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Krise in Ägypten: Todesopfer bei erneuten Zusammenstößen in Kairo

Die blutigen Auseinandersetzungen in Ägypten gehen weiter. Friedensnobelpreisträger ElBaradei fordert über Twitter die Änderung der Verfassung, sonst sei "jeder Dialog eine Zeitverschwendung".

Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizisten und Demonstranten in der Nähe des Kairoer Tahrir-Platzes ist nach Polizeiangaben am Montag ein Mann getötet worden. Das Opfer wurde demnach in der ägyptischen Hauptstadt von Schrotkugeln am Kopf getroffen. Die Polizei setzte Tränengas ein, die Demonstranten, die den fünften Tag in Folge auf die Straße gingen, warfen Steine.

Ägyptens größtes Oppositionsbündnis hat nach eigenen Angaben für den frühen Montagnachmittag ein Krisentreffen in Kairo einberufen. Die Nationale Heilsfront werde über das Angebot von Präsident Mohammed Mursi beraten, am Abend zu einem nationalen Dialog zur Beendigung der Krise in dem nordafrikanischen Land zusammenzutreffen, sagte Hussein Gohar von der Ägyptischen Sozialdemokratischen Partei der Nachrichtenagentur AFP. Die Partei gehört der Nationalen Heilsfront an. Das Treffen war für 18.00 Uhr Ortszeit (17.00 Uhr MEZ) im Präsidentenpalast angesetzt.

Der islamistische Präsident lud auch die Partei Al-Dostur des Friedensnobelpreisträgers Mohammed ElBaradei, den früheren Chef der Arabischen Liga, Amr Mussa, und den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Hamdeen Sabbahi ein, die alle Teil der Nationalen Heilsfront sind. Sabbahis linksnationalistische Volksströmung erklärte, dass sie nicht bereit sei zum Dialog, "während das Blutvergießen weitergeht und die Verbrechen der Regierung gegen die Demonstranten andauern".

Blutige Ausschreitungen auch in Port Said

ElBaradei schrieb auf dem Internet-Kurznachrichtendienst Twitter: "Wenn der Präsident nicht die Verantwortung für die blutigen Ereignisse übernimmt und sich nicht dafür einsetzt, eine Regierung der nationalen Rettung sowie eine Kommission zur Änderung der Verfassung zu bilden, wird jeder Dialog eine Zeitverschwendung sein."

In Port Said, Suez und Ismailija war es am Wochenende ebenso wie in anderen Städten des Landes zu blutigen Ausschreitungen gekommen. Dabei waren in drei Tagen nach amtlichen Angaben 46 Tote zu beklagen. Mursi verhängte am Sonntag über die drei Städte und gleichnamigen Provinzen einen 30-tägigen Ausnahmezustand, der in der Nacht zum Montag in Kraft trat.

In der Hafenstadt Port Said gingen Demonstranten ungeachtet des Ausnahmezustands in der Nacht auf der Straße und kündigten für Montag weitere Kundgebungen an. Auch in Kairo gab es die ganze Nacht über Auseinandersetzungen zwischen kleinen Demonstrantengruppen und Polizisten in der Nähe des Tahrir-Platzes.

amt/AFP / AFP