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Milliarden aus China, Indien und Russland Schwellenländer - die Helfer in der Euro-Not


Im finanziellen Chaos könnten ungewohnte Angebote der EU und den USA weiterhelfen: Nicht nur China offeriert Milliardenspritzen, sondern jetzt auch Länder wie Russland, Brasilien und Indien.

In der aktuellen Finanzkrise der westlichen Welt kommen Hilfsangebote aus ungewohnten Richtungen: Nachdem China Europa und den USA bereits Hilfe mit neuen Investitionen angeboten hat, denken jetzt auch weitere große Schwellenländer wie Brasilien, Russland, Indien und Südafrika über eigene Offerten nach. Die Finanzminister der als BRICS-Staaten bekannten Gruppe beraten bei ihrem Treffen kommende Woche in Washington über den Kauf europäischer Staatsanleihen, sagte ein Vertreter der indischen Regierung am Mittwoch. "Die Idee stammt von Brasiliens Finanzminister." Unterstützung kommt vom Internationale Währungsfonds: IWF-Chefin Christine Lagarde plädiert für breit angelegte Investitionen in europäische Staatsanleihen.

China hat Bedingungen

Zum Auftakt des "Sommer-Davos" genannten Treffens des Weltwirtschaftsforums am Mittwoch in der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian hatte Chinas Premier Wen Jiabao Milliardenhilfen angeboten, aber auch ein Entgegenkommen gefordert: Die Europäische Union solle die zweitgrößte Volkswirtschaft endlich als Marktwirtschaft anerkennen. Und die USA sollten mehr Offenheit gegenüber Investitionen chinesischer Firmen und eine Aufhebung von Exportbeschränkungen anbieten.

"Die Weltwirtschaft erholt sich langsam, aber Instabilität und Unsicherheit wachsen", sagte Wen Jiabao vor den 1700 Teilnehmern des dreitägigen Treffens. Er zeigte sich gleichwohl zuversichtlich, dass die Europäer und Amerikaner ihre Probleme bewältigen könnten. Sein Land sei bereit, "eine helfende Hand auszustrecken" und mehr in den europäischen Ländern und den USA zu investieren. Er hoffe auf einen "Durchbruch" schon auf dem nächsten EU-China-Gipfel am 25. Oktober in Tianjin in China.

USA sollen Handelsbeschränkungen aufgeben

Von den USA verlangte Wen Jiabao eine größere Öffnung ihres Marktes für Investitionen chinesischer Unternehmen. China müsse dann auch nicht mehr soviel seiner Devisenreserven in Höhe von 3,2 Billionen US-Dollar (2,3 Billionen Euro) in US-Staatsanleihen investieren. Rund zwei Drittel hält China davon in US-Dollar, ein Viertel in Euro. Die Investitionen könnten neue Jobs schaffen. Die USA könnten auch ihre Exporte ausweiten, in dem sie Beschränkungen für die Ausfuhr hochtechnologischer Produkte nach China aufheben.

Wen Jiabao wies darauf, dass China ohnehin 2016 in Folge seiner Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation (WTO) international als Marktwirtschaft anerkannt werde. Die Europäer sollten aber schon vorher ihre Ernsthaftigkeit demonstrieren, "in einer Weise, wie ein Freund einen anderen Freund behandelt", sagte Chinas Regierungschef. Der Status einer vollen Marktwirtschaft schützt China vor Anti-Dumping-Klagen und hat für Peking hohen symbolischen Charakter.

"Chinas Entwicklung ist noch unausgeglichen"

Vor den Wirtschaftsführern, Politikern und Experten im World Expo Center versicherte Wen Jiabao, dass die Weltwirtschaftskrise und Probleme wie hohe Inflation in China den Entwicklungspfad seines Landes nicht grundlegend änderten. Er mahnte Reformen und Umstrukturierungen an: "Chinas Entwicklung ist noch unausgeglichen, unkoordiniert und nicht nachhaltig." Nach 10,4 Prozent Wachstum im vergangenen Jahr erwarten Experten in China in diesem Jahr nur noch rund neun Prozent, weil die Zentralbank wegen der hohen Preissteigerungen die Geldpolitik verknappen muss.

Das langsamere Wachstum ist nach den Worten von Wen Jiabao nicht unerwartet, sondern vor allem das Ergebnis der makroökonomischen Steuerung. China könne aber hohes Wachstum halten, was sein Beitrag zur Erholung der Weltwirtschaft sei, sagte der Premier auf dem "Sommer-Davos", wie die Tagung in Anlehnung an das winterliche Forum im Schweizer Luftkurort Davos genannt wird. In diesem Jahr gibt es eine Rekordbeteiligung. Das Forum hat sich in seinem fünften Jahr zum wichtigsten Wirtschaftstreffen in Asien entwickelt.

fw/DPA/Reuters DPA Reuters

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