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Nach Sturz der Regierung Ägypten steht vor dem Neuanfang


In Ägypten hat sich die Lage vorerst wieder beruhigt. Die Muslimbruderschaft macht das alte Regime für die Gewalt verantwortlich. Im Laufe des Tages soll derweil das neue Kabinett zusammenkommen.

Nach tödlichen Massenprotesten ist in Ägypten wieder weitgehend Ruhe eingekehrt. In Kairo setzten die Islamisten ihr Protestcamp für die Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi vor der Raba-al-Adawija-Moschee am Sonntag fort. Bei heftigen Zusammenstößen zwischen Islamisten und ihren Gegnern waren in der Nacht zum Samstag in der Stadt Al-Mansura im Nildelta drei Frauen getötet worden. Am Abend darauf explodierte laut Zeitung "Al-Ahram" ein Sprengsatz vor einer Polizeistation in der Stadt Ismailia, verletzt wurde niemand.

Ein Sprecher der Muslimbruderschaft machte am Sonntag Kräfte des alten Regimes von Langzeitmachthaber Husni Mubarak für den Tod der Frauen verantwortlich. Sie seien jenen "schmutzigen Händen" zum Opfer gefallen, die schon Chalid Said getötet hätten, erklärten die Islamisten. Der 28-jährige Blogger war 2010 von Polizisten auf offener Straße zu Tode geprügelt worden. Die Tat trug entscheidend zum Erstarken jener Jugendbewegung bei, die schließlich in den Massenprotesten des Arabischen Frühlings und dem Sturz Mubaraks gipfelte.

Neuwahlen in sechs Monaten

Der Islamist Mohammed Mursi war am 3. Juli nach tagelangen Massenprotesten vom Militär entmachtet worden. Der bisher einzige frei gewählte Präsident in der Geschichte des Landes wird seitdem an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage festgehalten. Die Muslimbruderschaft bezeichnet den Umsturz als "Militärputsch".

Zum Übergangspräsidenten wurde Adli Mansur ernannt, zum Ministerpräsidenten Hasem al-Beblawi. Sein Übergangskabinett sollte am Sonntag nach der Ernennung der Minister für Transport und Justiz erstmals vollständig tagen. Die Regierung soll die Wirtschaft stabilisieren, für Sicherheit in dem krisengebeutelten Land sorgen und Neuwahlen in sechs Monaten vorbereiten.

An der ägyptischen Mittelmeerküste kamen derweil bei einem Verkehrsunfall 15 Soldaten ums Leben. 35 wurden bei der Kollision eines Busses mit einem Lastwagen verletzt.

ds/DPA DPA

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