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Online-Überwachung: NSA sieht Islamisten beim Pornogucken zu

Mit der Aktion sollen "persönliche Schwachstellen" der Erzfeinde Amerikas ausgemacht werden: Der US-Geheimdienst NSA überwacht, welche Pornos sich radikale Islamisten im Internet ansehen.

Das Auskundschaften sexueller Vorlieben gehört zu den Kernaufgaben jedes Geheimdienstes. Man weiß schließlich nie, wozu diese Kenntnisse einmal gut sein können. Jede Schwäche der Ausspionierten ist die Stärke der Spionierenden. So gesehen ist es kein Wunder, dass die Weltdatenkrake NSA sehr genau wissen will, was einige Islamisten so treiben, wenn sie sich mal ganz privat geben. Genauer: Welche Pornoseiten sie im Netz besuchen. Das berichtet die US-Ausgabe der "Huffington Post" unter Berufung den Whistleblower Edward Snowden.

Laut einer Akte hat der US-Geheimdienst vor allem sechs radikale Muslime im Visier, die als Hassprediger gelten. Ziel der Aktion sei es, "persönliche Schwachstellen" ausfindig zu machen, vor allem solche, die im Widerspruch zu ihren öffentlichen Äußerungen stehen. Schaue sich ein Prediger "sexuell freizügiges Material" an, heißt es in dem Memo laut "Huffington Post", könne dieses Verhalten benutzt werden, die Glaubwürdigkeit und Reputation der Zielperson zu unterwandern. Protokolliert würden offenbar auch Kontakte zu und mögliche anzügliche Äußerungen gegenüber jungen Frauen sowie die Nutzung von Spenden für persönliche Zwecke.

Ist der Schmuddelkram wirklich anstößig?

Ob die Diskreditierung von Dschihadisten aufgrund ihres Pornokonsums tatsächlich den gewünschten Erfolg haben wird? Schon seit Jahren zählen muslimische Staaten wie Pakistan, Ägypten und Saudi-Arabien zu den Ländern, aus denen laut Suchmaschinenbetreiber Google die weltweit meisten Anfragen zu den Themen Sex und Porno kommen. Böse formuliert: Vielleicht ist Pornokonsum selbst in erzkonservativen islamischen Kreisen gar keine wirkliche Schande, wie die Amerikaner vielleicht denken.

Allerdings ist bislang unklar, wo genau sich die radikalen Prediger befinden. Dem Dokument der NSA zufolge leben alle Personen außerhalb der USA, und anscheinend ist nur ein US-Bürger darunter. Konkrete Vorwürfe werden den Betroffenen nicht gemacht. Das Schreiben selbst richtet sich sowohl an Geheimdienstmitarbeiter als auch an Beamte des Justizministeriums sowie an die US-Drogenbehörde. Die NSA dementiert den "Huffington Post"-Bericht nicht. Die Behörde sagte dazu lediglich, dass sämtliche legale Schritte unternommen werden, "um die Bestrebungen von Terroristen zu behindern".

nik