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TV-Duell in Frankreich Millionen-Kredite für Le Pens Parteien: Warum Macron ihr vorwirft, von Putin abhängig zu sein

Eine größere blonde Frau steht im Kostüm neben einem kleineren Mann im Anzug. Sie geben sich die Hand und lächeln für die Kamera
Wladimir Putin und Marine Le Pen im März 2017 beim Empfang im Kreml
© Mikhail Klimentyev/Pool Sputnik Kremlin/AP / DPA
Im TV-Duell vor der Stichwahl zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen hat Frankreichs Präsident seiner Herausforderin zu große Nähe zu Wladimir Putin vorgeworfen. Das liegt vor allem an russischen Krediten in Millionenhöhe. 

Wenige Tage vor der Stichwahl in Frankreich hat Präsident Emmanuel Macron seiner rechtspopulistischen Herausforderin Marine Le Pen "Abhängigkeit" von Russland vorgeworfen. "Wenn Sie von Russland sprechen, dann sprechen Sie von Ihrem Geldgeber", sagte Macron am Mittwoch in der ersten und letzten Fernseh-Debatte zwischen den beiden Präsidentschaftsanwärtern.

Angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine erhob Macron einen schweren Vorwurf gegen seine Herausforderin: "Sie hängen von Russland und vom russischen Präsidenten ab", sagte Macron – und spielte auf Kredite in Höhe von mehr als elf Millionen Euro an, die Le Pen unter anderem von einer dem Kreml nahestehenden russisch-tschechischen Bank erhalten hatte.

Marine Le Pen bewundert Putin

Tatsächlich hatte Le Pen schon im Oktober 2011 in einem Interview mit der russischen Tageszeitung "Kommersant" gesagt: "Aber ich gebe zu, und ich verhehle es nicht, dass ich Wladimir Putin bis zu einem gewissen Grad bewundere." Schon damals setzte sie sich für eine stärkere Zusammenarbeit mit Russland ein: "Ich sage seit langem, dass wir die Beziehungen zu Moskau ausbauen müssen." Das russische Parlament empfängt Le Pen erstmals 2013, auch in den beiden Jahren danach besucht Le Pen die Duma.

Zum militärischen Eingreifen Putins in Syrien erklärte Le Pen im Oktober 2015 im Interview mit "Europe 1": "Diese Zweifel, die an den russischen Luftschlägen geäußert werden, tragen ebenso wie die in Frankreich eingeleitete Untersuchung dazu bei, die Glaubwürdigkeit der von Wladimir Putin geleiteten Aktion zu untergraben. Frankreich hätte das tun sollen, was Russland jetzt tut."

Kein Problem mit der Krim-Annexion

Zur russischen Annexion der Krim 2014 sagte Le Pen im Januar 2017: "Ich glaube absolut nicht, dass es eine illegale Annexion der Krim gab: Es gab ein Referendum, die Bewohner wollten sich Russland anschließen." Gut zwei Monate nach dieser Aussage empfängt Wladimir Putin die französische Politikerin zum ersten Mal im Kreml.

Anfang Februar gab Le Pen der britischen BBC ein Interview, in dem sie forderte: "Frankreich hätte weiterhin diplomatische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zu Wladimir Putins Russland unterhalten sollen, während es sich von den USA und Russland gleich weit entfernt hätte." Sie kritisiert in dem Interview einerseits die Sanktionen gegen Russland und verteidigt andererseits die Souveränität der Ukraine. Vor allem aber sagt sie: "Ich glaube überhaupt nicht daran, dass Russland in die Ukraine einmarschieren will." Zwei Wochen später musste Le Pen dann erkennen, dass sie sich geirrt hatte.

Unkritisch wegen Krediten aus Russland?

Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sagte sie im TV-Duell am Mittwochabend, sie unterstütze eine von den USA, der EU und Russland unabhängige Ukraine.

TV-Duell in Frankreich: Millionen-Kredite für Le Pens Parteien: Warum Macron ihr vorwirft, von Putin abhängig zu sein

Macrons Kern-Vorwurf der Russland-Nähe Le Pens zielt aber auf etwas anderes ab als die Putin-freundlichen Äußerungen der Politikerin. Le Pens Partei "konnte in Russland finanzielle Unterstützung finden, die ihr in Frankreich oft fehlte, weil die Banken zögerten, Geld an Rechtsextreme zu verleihen", schreibt "Le Monde". Konkret führt die Zeitung Darlehen in Höhe von insgesamt 11,4 Millionen Euro auf, die Le Pens Parteien aus russischen Quellen bekommen haben sollen.

  • April 2014: Le Pens Kleinstpartei Cotelec erhält ein Darlehen in Höhe von zwei Millionen Euro von einer obskuren zypriotischen Offshore-Firma, hinter der der damalige Leiter der russischen Staatsbank stecken soll. Von dem Geld habe sich der damalige "Front National" und somit der heutige "Rassemblement National" etwas geliehen und seinen Präsidentschaftswahlkampf 2017 finanziert.
  • Ebenfalls 2014 habe Le Pens Partei einen Kredit in Höhe von 9,4 Millionen Euro bei der "First Czech Russian Bank" aufgenommen, um die Kampagne für die Regional- und Departementswahlen 2015 zu finanzieren.

Laut gehackten Gesprächen, die im April 2015 von "Mediapart.fr" aufgedeckt wurden, fragten sich Kreml-Beamte, wie Marine Le Pen für ihre Unterstützung der Krim-Annexion 2014 "gedankt" werden sollte. Marine Le Pen selbst weist die Verbindungen zwischen ihrer Haltung gegenüber Russland und diesen finanziellen Erleichterungen zurück.

Auch im TV-Duell bezeichnete Le Pen Macrons Anschuldigungen als "falsch und unehrlich". Den Kredit habe ihre Partei aufgenommen, "weil keine französische Bank mir ein Darlehen geben wollte". Sie sei eine "absolut und vollkommen freie Frau".

Quellen:"LeMonde.fr", "Lexpress.fr", Interview mit "Kommersant.ru", Interview mit "Europe1", Interview bei "BFMTV", Marine Le Pen auf Twitter, AFP.

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