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Entgleisung oder Strategie "Was für ein Hurensohn": US-Präsident Joe Biden poltert gegen Fox News und andere Medien

US-Präsident Joe Biden mit verkniffenem Gesicht
Auf Kriegsfuß vor allem mit Fox News: US-Präsident Joe Biden
© Saul Loeb / AFP
Donald Trump stieß zwar in neue Dimensionen vor, doch das Verhältnis von US-Präsidenten zur Presse war selten reibungslos. Auch Joe Biden ist keine Ausnahme, wie sich jetzt zeigt. Der Präsident spürt den Druck durch die Zwischenwahlen.

Wenn es darum geht, unliebsame Journalisten abzukanzeln, kann US-Präsident Joe Biden seinem republikanischen Amtsvorgänger Donald Trump nicht das Wasser reichen. Doch gerade in jüngster Zeit zeigt auch der aktuelle starke Mann im Weißen Haus, dass ihm die freie Presse auf die Nerven gehen kann. Wenig überraschend sind es vor allem Journalist:innen vom Trump-freundlichen Sender Fox News, die es ihm nicht recht machen können. In einem Fall wurde Biden regelrecht ausfällig.

Der Zorn des Präsidenten traf Peter Doocy, der mit der Frage, ob Biden glaube, dass die steigende Inflation vor den anstehenden Midterm-Wahlen wohl eine politische Belastung für den Präsidenten bedeuten würde. "Nein, es ist eine große Bereicherung", gab Biden sarkastisch zurück – und schickte dann ganz unpräsidial hinterher: "Mehr Inflation. Was für ein dummer Hurensohn." Ob Biden glaubte, das Mikrofon sei in Moment abgeschaltet war, blieb unklar.

Joe Biden: Beschimpfung und Entschuldigung

Klar ist dagegen, dass es nicht Bidens einzige Entgleisung gegenüber Journalist:innen in letzter Zeit war. Eine Frage der Fox-Reporterin Jacqui Heinrich letzte Woche, warum Biden angesichts der zunehmenden Spannungen in der Ukrainekrise darauf "warte", dass Russland Präsident Wladimir Putin "den ersten Schritt mache" statt selber aktiv zu werden, quittierte Biden mit dem Satz "Was für eine dumme Frage". Fragen von Reportern weiterer erzkonservativer Medien wie der "New York Post" oder dem TV-Sender Newsmax ignorierte Biden zuletzt sogar völlig.

Aber auch die White-House-Chefkorrespondentin des eher den Demokraten näher stehenden TV-News-Sender CNN bekam schon ihr Fett weg. Kaitlan Collins musste sich nach einer kritischen Frage zu einem Treffen mit Putin anherrschen lassen: "Was, zum Teufel, machen Sie die ganze Zeit? (...) Wenn Sie das nicht verstehen, sind Sie im falschen Business." Was Biden von seinem Vorgänger Trump grundlegend unterscheidet: Sowohl auf Kaitlan Collins als auch auf Peter Doocy ging der Präsident zu und entschuldigte sich via Telefon für seine Ausraster. Das führte sogar dazu, dass Fox-News-Mann Doocy den Zwist öffentlich herunterspielte. "Er rief auf meinem Handy an und sagte: 'Das ist nichts Persönliches, Kumpel'", berichtete Doocy in der Sendung von Sean Hannity, einem Donald Trump fast freundschaftlich verbundenen Fox-Moderator.

Entgleisung oder Strategie: "Was für ein Hurensohn": US-Präsident Joe Biden poltert gegen Fox News und andere Medien

"Kein Präsident sollte einen Reporter Hurensohn nennen"

"Ich denke, kein Präsident sollte irgendeinen Reporter einen dummen Hurensohn nennen", kritisierte der prominente CNN-Anchorman Jake Tapper in der Late-Night-Show von Jimmy Kimmel die Äußerungen Bidens. Gerätselt wird, wieso Biden zunehmend zu diesem Mittel greift, obwohl er sich gerade im Umgang mit der Presse klar von seinem Vorgänger unterscheiden wollte, wie auch seine Sprecherin Jen Psaki nach der Entgleisung gegenüber Peter Doocy nochmals betonte.

Todd Belt, Professor für politisches Management an der George Washington Universität, glaubt an einen Strategiewechsel angesichts der schwierigen anstehenden Midterms. Bei den Wahlen zur Mitte der präsidialen Amtszeit laufen die Demokraten Gefahr, ihre Mehrheiten im Kongress zu verlieren – was die Regierungsfähigkeit des Präsidenten massiv behindern würde. Bidens verbales Ausschlagen sei ein Signal an die eigene Partei, dass der Ton nun kämpferischer werden soll. "Das wollen viele Demokraten", urteilt Belt gegenüber dem Polit-Portal "The Hill". Sie seien frustriert, dass ihr Präsident zuletzt zu sehr im Hintergrund gearbeitet habe. Ein kämpferischer Ton wäre wohl auch wegen der aktuellen Umfragewerte angebracht. Das Pew Research Center wies die Zustimmungswerte für Biden zuletzt bei 41 Prozent aus – ein Rekordtief.

Der Einschätzung Belts steht allerdings entgegen, dass das Weiße Haus den Zoff des Präsidenten mit Journalisten herunterspielte, hieß es in Washington. Auch die politische Analystin Brit Hume glaubt nicht, dass Angriffe gegen die Presse den Demokraten und Biden helfen werden. "Es hat Donald Trump nicht geholfen", so Hume zu "The Hill", "und ich glaube nicht, dass es diesem Präsidenten helfen wird, das zu tun."

Quellen: The Hill, Fox News, Pew Research Center, Jimmy Kimmel Live


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