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Neue Atomgespräche mit Iran: "Die Iraner spielen auf Zeit"

Auch in Zukunft wird im Iran Uran angereicht werden. Das betonten die Vertreter aus Therean während der erneuten Gespräche über das umstrittene iranische Atomprogramm.

Bei der neuen Gesprächsrunde über das iranische Atomprogramm hat sich Teheran beim Thema Urananreicherung unnachgiebig gezeigt. "Wir werden keine Verhandlungen dulden, die ein Einfrieren oder Aussetzen der iranischen Urananreicherung zum Ziel haben", sagte ein Mitarbeiter des iranischen Chefunterhändlers Said Dschalili am Freitag während der Gespräche in Istanbul. Die Vertreter der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands hätten das Thema bislang nicht angesprochen. Die Frage eines vorübergehenden Stopps des Atomprogramms und eines Uran-Tausches dürfte in den zweitägigen Gespräche aber noch zur Sprache kommen.

Ein westlicher Diplomat sagte, die Gespräche seien ins Stocken geraten, weil der Iran eine Reihe von unannehmbaren Bedingungen genannt habe. Dazu gehörten vor allem die Aufhebung von Sanktionen. "Wir werden es nicht einmal zu einem neuen Vorschlag für einen Urantausch schaffen, wenn sie auf diesen Vorbedingungen beharren." Dschalilis Vertrauter Massud Sohrewand erklärte die nuklearen Rechte des Iran für unverhandelbar. Die neuen Verhandlungen über Irans Atomprogramm hatten vergangenen Monat in Genf nach einem 14-monatigen Stillstand begonnen.

Der Chef des iranischen Atomprogramms, Ali Akbar Salehi, hatte erst am vergangenen Wochenende bekräftigt, sein Land werde seine Aktivitäten zur Urananreicherung "mit aller Kraft" vorantreiben. Ein westlicher Diplomat sagte der Nachrichtenagentur AFP, die 5+1-Gruppe erwarte vom Iran "ernsthafte Antworten zu seinem Atomprogramm und die Zusage, dass er seine internationalen Verpflichtungen respektiert".

In Istanbul solle auch über den Austausch von Brennstäben gesprochen werden, fügte der Diplomat hinzu. Einzelheiten seien noch zu klären. "Die Sechs sind Anhänger des Dialogs, aber auch der Entschlossenheit gegenüber Iran. Gesten des Guten Willens hat es schon genug gegeben", sagte der westliche Diplomat.

Teheran hatte 2009 einen Vorschlag abgelehnt, wonach es 1200 Kilogramm schwach angereicherten Urans in Russland deponieren sollte, um im Gegenzug von Russland und Frankreich Brennstäbe für einen iranischen Forschungsreaktor zu erhalten. Im Mai 2010 präsentierte Teheran zusammen mit Brasilien und der Türkei einen Kompromissvorschlag, den der Westen jedoch ignorierte.

Die Urananreicherung steht im Zentrum des Streits um das Atomprogramm des Irans. Denn angereichertes Uran kann zivil, aber auch zum Bau von Atombomben genutzt werden. Dabei ist der Grad der Anreicherung ausschlaggebend.

Die USA erwarten nach Angaben eines Außenamtssprechers "keinen großen Durchbruch" in Istanbul. "Die Iraner spielen auf Zeit", sagte der französische Iran-Experte Bruno Tertrais. "Die Iraner haben offenbar von Nordkorea gelernt, dass man lange mit den Vereinigten Staaten verhandeln kann und gleichzeitig sein Nuklearprogramm vorantreibt."

Während der zweitägigen Gespräche in Istanbul wollen die Vertreter der 5+1-Gruppe aus den fünf UN-Vetomächten - USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien - und Deutschland die Möglichkeit von Fortschritten im Atomstreit sondieren. Der Westen verdächtigt die iranischen Machthaber, heimlich am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Diesen Vorwurf weist Teheran zurück.

AFP/Reuters / Reuters