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Präsidentenwahl in Österreich: Die abgedrehten Verschwörungstheorien von Hofer-Anhängern

Nasse Wahlkarten, zu früh geschlossene Wahllokale und Stifte, die Kreuze bei Norbert Hofer unsichtbar machen: Das sind nur einige der Verschwörungstheorien. Die Fans des unterlegenen Rechtspopulisten legen nach der Wahl im Netz so richtig los.

Norbert Hofer von der FPÖ tippt sich lachend mit dem Zeigefinger an die Stirn

Norbert Hofer von der FPÖ und seine Anhänger sind Freunde von Verschwörungstheorien

Am Verhalten nach einer Niederlage erkennt man den Charakter eines Menschen. So sagt man doch. Das war auch nach dem Ausgang der Bundespräsidentenwahl in Österreich so. Nach dem knappen Sieg von Alexander Van der Bellen wittern die Rechtspopulisten, die Blauen in Österreich, nun eine dicke Verschwörung. Schon am Wahlsonntag hatte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache düstere Anspielungen gemacht: Etwas sei bei der Wahl "sonderbar" verlaufen und für den Fall, dass Van der Bellen gewinnt, müsste die Wahl angefochten und die Wahlkarten neu gezählt werden.

Aber auch die Anhänger und Wähler des knapp unterlegenen Norbert Hofer sind enttäuscht - und haben sich allerlei Ursachen für das Endergebnis der Wahl ausgedacht. "Erst liegt Hofer vorne und auf einmal gewinnt Van der blablabla!", schreiben sie frustriert ins Netz. Da kann ja etwas gar nicht stimmen! Falsche Zahlen, zu früh geschlossene Wahllokale und Stifte, die Kreuze bei Hofer unsichtbar machen - das sind die besten Verschwörungstheorien:

Das geschlossene Wahllokal

Als sie doch noch ihre Stimme für Hofer abgeben wollte, sei ihr Wahllokal bereits geschlossen gewesen, schreib eine Frau auf Facebook. "Viele Wahllokale im Burgenland" seien "zu früh dicht gemacht" worden. "Das war klar, dass blaue Regionen gekappt werden", schreibt sie als Schlussfolgerung und fügt für jedes zuvor geschriebene Wort am Ende ein Ausrufezeichen hinzu.


Der High-Tech-Bleistift

Das Highlight: Die Stifte, die in den Wahllokalen auslagen, waren keine gewöhnlichen Stifte. Nein, das Kreuzerl, das man damit macht, wird nach 27 Minuten unsichtbar - wenn es denn bei Hofer gesetzt wurde. 27 Minuten, also - das klingt ja nicht nach ungefährer Schätzung.

Andere störten sich an der Tatsache, dass zum Abstimmen überhaupt "nur Bleistifte" gereicht wurden. "Ein Skandal!", schreiben wütende Wähler ins Internet. Dabei ist das nun wirklich nichts Neues, das Bleistifte in Wahllokalen ausliegen. Bloß der High-Tech-Aspekt ist neu.

Die nassen Wahlkarten

Doch es gab ja auch viele Briefwähler. Aus diesem Grund - davon sind die Verschwörungstheoretiker überzeugt - wurden auch 150.000 Stimmen, die per Briefwahl kamen, ungültig gemacht, "indem man sie nass machte". Nur die für Hofer, versteht sich. Schließlich ist davon auszugehen, dass nicht alle Wähler zu Hause auch so einen High-Tech-Bleistift benutzt haben, um ihr Kreuzchen zu machen (und deshalb, liebe Leserinnen und Leser, werden im Wahlkampf in den Fußgängerzonen wohl auch immer all diese Kugelschreiber verteilt! Jetzt wird alles klar!).

In seiner Rede bei der FPÖ-Wahlparty sagte Hofer, das sei ja "immer ein bisschen eigenartig mit den Wahlkarten". Die hohe Zahl an beantragten Wahlkarten hatte die FPÖ schon im Vorfeld nervös gemacht. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl hatte "besondere Sorgfaltspflicht" gefordert, da seiner Ansicht nach "bei der Briefwahl immer wieder Ungereimtheiten auftreten".

Die falschen Zahlen

Schon am Sonntag, als die Auszählung der Stichwahl-Stimmen noch im Gang war, kursierten Gerüchte über mögliche Manipulationen. So warf FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache dem ORF vor, Ergebnisse verzerrt dargestellt zu haben. Sein Argument: Er kenne die Daten des Innenministeriums, die "völlig anders aussehen". Aber selbst wenn: Auch diese Zahlen waren ja die ganze Zeit öffentlich und für alle Menschen einsehbar auf der Internetseite des Ministeriums.

Grund für die Differenz war lediglich, dass das ORF die rund 800.000 Briefwahl-Karten schon mit in seine Prognose (!) packte, das Innenministerium in seinem "vorläufigen Endergebnis" hingegen bloß die Zahl der bereits ausgezählten Stimmen anzeigte.

Das Rauschen im Radio

Und wurde sogar schon der Wahlkampf manipuliert? Bereits einige Tage vor der Wahl hatte sich Hofers Parteifreundin Ursula Stenzel auf Facebook zu Wort gemeldet. Sie wollte ein Interview mit Hofer in der Ö3-Sendung "Frühstück bei mir" hören - brachte es aber nicht fertig, den Radiosender richtig einzustellen. Folglich schreibt sie entsetzt, die Frequenz sei "kaum zu finden" und äußert sich äußerst besorgt: "Hoffe, dass keine Absicht dahinter steckt, Sendung mit Hofer zuzudecken. Das wäre ja wie im Kalten Krieg!" Ja.

Das Öl im Feuer

Und dann auch noch das: Wie die "Krone" berichtet, wurde auf der Website des Innenministeriums wurde nach der Wahl ein falsches Wahlergebnis für die Stadt Waidhofen veröffentlicht: Laut Tabelle gab es eine Wahlbeteiligung von 146,9 Prozent. Das Resultat werde nun berichtigt, hat der Leiter der Wahlabteilung des Ministeriums, Robert Stein, in der "ZiB 2" gesagt - mit dem Hinweis, dass es sich um einen bloßen "Eingabefehler" handele - ohne jede Auswirkung auf das Ergebnis der Wahl. Trotzdem dürfte das die Verschwörungstheorien befeuern.