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Majestätsbeleidigung in Thailand: Wer Witze über den Hund des Königs macht, dem drohen 37 Jahre Knast

Über 100 Menschen wurden während der letzten drei Jahre in Thailand wegen Majestätsbeleidigung verhaftet. Oftmals handelt es sich dabei um völlig harmlose Äußerungen, die mit vielen Jahren Gefängnis bestraft werden.

Thong Daeng war der Lieblingshund von König Bhumibol (r.). Wer sich über ihn lustig machte, musste mit sehr ernsthaften Konsequenzen rechnen.

Thong Daeng war der Lieblingshund von König Bhumibol (r.). Wer sich über ihn lustig machte, musste mit sehr ernsthaften Konsequenzen rechnen.

Majestätsbeleidigung - in deutschen Ohren klingt das fast schon lächerlich, so unwirklich und veraltet wirkt dieses Wort. Doch in anderen Ländern, wie etwa in Thailand, ist der Vorwurf der Majestätsbeleidigung bitterer Ernst. Schon immer galt die Erbmonarchie Thailand als besonders strikt, wenn es darum geht, beleidigende Aussagen und Handlungen gegen die Königsfamilie zu ahnden. So müssen Angeklagte mit bis zu 15 Jahren Haftstrafe rechnen. Dieser Umgang ist offenbar noch wesentlich strenger geworden, seitdem das Militär 2014 nach monatelangen politischen Unruhen die Macht in Thailand übernommen hatte.

Die internationale Föderation für Menschenrechte hat nun neue Zahlen veröffentlicht, wonach seit dem Militärputsch vor knapp drei Jahren 105 Menschen in Thailand wegen Majestätsbeleidigung verhaftet wurden. 49 davon wurden mittlerweile sogar zu Haftstrafen verurteilt. Unter den Anklagen sind einige Fälle, bei denen wohl niemand gedacht hätte, dass man für so etwas vor Gericht landen oder gar in den Knast kommen könnte.

Witze über den Hund des Königs sind Majestätsbeleidigung

Der Fabrikarbeiter Thanakorn Sripaiboon ist gerade 27 Jahre alt, als er auf Facebook ein bearbeitetes Foto eines Hundes mit "Gefällt mir" markiert und es mit seinen Freunden teilt. Wenige Tage später wird er verhaftet. Denn bei dem sarkastischen Inhalt handelte es sich nicht um irgendeinen Hund, sondern um Thong Daeng, die Lieblingshündin des damaligen Königs Bhumibol Adulyadej, der inzwischen verstorben ist. Er hatte sie als Welpen von der Straße adoptiert und seitdem wich sie nicht mehr von seiner Seite. Es gab sogar einen thailändischen Zeichentrickfilm über die Hündin und der König höchst persönlich schrieb ein berühmtes Buch über sie, in dem er ihre Demut und ihren Gehorsam anpries - man munkelt, der Bestseller solle als Verhaltensvorlage für die Bevölkerung dienen. 

Das innige Verhältnis zwischen Hund und Herrchen wurde dem 27-Jährigen zum Verhängnis, denn König Bhumibol verstand Thong Daeng als Mitglied der Königsfamilie, was seiner Ansicht nach den Vorwurf der Majestätsbeleidigung legitimierte. Am 8. Dezember verhaftete die thailändische Polizei den Fabrikangestellten. Neben Majestätsbeleidigung werden ihm noch Computer-Kriminalität und Rebellion vorgeworfen, denn er veröffentlichte außerdem eine Grafik, die über zunehmende Korruption in Thailand durch die Militärjunta informieren sollte. Die Anklage forderte eine Haftstrafe von 37 Jahren für die drei Verbrechen. Vor wenigen Monaten wurde der junge Thailänder jedoch auf Kaution aus dem Gefängnis entlassen.

Geistig behinderter Mann wegen Mail verurteilt

Auch der 45-jährige Thanet Nonthakot wurde 2015 wegen Majestätsbeleidigung verhaftet. Er habe vier Jahre zuvor in einer versendeten Mail Aussagen getroffen, die eindeutig gegen das thailändische Königshaus schießen würden, argumentierte die Anklage. Besonders schockierend: Das Gericht störte sich bei der Beurteilung des Falls nicht an der Tatsache, dass der Mann nachweislich geistig krank ist.

Ein Psychologe, der für das Verfahren engagiert wurde, bescheinigte, er sei fit genug für den Prozess und niemand könne beweisen, dass der Angeklagte damals die Kontrolle über seine Taten verloren hatte. So stand einer Verurteilung nichts mehr im Wege - Thanet wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nach seiner "hilfreichen Aussage" entschied sich das Gericht, die Gefängnisstrafe auf dreieinhalb Jahre zu reduzieren.

14 Jahre Gefängnis für alleinerziehende Mutter nach Facebook-Post

Ein weiterer absurder Fall: Die alleinerziehende Mutter Chayapha C. postete 2015 ein Foto eines Panzers auf Facebook. Die Aufschrift dieses Panzers deutete angeblich einen möglichen Gegen-Putsch an. Die 41-Jährige wurde tatsächlich zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Später bekannte sie sich vor Gericht offiziell der Majestätsbeleidigung und Rebellion schuldig, wodurch sich die Dauer ihrer Haftstrafe halbierte. Was mit ihren Kindern passiert ist, ist nicht bekannt.

So skurril all diese Anklagen und Urteile für uns in Deutschland auch klingen mögen - für die thailändische Bevölkerung sind sie bittere Realität. Auch nach dem Tod von König Bhumibol und der Thronübernahme durch seinen Sohn Maha Vajiralongkorn im Jahr 2016 scheint keine Besserung in Sicht. Doch nicht nur Thailänder müssen aufpassen, wie sie sich über das Königshaus äußern. In der Vergangenheit wurden auch schon Ausländer der Majestätsbeleidigung bezichtigt. So wurde 2007 ein Schweizer zu 10 Jahren Haft verurteilt, nachdem er betrunken mehrere Portraits des Königs beschmiert hatte. Er hatte jedoch am Ende noch Glück im Unglück - bevor er die Strafe hätte antreten müssen, begnadigte der König den Schweizer und verwies ihn des Landes.

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