sind insgesamt mehr als 80 Menschen zum Opfer gefallen. Die Rote Moschee gilt als Hochburg des Widerstands gegen den USA-freundlichen Kurs des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf. Aus Protest gegen die Militäraktion gingen zahlreiche Pakistaner auf die Straße. In Peshawar kam es erneut zu islamistischen Protesten. "Tod für Musharraf", riefen die Teilnehmer. Im benachbarten Afghanistan forderte der ranghohe Taliban-Kommandeur Mansur Dadullah die Muslime auf, Selbstmordanschläge auf die pakistanischen Sicherheitskräfte zu verüben. Die Erstürmung der Moschee sei ein grausamer Akt, sagte er der Nachrichtenagentur AP. "Ich hätte 10.000 Mudschahedin geschickt, um die Schüler (in der Roten Moschee) zu unterstützen." Die USA stellten sich hinter die Entscheidung Musharrafs, die Moschee zu stürmen. Den Extremisten sei genug Zeit eingeräumt worden, erklärte das Außenministerium in Washington. Präsident George W. Bush bekräftigte sein Vertrauen in den Kampf Musharrafs gegen Extremisten.

AP AP

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