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Menschliche Schutzschilde: Der Marsch auf Nadschaf

Sie wollen die Kämpfe um die "brennende Stadt" beenden. Zehntausende irakische Schiiten folgen dem Aufruf des religiösen Führers Großajatollah al Sistani nach Nadschaf zu pilgern. Nach ihrer Ankunft sollen die Waffen 24 Stunden schweigen.

Der einflussreichste schiitische Geistliche im Irak, Ajatollah Ali al Sistani, hat seine nach Nadschaf strömenden Anhänger aufgefordert, nicht vor seiner Ankunft die Stadt zu betreten. Auch am Donnerstagmorgen lieferten sich dort nahe der Imam-Ali-Moschee Augenzeugen zufolge aufständische Schiiten heftige Kämpfe mit irakischen und US-Soldaten.

Der Großayatollah ist am Morgen kurz nach 07.30 Uhr Ortszeit unter schwerem Polizeischutz in einem großen Fahrzeugkonvoi aus Basra in Richtung Nadschaf aufgebrochen. Das berichteten Augenzeugen. Die Autofahrt in das 360 Kilometer entfernte Nadschaf wird etwa fünf Stunden dauern. Der Geistliche fährt in einem gepanzerten Fahrzeug, zu dem Konvoi gehören etwa 30 Fahrzeuge. In der Begleitung al Sistanis sind zahlreiche Leibwächter. Mindestens 200 offenbar mit Anhängern des Großayatollahs besetzte Autos folgen dem Konvoi.

Al Sistani will sich um ein rasches Ende der seit drei Wochen andauernden Kämpfe in Nadschaf bemühen. "Die Massen werden sich vor Nadschaf sammeln und die Stadt nicht betreten, bis alle Bewaffneten sie verlassen haben", sagte der Gouverneur von Basra, Hassan al Raschid, am Mittwoch nach einem Treffen mit Al Sistani. "Bei seiner Ankunft wird eine Initiative gestartet", sagte ein Sprecher Al-Sistanis der Nachrichtenagentur Reuters. Einzelheiten der Initiative wurden nicht bekannt.

Rund 60 Prozent der rund 25 Millionen Iraker sind Schiiten, eine von dieser Bevölkerungsgruppe getragene Massendemonstration könnte die US-Truppen in Nadschaf in große Bedrängnis bringen. Bislang hat al Sistani versucht, mäßigend auf die Auseinandersetzungen um Nadschaf einzuwirken. Er hatte allerdings Nadschaf als Gebiet bezeichnet, das für die US-Truppen tabu sei.

Auch in Nadschaf kam es erneut zu heftigen Gefechten. Augenzeugen berichteten, mehrere hundert Aufständische hätten die Stadt in den vergangenen Tagen verlassen. Der Polizei zufolge soll auch der radikale Prediger Muktada al Sadr geflohen sein, der sich mit seinen Anhängern gegen die irakische Regierung erhoben haben. Dabei haben diese sich unter anderem in der Imam-Ali-Moschee verschanzt und liefern sich seit drei Wochen heftige Gefechte mit der irakischen Armee und US-Marineinfanteristen.

Al-Sistani hatte nach seiner Rückkehr von einer Herzoperation in London seine Anhänger zu einem Marsch auf Nadschaf aufgerufen, um die Kämpfe dort zu beenden und "die brennende Stadt" zu retten. Auch Al-Sadr hat seine Anhänger aufgefordert, in die Stadt zu kommen.

DPA/AP / AP / DPA