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John F. Kerry: Im langen Schatten der Kennedys

Der Parteitag der Demokraten soll der große Auftritt von Präsidentschaftsbewerber John F. Kerry werden. Der Kennedy-Mythos in Boston wird ihm diese Aufgabe nicht leicht machen.

Eigentlich soll es der Parteitag von John Kerry werden. Der Senator aus Massachusetts soll auf dem Parteikonvent der Demokraten in seiner Heimatstadt Boston zum Herausforderer von US-Präsident George W. Bush gekürt werden. In Boston ist es aber unvermeidlich, dass ein anderer Name allgegenwärtig ist - der der Kennedys. Und da könnte Kerry schnell in den Hintergrund gedrängt werden.

"Dies ist John Kerrys Parteitag"

Senator Edward Kennedy, seit dem Tod von Mutter Rose vor neun Jahren das Oberhaupt des einflussreichen Familienclans, hat die Gefahr offenbar erkannt und über einen Sprecher erklären lassen: "Dies ist John Kerrys Parteitag, vom ersten bis zum letzten Tag." Außerdem unterstützt er seinen Senatskollegen tatkräftig in dessen Kampf um das Weiße Haus. Immerhin sieht sich Kerry selbst in der Nachfolge John F. Kennedys, des 1963 ermordeten Präsidenten und großen Sohnes Bostons.

Die Parteitagsdelegierten werden die ganzen vier Tage auf Schritt und Tritt den Kennedys begegnen. Senator Christopher Dodd, ein enger Freund des Präsidentenbruders Edward, sagt dazu: "Viele Veranstaltungen des Konvents finden in der Kennedy Library statt, man fährt auf dem John F. Kennedy Boulevard, das Gerichtsgebäude, an dem man vorbeikommt, ist nach John F. Kennedy benannt, und vor dem Regierungssitz von Massachusetts blickt man auf eine Statue John F. Kennedys." Und weiter sagte er: "Für die heutige Generation der Demokraten sind die Stadt Boston, der Staat Massachusetts und die Kennedy-Familie untrennbar miteinander verbunden."

100 Kennedys in Boston

Auch zahlenmäßig sind die Kennedys auf dem Parteitag beinahe übermächtig vertreten. Mehr als 100 Mitglieder der Familie werden erwartet. In einem Hotel wurden rund 100 Zimmer für sie reserviert. Senator Kennedy erwartet unter anderen seine Nichte Maria Shriver, die Frau des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger. Der Gouverneur selbst, ein Republikaner, wird nicht kommen.

Edward Kennedy, der seit mehr als 40 Jahren Massachusetts im Senat in Washington vertritt, wird am zweiten Tag zur besten Sendezeit zu den Delegierten sprechen. "Boston ist die Heimat unserer Familie", sagte er kürzlich in einem Interview. "Es ist wunderbar, dass die Demokratische Partei hierher kommt und einen Einheimischen als Präsidentschaftskandidaten nominiert." Kerry ist seit 1985 neben Kennedy der zweite Senator des Staates.

Rose Kennedy starb mit 104

Am Rande des Parteitags wird in Boston eine Parkanlage nach Rose Kennedy benannt werden, die im Januar 1995 im Alter von 104 Jahren starb. Auch an den 1968 im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur ermordeten früheren Justizminister und Senator Robert Kennedy wird bei einem Bankett erinnert werden. Die Eintrittsgelder in Höhe von 1.000 bis 50.000 Dollar fließen einer nach ihm benannten Stiftung zu. Unter den 400 erwarteten Gästen sind Prominente wie die Schauspielerinnen Meg Ryan, Demi Moore und Susan Sarandon sowie der Oscar-Gewinner Tim Robbins - und Kerry ist Ehrenvorsitzender der Veranstaltung.

Lolita C. Baldor/AP / AP