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Marine-Einsatz auf dem Mittelmeer: Italien beendet Mission "Mare Nostrum"

Tausende afrikanische Flüchtlinge kommen jährlich auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer um. Italien lässt nun die Rettungsaktion "Mare Nostrum" auslaufen. Hilfsorganisationen üben Kritik.

Afrikanische Flüchtlinge werden im im September 2014 Rahmen der Mission "Mare Nostrum" gerettet

Afrikanische Flüchtlinge werden im im September 2014 Rahmen der Mission "Mare Nostrum" gerettet

Italien hat nach einem Jahr den Marine-Einsatz "Mare Nostrum" zur Rettung in Seenot geratener Flüchtlinge auf dem Mittelmeer offiziell beendet. "Mare Nostrum endet. Italien hat seine Pflicht getan", sagte am Freitag Innenminister Angelino Alfano. "Von Morgen an beginnt eine neue Operation mit dem Namen Triton". Der im Oktober 2013 begonnene Einsatz erlaubte es Rom zufolge, mehr als 150.000 Menschen zu retten - im Schnitt 400 pro Tag. Dies entspricht einer Verdreifachung im Vergleich zum Jahr 2013.

Alfano sagte, der EU-Einsatz "Triton" werde noch zwei Monate von "Mare Nostrum" begleitet. Der von der EU-Grenzschutzagentur Frontex geleitete "Triton"-Einsatz stößt auf breite Kritik, weil er im Umfang erheblich kleiner ist als die Rettungsmission Italiens. Er soll sich nur innerhalb der EU-Grenzen bewegen und nicht die aktive Suche nach Flüchtlingen in Seenot etwa vor der nordafrikanischen Küste umfassen.

Mehr als 3200 Menschen ertranken bereits

Schon die italienischen Bemühungen hatten nicht verhindern können, dass der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge 2014 rund 3200 Menschen im Mittelmeer ertranken.

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Simone Peter, sprach mit Blick auf den beginnenden "Triton"-Einsatz von einem "schwarzen Tag für die europäische Flüchtlingspolitik". Frontex fehle "das Selbstverständnis für eine Seenotrettungsmission, für sie steht der Grenzschutz im Fokus", erklärte Peter.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, die Mittel reichten "hinten und vorne nicht". Das Einsatzgebiet von "Triton" sei "viel zu klein". Ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) erklärte am Freitag in Genf, ohne angemessene Rettungsbemühungen auf dem Mittelmeer "werden weiter Menschen sterben".

Diplomaten kritisieren das Ende von "Mare Nostrum"

Indes kritisierten EU-Diplomaten die Einstellung von "Mare Nostrum". Ein EU-Vertreter sagte, "Triton" sei "ein Mittel zur Unterstützung und ersetzt nicht die italienischen Verpflichtungen". Rom müsse weiter die Außensicherung seiner Grenzen und die Rettung von Flüchtlingen in seinem Hoheitsgebiet gewährleisten.

"Triton" wird vom neuen EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos verantwortet, der am Samstag offiziell das Amt von Vorgängerin Cecilia Malmström übernimmt. Für den "Triton"-Einsatz stehen ihm 21 Schiffe, vier Flugzeuge, ein Hubschrauber sowie 6 Offiziere aus 21 Staaten zur Verfügung.

mka/AFP / AFP