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Nordkoreas Machthaber: Hinrichtungen, Straflager, Abschottung: Der falsche Frieden des Kim Jong Un

Der nordkoreanische Diktator setzt sich angeblich engagiert für Frieden ein. Was viele scheinbar vergessen: An Kim Jong Uns Händen klebt reichlich Blut - sein Angstregime bestraft Deserteure nicht selten mit dem Tod.

Nordkoreas Machthaber - Hinrichtungen, Straflager, Abschottung: Der falsche Frieden des Kim Jong Un

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un

AFP

"Ist Kim Nordkoreas Gorbatschow?", fragt sich eine große deutsche Tageszeitung. Woanders ist gar von einem "Gentleman" die Rede. Nach dem Friedensgipfel zwischen Nord- und Südkorea scheint das Stimmungsbild über den nordkoreanischen Diktator plötzlich gekippt. Kim Jong Un, vom Tyrannen zum Friedensstifter? 

Zwar ist richtig, dass mit geballten Fäusten keine Hände geschüttelt werden können - der Dialog mit Nordkorea ist wichtig und richtig. Aber dem nordkoreanischen Diktator klebt immer noch Blut an den Händen. Die teilweise schwer romantisierenden Schlagzeilen lassen beinahe vergessen, dass Kim Jong Un immer noch der Anführer eines Angstregimes ist, das Deserteure nicht selten mit dem Tod bestraft. Nordkorea bleibt wohl vorerst die schlimmste Diktatur der Welt. Auch nach den ersten Annäherungen bei den Olympischen Spielen in Südkorea und dem mutmaßlichen Durchbruch im Friedensprozess.

Hunger, Folter und Tod in Straflagern

Nicht zuletzt durch die Straflager, eine Art staatlicher Folterkammer, die Nordkorea entweder bestreitet oder als "Erziehungsanstalten für staatsfeindliche Verbrechen" verharmlost. Ehemalige Häftlinge berichten von Folter, Versklavung und Tod.

Wer sich bei der gefährlichen Schwerstarbeit in den Minen verletzt, wird liegengelassen. Im Winter erfrieren die halbtoten Menschen schnell. Wenn ausgemergelte Gefangene zu schwach sind, einem gefällten Baum auszuweichen, der Stamm sie trifft und ihre Körper zerschmettert, dann gibt es Wärter, die das amüsant finden. Manche von ihnen verdanken sogar ihre Karriere dem Mord an Insassen. "Ein Wärter hat einmal zwei Männer und drei Frauen zum Zaun gezerrt und sie erschossen. Angeblich, weil sie fliehen wollten. Er durfte zur Belohnung auf eine Top-Universität", sagt Lim Hye Jin. Sie ist die bislang einzige Wärterin eines nordkoreanischen Lagers, die geflohen ist und über die dortigen Barbareien öffentlich spricht. 

In der britischen Zeitung "Daily Mail" berichtete sie von Folter, Hunger, Mord und Totschlag - Alltag im Straflager, in denen neben manchen Hütten die Leichen verrotten. In denen die Gefangenen wegen Nichtigkeiten halb zu Tode geprügelt werden, Frauen systematisch vergewaltigt und Neugeborene lebendig begraben werden.

Hinrichtungen zum Machterhalt

Zwar ist über das interne Machtgefüge in Nordkorea wenig bekannt, doch ein Eindruck erhärtet sich alle Jahre wieder: Der Diktator verteidigt seine Macht mit grausamen Mitteln - und lässt seine Gegner hinrichten.

  • Dezember, 2013. Kim Jong Uns Onkel wird hingerichtet, wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldet. Der "Verräter" sei nach einem Militärprozess exekutiert worden. Die Vorwürfe: etwa Fraktionsbildung und Korruption.
  • Mai, 2015: Verteidigungsminister Hyon Yong Chol wird hingerichtet, berichtet der Vizechef des südkoreanischen Geheimdienstes NIS. Er soll bei einer Veranstaltung im Beisein von Kim Jong Un eingeschlafen sein und widersprochen haben. Er sei wegen "Untreue und Respektlosigkeit" zum Tode verurteilt worden.
  • Mai, 2015: Einem nordkoreanischen Informanten zufolge soll Kim Jong Un seine Tante vergiftet haben, berichtet CNN. Daran wird allerdings gezweifelt: Der südkoreanische Geheimdienst dementiert den Bericht, hält die Tante allerdings auch für tot.

Pure Abschottung, fast ohne Ausweg

Nordkorea hat seine Bevölkerung weitestgehend von der Außenwelt abgeschottet. Im November 2014 hat sich Kim Jong Un für wirksamere Sperren vor westlichem Einfluss ausgesprochen. Auf einer Konferenz der nordkoreanischen Führung sagte er, die Bemühungen zur Indoktrinierung der Bevölkerung müssten verstärkt werden. Auch müsse die Bildung von Abweichlern verhindert werden, wurde er von Staatsmedien zitiert.

Eine Abschottung mit Kalkül: "In Nordkorea wird man wie ein Tier konditioniert und einer Gehirnwäsche unterzogen. Bis zu meiner Flucht dachte ich, dass alle Länder ähnlich wie Nordkorea sind", berichtet Flüchtling Hyung in Berlin. "Die Menschen werden darauf gedrillt, loyal zu sein. Auch ich war so ein Mensch. Als Kind lernte ich den Hass auf die USA und dass die Kims die Retter unserer Nation sind." Öffentliche Hinrichtungen und Desinformationen würden zur Angst innerhalb der Bevölkerung beitragen.

Kim Jong Un trage persönliche Verantwortung

Im Februar 2014 haben Experten der Vereinten Nationen dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un persönliche Verantwortung für Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. "Die Schwere, das enorme Ausmaß und die Art und Weise der in diesem Staat begangenen Verbrechen sind in der heutigen Welt beispiellos", erklärte die Untersuchungskommission. Nordkorea sei eindeutig ein "totalitärer Staat", in dem systematisch Menschen ermordet, versklavt, gefoltert, sexuell missbraucht und dem Hunger ausgesetzt werden. Die Welt dürfe nicht weiter tatenlos zusehen, heißt es in dem Bericht. "Die internationale Gemeinschaft muss ihre Verantwortung für den Schutz der Menschen vor Verbrechen gegen die Menschlichkeit wahrnehmen, denn die Regierung der Demokratischen Volksrepublik Korea hat dabei erwiesenermaßen versagt." 

In einem separaten Brief an Kim Jong Un erklärte der Leiter der UN-Kommission, Michael Kirby, Spitzenfunktionäre des Regimes würden schwerste Verbrechen "unter der effektiven Kontrolle" des Staats- und Parteichefs begehen. Die Kommission setzte sich für die strafrechtliche Verfolgung aller Verantwortlichen ein, "darunter möglicherweise auch Sie selbst", heißt es in dem Schreiben.

Zehn Fakten über Nordkorea
fs/Mit Material der DPA