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Nach Herabstufung der USA China reagiert mit wütender Rhetorik


Noch vor kurzem wäre es undenkbar gewesen: Die Ratingagentur S&P verliert den Glauben in die US-Bonität. Und dann feuert auch noch Rivale China eine Breitseite, die an die Zeit des Kalten Krieges erinnern lässt.

Die Bonitätsherabstufung der USA alarmiert deren große Gläubiger. Um Panikreaktionen an den Märkten zu verhindern, sprangen Japan und Russland zwar demonstrativ der größten Industrienation bei und versicherten, an ihren US-Staatsanleihen festzuhalten. Scharfe Kritik kam am Wochenende aber vom größten Gläubiger China. In staatlichen Medien wurde den USA eine "Schuldensucht" vorgeworfen und die Rolle des Dollar als Leitwährung infrage gestellt.

Das Zentralorgan der Kommunistischen Partei malte die Folgen der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) in düsteren Farben aus. Viele Länder Asiens und Lateinamerikas sowie auch Russland seien besonders auf Exporterfolge angewiesen und würden daher von den Schwierigkeiten der USA besonders getroffen, warnte Volkswirt Sun Lijian in der Zeitung "Renmin Ribao". Außerdem verschlechtere sich die Liquidität dieser Staaten, weil der Wert der von ihnen gehaltenen US-Staatsanleihen sinke. "Die größten Opfer sind womöglich gar nicht die USA selbst", betonte Sun.

Er resümierte zugleich: "Die Senkung des Langfrist-Kreditratings der USA lässt die Alarmglocken läuten für das internationale Währungssystem, das vom US-Dollar dominiert wird." Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua forderte daher in einem Kommentar, die Rolle der US-Währung müsse überprüft werden. Eine Option sei eine neue, stabile weltweite Reservewährung. Dadurch könne sichergestellt werden, dass nicht ein einziges Land eine Katastrophe auslöse. Ferner drängen politische Berater die Führung in Peking, die Fremdwährungsreserven stärker zu streuen.

"Zweifel an der Stabilität der Führungsmacht"

Die chinesische Führung selbst hielt sich allerdings mit offiziellen Stellungnahmen zurück. Negative Kommentare könnten dazu beitragen, den Wert der heimischen Dollar-Anlagen zu schmälern. Von ihren Fremdwährungsreserven über insgesamt 3,2 Billionen Dollar hält die Volksrepublik etwa zwei Drittel in Dollar. Sie besitzt so viele US-Bonds wie kein anderes Land. Hinzu kommt die massive Abhängigkeit chinesischer Firmen von der Nachfrage in den USA. Auch dank des relativ niedrigen Kurses der chinesischen Währung Yuan überstiegen im vergangenen Jahr die Handelsströme aus China in die USA die in umgekehrter Richtung um den Rekordwert von 273 Milliarden Dollar.

Besorgnis wurde auch aus der deutschen Regierungskoalition laut. Der stellvertretende Unions-Fraktionschef Michael Meister sagte im Reuters-Interview, der drohende Zinsanstieg für die USA werde deren Wachstum und das der Weltwirtschaft dämpfen. "Das bedeutet, dass Zweifel in die Stabilität der Führungsmacht dieser Welt entstehen", sagte Meister.

Ein Signal der Solidarität erhielten die USA dagegen von ihrem zweitgrößten Gläubiger Japan. "Am Vertrauen Japans in US-Staatsanleihen hat sich nichts geändert", sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter in Tokio. Ähnliche Töne kamen aus Frankreich. Die Regierung in Paris habe volles Vertrauen in die US-Wirtschaft, verlautete aus dem Umfeld des französischen Finanzministers Francois Baroin. Es gebe keine Zweifel an der Entschlossenheit der US-Regierung, den im Kongress erzielten Schuldenkompromiss umzusetzen.

"Auch Japan bekommt Tiefstzinsen mit niedrigerem Rating"

Auch Russlands Zentralbank will ihre Dollar-Bestände nicht auf den Markt werfen, wie Notenbank-Vize Sergej Schwetsow laut Nachrichtenagentur Ria deutlich machte. Russland gehört zu den zehn Ländern, die am stärksten in US-Bonds investiert haben. Vize-Finanzminister Sergej Stortschak äußerte sich gelassen zum Schritt von S&P. Es handele sich lediglich um eine leichte Korrektur, sagte er der Nachrichtenagentur Interfax. "Den amerikanischen Anleihenmarkt dürfte dies mittelfristig wenig beeindrucken", prognostizierte auch Deutsche-Bank-Chefsvolkswirt Thomas Mayer. "Das Beispiel Japans zeigt, dass man auch mit niedrigerem Rating Kredite zu Tiefstzinsen bekommen kann", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Auch Südkorea machte deutlich, dass das Vertrauen des Landes in US-Bonds ungebrochen sei. "Es gibt keine Alternative, die solche Stabilität und Liquidität vorweist", sagte Vize-Finanzminister Choi Jong-Ku nach einer Telefonkonferenz mit seinen Amtskollegen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20).

Reuters Reuters

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