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Nordkorea "Voll und ganz bereit": Kim Jong Un droht USA und Südkorea im Konfliktfall mit Atomwaffen

Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, während einer Ansprache
Dieses von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zur Verfügung gestellte undatierte Aufnahme zeigt Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, während einer Ansprache im Rahmen der Feierlichkeiten zum 69. Jahrestag des Waffenstillstands im Koreakrieg
© -/KCNA / DPA
Nordkoreas Diktator Kim Jong Un hat mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht. Er sei bereit, Atomwaffen in möglichen militärischen Konflikten mit den Vereinigten Staaten und Südkorea einzusetzen.

Drohungen aus Nordkorea sind keine Seltenheit. Regelmäßig werden scharfe Worte in Richtung USA oder Südkorea geäußert. Nun hat der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un wieder Drohungen an die beiden erklärten Erzfeinde des kommunistischen Regimes gerichtet. Seine Rede fällt in eine Zeit wachsender Unsicherheiten in der Region.

"Unsere Streitkräfte sind vollständig darauf vorbereitet, auf jede Krise zu reagieren, und die Atomkriegsabschreckung unseres Landes ist auch bereit, ihre absolute Macht pflichtbewusst, genau und schnell gemäß ihrer Mission zu mobilisieren", sagte Kim nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA in einer Rede am Mittwoch anlässlich des 69. Jahrestages des Waffenstillstandsabkommens von 1953 im Koreakrieg, so die US-Nachrichtenagentur AP. Offiziell befinden sich Nord- und Südkorea noch im Kriegszustand; einen Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern gibt es bisher nicht.

Kim Jong Un verurteilt Militärübungen Südkoreas mit USA

Kim warf den Vereinigten Staaten zudem vor, Nordkorea zu "dämonisieren", um seine feindselige Politik zu rechtfertigen. Er sagte, die Militärübungen zwischen den USA und Südkorea, die auf Nordkorea abzielten, zeigten die "Doppelmoral" und "gangsterähnlichen" Aspekte der USA, weil sie die routinemäßigen militärischen Aktivitäten Nordkoreas als Provokationen oder Drohungen brandmarkten. Der Diktator wies damit offenbar auf eigene Raketentests seines Landes hin. 

Zusammen mit seinem Bündnispartner USA will Südkorea in diesem Jahr bei gemeinsamen Militärmanövern auch wieder Geländeübungen aufnehmen. In den vergangenen Jahren hatten beide Länder die Manöver auch aus diplomatischen Gründen reduziert.

Kim behauptete auch, dass die neue südkoreanische Regierung von Präsident Yoon Suk Yeol von "Konfrontationsverrückten" und "Gangstern" geführt werde. Seit ihrem Amtsantritt im Mai hat die Regierung Yoon versucht, das Militärbündnis Seouls mit den Vereinigten Staaten und ihre Fähigkeit zur Neutralisierung nordkoreanischer nuklearer Bedrohungen zu stärken, berichtet AP. 

Südkorea: Kims Drohungen "nichts Neues"

Kim drohte der Regierung von Yoon Suk Yeol und seinem Militär mit Vernichtung, sollte Südkorea einen "gefährlichen Versuch" eines Präventivschlages unternehmen, zitiert ihn die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap

Das Verteidigungsministerium wies Kims Botschaft laut Yonhap als "nichts Neues" zurück. Moon Hong-sik, ein stellvertretender Sprecher des Ministeriums, bekräftigte am Donnerstag eine frühere Position, wonach Südkorea seine militärischen Kapazitäten und seine gemeinsame Verteidigungshaltung mit den Vereinigten Staaten verstärkt habe, um mit der eskalierenden nuklearen Bedrohung durch Nordkorea fertig zu werden.

Das Wiedervereinigungsministerium in Seoul wolle sich mit anderen zuständigen Regierungsbehörden über eine mögliche Antwort auf Kims Rede beraten, so Yonhap weiter.

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Nordkorea in schwerer wirtschaftlicher Krise

Kims Rede vor Kriegsveteranen sollte offenbar die innere Einheit in dem verarmten Land stärken, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Kim suche demnach nach mehr öffentlicher Unterstützung, da die Wirtschaft seines Landes durch pandemiebedingte Grenzschließungen, von den USA angeführte Sanktionen und sein eigenes Missmanagement in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Während Kim seinen Rivalen zunehmend mit Atomwaffen droht, sei es unwahrscheinlich, dass er sie zuerst gegen die überlegenen Militärs der USA und ihrer Verbündeten einsetzen würde, meinen Beobachter.

"Kims Rhetorik baut externe Bedrohungen auf, um sein militärisch ausgerichtetes und wirtschaftlich kämpfendes Regime zu rechtfertigen", sagte Leif-Eric Easley, Professor an der Ewha University in Seoul, gegenüber AP.

Experte: Atomtest in Nordkorea wahrscheinlich im Herbst

Bereits im April warnte Kim nach Angaben von AP, Nordkorea könne bei Bedrohung präventiv Nuklearwaffen einsetzen, und fügte hinzu, sie würden "niemals" auf reine Abschreckung beschränkt sein. Kims Militär hat auch atomwaffenfähige Raketen getestet, die sowohl das US-Festland als auch Südkorea erreichen können. Vertreter der USA und Südkoreas haben in den vergangenen Monaten wiederholt erklärt, Nordkorea sei bereit, seinen ersten Atomtest seit fünf Jahren durchzuführen.

Cheong Seong-Chang vom Sejong-Institut in Südkorea sagte AP, Nordkorea werde seinen Atomtest wahrscheinlich nicht durchführen, bevor China, sein wichtigster Verbündeter und größter Wohltäter, im Herbst seinen Parteitag der Kommunistischen Partei abhält.

"Nordkoreas Nuklear- und Raketenprogramme verstoßen gegen internationales Recht, aber Kim versucht, seine destabilisierende Aufrüstung als gerechten Versuch der Selbstverteidigung darzustellen", so Easley.

Quellen: Nachrichtenagenturen AP, Yonhap, Reuters, DPA


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