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Präsidentschaftswahl in Frankreich: Marine Le Pen geht das Wahlkampfgeld aus

In den Umfragen steht Marine Le Pen gut da, dennoch bekommt die Chefin des rechtsextremen Front National Schwierigkeiten: Wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl fehlen ihr mehrere Millionen Euro für den Wahlkampf.

Marine Le Pen

Marine Le Pen, Chefin des rechten Front National, hat Geldsorgen

Die vergangenen Monate sind ganz im Sinne von Marine Le Pen verlaufen. Die Briten haben für den EU-Austritt gestimmt, in den USA hat sich Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen durchgesetzt und sie selbst reitet in ihrer Heimat Frankreich auf einer Welle des Erfolgs. Nur leider gibt es da ein Problem - es fehlt an Geld. Die Rechtspopulistin braucht für den anstehenden Präsidentenwahlkampf noch mindestens sechs Millionen Euro, eher mehr. Le Pen muss auf Betteltour gehen - und die, die bereit sind zu geben, von denen nimmt sie nur ungern.

Marine Le Pen: chancenreiches Schmuddelkind

Zwar steht die Chefin des Front National in den Umfragen gut da, doch für viele Franzosen ist und bleibt sie wegen ihres harten Rechtskurses das Schmuddelkind der Pariser Republik. Deswegen weigern sich die Banken des Landes, ihre Präsidentschaftskampagne mit Krediten finanziell zu unterstützen, wie Le Pen jetzt beklagte. Auch an ausländische Geldhäuser habe sie sich gewandt, bislang offenbar ohne großen Erfolg.

Bereits kurz vor Weihnachten hatte der Schatzmeister der Partei, Wallerand de Saint-Just, Presseinformationen dementiert, nach denen der Front National ein neues russisches Darlehen von rund 28 Millionen Euro erhalten habe, um die Wahlen im April und Mai zu finanzieren. Es wäre nicht die erste Unterstützung aus Moskau. 2014 hatte die rechtspopulistische Partei Geld von einer Kreml-nahen Bank erhalten, die mittlerweile allerdings bankrott gegangen ist. 

Le Pen genoss Unterstützung aus Moskau

Bis vor einigen Monaten genoss Marine Le Pen, wie auch andere europäische Hoffnungsträger rechter Parteien, noch die Unterstützung der russischen Führung. Noch Anfang Januar hatte sie sich auf die Seite Moskaus geschlagen und das umstrittene Referendum zur Eingliederung der Krim in die russische Föderation verteidigt. Möglicherweise aber ist das Interesse des Kreml an der Front-National-Chefin etwas abgekühlt, seitdem mit dem Republikaner Francois Fillon ein weiterer russlandfreundlicher Kandidat im französischen Wahlkampf mitmischt, wie die "Neue Zürcher Zeitung" mutmaßt.

Weiter solidarisch mit dem Front National ist Parteigründer Jean-Marie Le Pen, der Vater der aktuellen Vorsitzenden. Die Etablierung der Rechtspopulisten betrachtet er als sein Lebenswerk, allerdings ist Le Pen senior mittlerweile in Ungnade gefallen. Tochter Marine wollte seinen extrem stramm ausländerfreindlichen und antisemitischen Rechtskurs abstreifen und sich moderater geben. Jean-Marie wurde sogar aus der Partei ausgeschlossen, ist aber dank erfolgreicher Klagen weiter Ehrenpräsident. Nun ist es ausgerechnet Marine Le Pens ungeliebter Vorgänger, der dem Front National unter die Arme greift. Über seine aktuelle Minipartei "Cotélec" stellt er ein Darlehen in Höhe von sechs Millionen Euro zur Verfügung.

nik mit DPA