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Jemen: Attentäter erschießen deutschen Leibwächter

Ein Leibwächter der deutschen Botschafterin im Jemen ist in Sanaa erschossen worden. Offenbar setzte er sich gegen einen Entführungsversuch zur Wehr.

Ein deutscher Botschaftsmitarbeiter ist bei einem Überfall in Jemens Hauptstadt Sanaa ums Leben gekommen. "Wir müssen leider bestätigen, dass ein deutscher Sicherheitsbeamter, der an der Botschaft in Sanaa tätig war, in Jemen getötet wurde", teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin am frühen Montagmorgen mit. Gemeinsam mit der Vertretung in Sanaa und den jemenitischen Behörden werde sich um Aufklärung der Tat bemüht. Der Mann soll örtlichen Sicherheitskreisen zufolge als Leibwächter für Diplomaten tätig gewesen sein.

Nach jemenitischen Medienberichten wollten Unbekannte den Deutschen am Sonntag vor einem Einkaufszentrum im südlichen Stadtteil Hadda entführen. Als er sich gewehrt habe, sei er getötet worden. Die Zeitung "Yemen Times" zitierte einen Mitarbeiter des Dschandul-Einkaufszentrums und Augenzeugen. Demnach sollen drei Bewaffnete den Deutschen am Eingang eines Supermarktes getötet haben. Nach der Tat seien sie in einem schwarzen Fahrzeug geflüchtet.

Botschafterin Ziel der Entführung?

Ein Korrespondent des Fernsehsenders Al-Arabija sagte, das eigentliche Ziel des Angriffs sei die deutsche Botschafterin Carola Müller-Holtkemper gewesen. Sie sei aber davongekommen. Botschaft und Einkaufszentrum befinden sich im Diplomatenviertel der Stadt. Die Sprecherin des Auswärtigen Amtes wies diese Darstellung zurück: "Meldungen über einen Entführungsversuch der deutschen Botschafterin sind unzutreffend." Müller-Holtkemper befinde sich "derzeit" gar nicht im Jemen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Sonntagabend der Nachrichtenagentur AFP in Sanaa.

Im Norden von Sanaa wurde derweil nach Angaben aus Diplomatenkreisen ein Ausländer im Dienste einer Nicht-Regierungsorganisation entführt. Ausländer werden im Jemen immer wieder Opfer von Angriffen und Entführungen. Das Terrornetzwerk Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel hält seit März 2012 den saudiarabischen Vize-Konsul in Aden, Abdullah al-Chalidi, in seiner Gewalt. Auch ein Mitarbeiter der iranischen Botschaft in Aden wurde im Juli entführt.

Botschaft wegen Drohungen geschlossen

Die deutsche Botschaft war eine der westlichen Vertretungen im Jemen, die nach Erkenntnissen des US-Geheimdienstes zuletzt von Al-Kaida bedroht worden waren. Im August blieb die deutsche Botschaft deswegen zwei Wochen lang geschlossen. Auch andere westliche Staaten wie Großbritannien, Frankreich und die USA machten ihre Botschaften in Sanaa vorübergehend dicht. Für den ganzen Jemen gilt derzeit eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Die 57-jährige Müller-Holtkemper hatte die Leitung der Botschaft in Sanaa erst in diesem Jahr übernommen. Von 2010 bis 2013 war die studierte Volkswirtin Botschafterin in der albanischen Hauptstadt Tirana. Als Botschaftsmitarbeiterin war sie ferner in den arabischen und nordafrikanischen Ländern Jordanien, Ägypten und Marokko tätig.

bak/tis/tkr/DPA/AFP / DPA