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Nahostkonflikt Eskalation dauert an: Militante Palästinenser schießen Raketen – Israel greift in Gaza an

Nahostkonflikt: Eskalation dauert an: Militante Palästinenser schießen Raketen – Israel greift in Gaza an
Sehen Sie im Video: Bürgerkriegsähnliche Zustände in Teilen Israels nach Eskalation im Gazastreifen.




In der Nacht zu Donnerstag ist es erneut zu heftigen Luftangriffen durch die israelische Armee in Gaza gekommen. Nach israelischen Angaben wurden im Gazastreifen mehrere hochrangige Vertreter der Terrororganisation Hamas getötet. Militante Palästinenser hätten seit Anfang der Woche mehr als 1.000 Raketen abgefeuert, hieß es außerdem. Mehrere Menschen in Israel sind dabei ums Leben gekommen. Unter anderem in Lod östlich von Tel Aviv kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen, obwohl eine Ausgangssperre verhängt worden war. Dieser Israeli berichtet, was er erlebt hat: "Ich war am Ortseingang von Lod, in einem Industriegebiet. Da kamen etwa 100 Araber auf mich zu und fragten mich, ob ich Jude oder Araber sei. Ich sagte ihnen 'Araber'. Sie hörten aber, dass ich keinen arabischen Akzent hatte und rannten auf mein Auto zu und begannen, Steine zu werfen. Ich hatte Glück, dass keine Autos hinter mir waren, so dass ich rückwärts fuhr, ich fuhr Vollgas im Rückwärtsgang. Ich bin fast in Leute und Autos gerast. Ich konnte nichts sehen. Aber ich habe dem Tod ins Auge geschaut. Wissen Sie, was der Tod ist? Das sind Leute, die mit Steinen auf einen werfen." Nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde starben im Gazastreifen Dutzende Menschen, darunter auch mehrere Kinder. Auslöser der Eskalation war die drohende Zwangsräumung palästinensischer Wohnungen in Ost-Jerusalem. Auf internationaler Ebene laufen diplomatische Initiativen, um eine Feuerpause zu erreichen. Auch, wenn die Fronten extrem verhärtet scheinen. Es ist der schlimmste Konflikt in dem Gebiet seit 2014.
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Ein Ende der Eskalation in der Nahostkrise ist zunächst nicht in Sicht, die Raketenangriffe wurden auf beiden Seiten fortgesetzt. Es kommt zu neuen Ausschreitungen.

Militante Palästinenser im Gazastreifen haben auch am Samstag ihre Raketenangriffe auf israelische Städte fortgesetzt. In der Wüstenstadt Beerscheva im Süden Israels sowie in Grenzorten zum Gazastreifen heulten am Morgen die Warnsirenen, wie das israelische Militär mitteilte. Die israelische Armee griff den Angaben zufolge weiter Ziele in dem Palästinensergebiet an. Die Luftwaffe habe mehrere Raketenabschussrampen und zwei Kampfeinheiten der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas beschossen, hieß es in der Mitteilung.

Beide Seiten melden mehrere Tote

Die amtliche palästinensische Nachrichtenagentur Wafa teilte am Samstag mit, in dem Flüchtlingslager Schati im Westen von Gaza sei ein Haus getroffen worden. Es seien dabei mindestens sieben Mitglieder einer palästinensischen Familie getötet worden, darunter auch Kinder. Auch in Beit Lahia im Norden des Küstenstreifens sowie an anderen Orten seien Zivilisten getötet worden. Eine israelische Armeesprecherin sagte, man prüfe die Berichte. Nach Angaben von Wafa wurden seit der Eskalation der Gewalt am Montag 136 Palästinenser im Gazastreifen getötet.

In der israelischen Stadt Beerscheva wurde nach Polizeiangaben ein Haus durch Raketensplitter getroffen. Es gebe Sachschaden, aber keine Verletzten, hieß es. Auch die israelischen Küstenstädte Aschkelon und Aschdod wurden erneut angegriffen. Wie Israels Armee mitteilte, kamen in Israel durch den Raketenbeschuss der vergangenen Tage acht Menschen ums Leben.

Der Konflikt zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas war zu Wochenbeginn eskaliert. Militante Palästinenser beschießen Israel fortwährend mit Raketen – nach Angaben der israelischen Armee waren es zuletzt bereits mehr als 2000. Israel reagiert mit massiven Angriffen in dem Küstengebiet.

Neue Ausschreitungen in arabisch geprägten Orten in Israel

Neben dem Konflikt Israels mit militanten Palästinensern kommt es auch in israelischen Ortschaften mit arabischen Einwohnern immer wieder zu Ausschreitungen. Trotz einer Ausgangssperre in der Stadt Lod begannen am Freitagabend wieder Konfrontationen arabischer Israelis mit Sicherheitskräften, wie die Polizei in der Nacht zum Samstag mitteilte. Die Polizei sei dabei mit zwei Brandflaschen beworfen worden und habe daraufhin den Tatverdächtigen mit Schüssen am Bein verletzt und festgenommen.

Das israelische Fernsehen stufte den ersten Einsatz eines Gewehrs des Typs Ruger seit Beginn der Unruhen im israelischen Kernland als Zeichen einer weiteren Eskalation ein. Das Gewehr gelte sonst als "extremes Mittel zur Auflösung von Ausschreitungen" in den Palästinensergebieten. Zuvor war der Polizei vorgeworfen worden, sie gehe nicht entschlossen genug gegen gewaltsame Randale arabischer Einwohner Israels vor.

In den vergangenen Tagen kam es auch zu Angriffen jüdischer Israelis auf Araber. In den Medien ist die Rede von Anarchie, es mehren sich die Warnungen vor einem Bürgerkrieg. Im Jaffa, einem arabisch geprägten Viertel von Tel Aviv, warfen mutmaßlich jüdische Täter zwei Brandflaschen in ein arabisches Wohnhaus. Dabei wurde nach Medienberichten ein Zwölfjähriger im Gesicht verletzt.

In Akko im Norden des Landes wurde nach Angaben der Nachrichtenseite ynet ein Theater in Brand gesetzt, das von Juden und Arabern gemeinsam geleitet werde.

Auch in Ost-Jerusalem und in arabischen Ortschaften im Norden Israels gab es nach Polizeiangaben am Freitagabend Randale. Dabei seien an mehreren Orten Steine und Brandflaschen auf Beamte geworfen und Reifen angezündet worden.

Seit Beginn der Vorfälle wurden nach Polizeiangaben bereits Dutzende Tatverdächtige festgenommen. "Die israelische Polizei wird entschlossen gegen jeden gewaltsamen Vorfall und gegen Ausschreitungen vorgehen, die die öffentliche Sicherheit gefährden", hieß es in der Mitteilung.

fs DPA

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