Kriegsopfer Stiller Empfang mit Geistlichem und Ehrengarde


Die ersten toten Soldaten kommen in Amerika an. Der Luftwaffenstützpunkt Dover ist seit fast 50 Jahren Zwischenstation für Amerikas gefallene Helden. Dort ist man auf die Aufnahme von bis zu hundert Toten täglich vorbereitet.

Es ist ein Vorfrühlingstag an der US-Ostküste, wie er im Buche steht. Doch niemand auf dem Luftwaffenstützpunkt Dover im Bundesstaat Delaware könnte oder wollte ihn genießen. Eine Maschine mit den ersten US-Opfern des Kriegs gegen den Irak ist gelandet. Es sind Amerikaner, die bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kamen.

<Ein Geistlicher segnet die Särge aus Aluminium

Ihre Heimkehr ist still und würdevoll. Nur die Schritte der angetretenen Ehrengarde sind zu hören. Schweigend geht ein Geistlicher an Bord. Man weiß, was er tut: Er segnet die in das Sternenbanner eingehüllten Aluminium-Särge.

Dover Air Force Base ist mehr als eine normale Luftwaffenbasis. Sie ist seit rund 50 Jahren eine Art Zwischenstation für Amerikas gefallene Helden - seien es Opfer von Krieg, Terror oder auch Unfällen im Dienst für die Nation. Mit Beginn des Irak-Krieges wurde die Zahl der Angestellten, die sich freiwillig gemeldet haben, für das einzige militärische Leichenschauhaus auf dem Boden der USA erhöht. Die zusätzlichen Mitarbeiter wurden in einem dreitägigen Schnellkursus auf das Schlimmste vorbereitet: die tägliche Ankunft von Flugzeugen mit Toten in den nächsten Wochen.

Identifikation von Toten mit Gen-Tests

Seit 1955 sind die sterblichen Überreste von über 50 000 Amerikanern nach Dover gebracht worden, wie die "Washington Post" errechnet hat. Darunter waren auch die Toten des Golfkriegs von 1991. Auch die sterblichen Überreste der sieben am 1. Februar ums Leben gekommenen Astronauten der Raumfähre "Columbia" fanden zunächst auf dieser Militärbasis Aufnahme, um identifiziert, untersucht und schließlich für die Beisetzung vorbereitet zu werden.

Dover hat modernste Einrichtungen und hocherfahrene Experten, um in Zweifelsfällen per genetischer Tests, Zahn-Unterlagen und Fingerabdrücken möglichst rasch festzustellen, wer die Toten sind. Die Mitarbeiter sind für den Umgang mit den Hinterbliebenen geschult, insbesondere für eine Übergabe der Toten an die Familien: in exakter Uniform mit jedem Abzeichen, jedem Orden und jeder Nadel am richtigen Platz.

"Es ist eine ehrenvolle Aufgabe, und wir sind stolz auf das, was wir tun", zitiert die "Washington Post" William Zwicharowski, den Direktor des Leichenschauhauses. Platz ist für insgesamt etwa 1000 Tote. Auf die Aufnahme von bis zu 100 am Tag ist man vorbereitet - und hofft, dass dies nie eintreten wird.

Gabriele Chwallek DPA

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