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Krim-Krise: Krieg der Worte

Während Wladimir Putin beteuert, keine Militärintervention auf der Krim zu wollen, wird in den Medien die Schlacht der Worte geschlagen. Im Internet breiten sich Verschwörungstheorien aus.

Von Ellen Ivits

Die Krise auf der ukrainischen Halbinsel Krim beschwört bei vielen die Ängste vor einem neuen Kalten Krieg herauf. Tatsächlich wird ein "kalter Krieg" schon ausgetragen - in den Medien. Die Propagandamaschinerie läuft auf Hochtouren. Während für den Westen in der Ukraine friedliche Demonstranten gegen ein tyrannisches Regime und eine feindliche Okkupation kämpfen, haben für Russland faschistische Terroristen eine demokratisch legitimierte Regierung gestürzt und bedrohen jetzt die russischsprachige Bevölkerung. Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnet den Machtwechsel in der Ukraine als Staatsstreich. Die ukrainische Bevölkerung habe zwar einen Wandel gewünscht, ein "illegaler Wandel" könne jedoch nicht akzeptiert werden.

Was ist wahr? Was ist falsch? Ein Informationskrieg um die Deutungshoheit tobt. Besonders im Netz breiten sich Spekulationen und Verschwörungstheorien aus.

Verschwörungstheorien verbreiten sich

Prorussische Propagandavideos werfen den westlichen Massenmedien vor, nur einseitig zu berichten. Zum Beispiel wird dieses Video derzeit auf Facebook und YouTube verbreitet.

Es zeigt wie brutal mutmaßliche Aktivisten auf dem Maidan in Kiew gegen Polizeibeamte vorgehen, sie mit Brandsätzen bombardieren und mit Waffen attackieren. Deutsche Medien würden aber trotz solcher Bilder von friedlichen Demonstranten und rücksichtslosem Vorgehen der Polizei sprechen, heißt es. Die unbekannten Verfasser des Videos werfen den deutschen Medien eine Verschwörung gegen Russland vor. Das gewaltsame Vorgehen der Polizei gegen die Opposition ist dagegen in dem Video kein Thema.

Wiedersprüchliche Informationen

Viele Nutzer nehmen das Gezeigte für bare Münze. Ein Facebook-User kommentiert das Video: "Guckt am besten weiterhin die von der CIA gesteuerten nachrichten in europa .. es ist doch nichts neues.. dass europa bzw deutschland seit dem zweiten weltkrieg eine „kollonie" von usa ist.. und usa hier das sagen hat ! deutschland-souverän? nix da!"

Westliche Medien werden im russischen Fernsehen beschuldigt, sich nur auf die Gewalt gegen die Demonstranten und die rechtswidrige Besetzung der Krim durch russische Militäreinheiten zu fokussieren. Bilder maskierter Uniformierter, die Angst und Schrecken verbreiten, würden angeblich die Berichterstattung dominieren. Um zu dokumentieren, dass die Bevölkerung keine Angst vor dem russischen Militär hat, zeigen russische Medien Twitter- und Instagram-Fotos, auf denen sich die Krim-Bewohner mit den Soldaten umarmen.

Prorussische Blogger unterstellen den westlichen Medien, den Wunsch vieler Krim-Bewohner, sich von der Ukraine zu separieren, nur selten zu thematisieren. Sie zeigen Bilder von prorussischen Demonstranten, wie diese Frau in Simferopol, die ein Schild mit der Aufschrift hochhält: "Die Zeit ist gekommen, mir meinen Namen zurückzugeben. Ich heiße Russland, und nicht Ukraine!"

Im Netz werden auch Verschwörungstheorien laut, dass die Proteste von den USA finanziert würden. Blogger sprechen von Tagesgehältern für die Demonstranten. Bis zu 300 Dollar sollen sie am Tag für das Vorgehen gegen Polizei und Behörden bekommen. Doch auch für diese Behauptung wird kein Beleg geliefert.

Der Krieg der Worte tobt.