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Bürgerkrieg im Jemen: UN warnen vor Hungersnot mit Millionen von Toten

Den Helfern gehen die Vorräte aus, und Nachschub kann nicht geliefert werden: Im Jemen droht nach UN-Angaben wegen der Blockade von Häfen und Flughäfen "die größte Hungersnot, die die Welt seit vielen Jahrzehnten gesehen hat".

Ein unterernährtes, drei Monate altes Baby im Ernährungszentrum eines Krankenhauses in Sanaa, der Hauptstadt des Jemen

"Die schlimmste humanitäre Lage auf der Welt": Ein unterernährtes, drei Monate altes Baby im Ernährungszentrum eines Krankenhauses in Sanaa, der Hauptstadt des Jemen.

Im sind wegen der saudi-arabischen Blockade nach Einschätzung der Vereinten Nationen die Leben von Millionen Menschen bedroht. Diese könnten verhungern, wenn die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition die See- und Flughäfen weiter blockiere, warnte der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcok vor Journalisten in New York. Zuvor hatte er den Sicherheitsrat hinter verschlossenen Türen über die aktuelle Lage in dem bettelarmen Land im Süden der Arabischen Halbinsel unterrichtet.

"Es wird nicht wie die im Südsudan in diesem Jahr sein, wo Zehntausende Menschen betroffen waren", sagte Lowcok. "Es wird nicht wie die Hungersnot 2011 in Somalia sein, wo 250.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Es wird die größte Hungersnot sein, die die Welt seit vielen Jahrzehnten gesehen hat - mit Millionen von Opfern."

Die Vorräte der Vereinten Nationen für die notleidenden Menschen reichen nur noch für wenige Wochen. "Im November können wir die Menschen noch versorgen, im Dezember nicht mehr", sagte der Leiter des -Nothilfebüros Ocha im Jemen, George Khoury, der Deutschen Presse-Agentur.

Sicherheitsrat verlangt Ende der Blockade im Jemen

Angesichts der dramatischen Lage forderte der UN-Sicherheitsrat das Militärbündnis auf, seine Blockade der jemenitischen Häfen und Flughäfen zu beenden. Dadurch sollten Hilfslieferungen wieder möglich gemacht werden. Es sei entscheidend, im Jemen "das Funktionieren aller Häfen und Flughäfen aufrecht zu erhalten", sagte der italienische Botschafter Sebastiano Cardi, der dem Sicherheitsrat derzeit vorsitzt, nach der Sitzung des Gremiums. Darin hätten die 15 Mitgliedsländer ihre "Beunruhigung" über die "katastrophale humanitäre Lage im Jemen" geäußert.

Das saudi-arabisch geführte Militärbündnis hatte die Häfen und Flughäfen im Jemen sowie die Zufahrtstraßen in das Land dicht gemacht, nachdem am Wochenende eine Rakete der pro-iranischen Huthi-Rebellen in der Nähe der saudiarabischen Hauptstadt Riad abgefangen worden war. UN-Generalsekretär Antonio Guterres habe am Mittwoch mit dem saudiarabischen Außenminister Adel al-Dschubeir telefoniert, um eine sofortige Öffnung der jemenitischen Häfen und Flughäfen zu erwirken, sagte UN-Nothilfekoordinator Lowcock.

15 Hilfsorganisationen, darunter Oxfam, Ärzte der Welt und der Norwegische Flüchtlingsrat, hatten zuvor ebenfalls die sofortige Ermöglichung von Hilfslieferungen im Jemen gefordert. "Angesichts der aktuellen zugespitzten Lebensmittelkrise und der Cholera- könnte jede Verzögerung bei der Wiederherstellung des humanitären Zugangs das Leben von Frauen, Männern, Mädchen und Jungen in ganz Jemen kosten", erklärten die Organisationen.

"Die schlimmste humanitäre Lage auf der Welt"

Das Treffen des UN-Sicherheitsrats erfolgte auf Antrag Schwedens. Der stellvertretende schwedische UN-Botschafter Carl Skau erklärte, das Leiden der jemenitischen Bevölkerung sei "immens". "Die Zerstörung ist fast vollständig. 21 Millionen Menschen sind auf sofortige humanitäre Hilfe angewiesen", mahnte Skau. Im Jemen herrsche "die schlimmste humanitäre Lage auf der Welt", sieben Millionen Menschen stünden "am Rande einer Hungersnot" und alle zehn Minuten sterbe ein Kind an Krankheiten.

Der französische UN-Botschafter François Delattre sagte, die Lage der jemenitischen Bevölkerung sei "extrem ernst". Nötig sei "neuer Schwung für die politischen Verhandlungen, ohne die es keine dauerhafte Antwort auf die humanitäre Krise gibt".

Im Jemen kämpfen seit 2014 schiitische Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Militäreinheiten des gestürzten Staatschefs Ali Abdallah Saleh gegen Truppen des international anerkannten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi. 2015 griff ein von angeführtes Militärbündnis zugunsten von Hadi in den Konflikt ein und bombardiert Stellungen der Rebellen aus der Luft.  Seitdem wurden mehr als 8600 Menschen getötet. 2100 weitere starben dieses Jahr durch die Cholera. Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Verschärft wird die Lage durch die wachsenden Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, der auf Seiten der Huthi-Rebellen steht.

mad/AFP/DPA

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