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Nordkorea in Not Kim Jong Un kündigt an, mehr gegen den Klimawandel unternehmen zu wollen

Kim Jong Un
Kim Jong Un am 2. September vor dem Politbüro
© KCNA / AFP
Nach Mangelwirtschaft, Lockdown und Sanktionen kamen die Fluten – und haben die ohnehin schon schlechte Versorgungslage Nordkoreas noch weiter geschwächt. Machthaber Kim Jong Un verlangt daher "Maßnahmen gegen den Klimawandel".    

Es gibt ein untrügliches Zeichen dafür, dass Nordkorea Probleme hat – immer dann, wenn die Machthaber ihr Atomprogramm aktivieren. Dann spekulieren sie darauf, dass die Welt aufschreckt und bereit ist, der isolierten Diktatur für den Stop der Nuklearentwicklung in irgendeiner Form entgegenzukommen. In der Vergangenheit hat Pjöngjang auf diese Weise einen Gipfel mit Donald Trump erpresst oder etwa Lebensmittel. Nun scheint es wieder soweit zu sein. Die Internationale Atomenergiebehörde berichtet von Kühlwasserablauf am Nuklearzentrum Yongbyon. Das sei ein Indiz für das Hochfahrens des Reaktors, heißt es bei der IAEO in Wien. Unwahrscheinlich aber, dass diesmal nur Nahrung auf der Wunschliste des Regimes steht.

Ohnehin knappe Äcker überschwemmt

Denn der Extremsommer 2021 hat auch in Nordkorea mit voller Wucht zugeschlagen. Anfang August hatten heftige Überschwemmungen mindestens 1000 Häuser zerstört, Straßen und Brücken beschädigt und Hunderte Hektar des ohnehin schon zu knappen Ackerlands überflutet. Zuvor litt das Land unter er Dürre und Hitzewelle. Die Fluten kamen deshalb zu einem Zeitpunkt, an dem die Versorgungslage des Landes bereits sehr angespannt war. Selbst dem allmächtigen Militär wurden die Rationen gekürzt. Staatschef Kim Jong Un räumte im Juni ein, dass die anhaltenden Taifunschäden zu einer Nahrungsmittelkrise geführt hätte. "Alle Sektoren und Einheiten" müssten Maßnahmen ergreifen, um "Naturkatastrophen im Voraus zu verhindern", sagte der Diktator.

Nordkorea in Not: Kim Jong Un kündigt an, mehr gegen den Klimawandel unternehmen zu wollen

Jetzt wiederholte Kim seinen Appell offenbar. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Nordkoreas, KCNA, habe er auf einer Sitzung des Politbüros angekündigt, etwas gegen das "unnormale Klima" unternehmen zu wollen. "Kim betonte die Notwendigkeit, grundlegende Maßnahmen zu ergreifen, um die Klimaveränderung zu überwinden, da Naturkatastrophen in den vergangenen Jahren zugenommen haben", heißt es. Konkret nannte er Hochwassermanagement, Wiederaufforstung und den Deichbau als Projekte.

Mangelwirtschaft in Nordkorea 

Nordkorea leidet schon seit Jahrzehnten unter einer Mangelwirtschaft. Dazu kommen noch internationale Sanktionen wegen des Atomprogramms und eine selbstgewählte Abschottung, die Land und Bevölkerung in die Knie zwingen. Zuletzt schlug Kim auch eine Drei-Millionen-Dosen-Spende von Corona-Impfungen aus. Offiziell heiß es, dass es andere Länder gebe, die den Covid-19-Schutz dringender benötigten. Nordkorea war das erste Land, das einen vollständigen Lockdown verhängte, nachdem sich das Coronavirus von China aus verbreitete. Noch heute erklärt sich das Land als virusfrei - dies wird allerdings von Fachleuten bezweifelt. 

Quellen: BBC, DPA, Tagesschau, Newsweek

nik

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