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Pakistans Premier weist Vorwürfe zurück Komplizenschaft mit bin Laden ist "absurd"


US-Präsident Barack Obama sorgt mit seiner Vermutung, es habe Bin-Laden-Helfer im Umfeld der pakistanischen Regierung gegeben, für Empörung in Islamabad. Premierminister Gilani wies die Vorwürfe als "absurd" zurück, gab aber ein Versagen der Geheimdienste zu.

Eine Woche nach der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in Pakistan hat die Regierung in Islamabad Vorwürfe einer Komplizenschaft mit dem Terroristenführer von seiten der USA zurückgewiesen. Solche Anschuldigungen seien "absurd", sagte Regierungschef Yousuf Raza Gilani am Montag in seiner ersten Parlamentsansprache seit der Operation "Geronimo". US-Präsident Barack Obama bezeichnete die in bin Ladens Versteck gefundenen Dokumente als Chance für den weiteren Kampf gegen das Terrornetz.

"Al Kaida wurde nicht in Pakistan geboren", sagte Gilani. Deshalb dürfe sein Land auch nicht für die Taten des Terrornetzwerks verantwortlich gemacht werden. Auch an der langen Dauer der Suche nach dem Terrorchef sei nicht allein Islamabad schuld. Pakistan sei entschlossen, "den Terrorismus auszulöschen", sagte der Ministerpräsident und kündigte eine Untersuchung zu bin Ladens langjährigem Aufenthalt in seinem Land an.

Allerdings räumte Gilani ein Versagen der Geheimdienste ein. Sie hätten es nicht vermocht, den Aufenthaltsort bin Ladens in der Garnisonsstadt Abbottabad ausfindig zu machen, sagte der Premierminister. "Aber das ist nicht nur unser eigenes Versagen, sondern das Versagen aller Geheimdienste dieser Welt."

"Köpfe werden rollen"

Bereits zuvor versprach der pakistanische Botschafter in den USA personelle Konsequenzen in seiner Heimat. "Es werden Köpfe rollen, wenn die Untersuchung abgeschlossen ist", sagte Husain Haqqani dem US-Fernsehsender CNN. Pakistan wolle sämtliche "Bedenken der Welt" über die Rolle des Landes in dem Fall ausräumen. Die bei dem US-Einsatz festgenommenen Menschen werden derzeit verhört.

Der Terrorchef war vor einer Woche von einem US-Spezialkommando in Abbottabad getötet worden, wo er offenbar jahrelang unbehelligt lebte. Die US-Regierung vermutete, dass bin Laden Unterstützer bei den pakistanischen Behörden hatte, und informierte Islamabad nicht vorab über den Spezialeinsatz. Auch andernorts wurden Zweifel an der Haltung Pakistans zum Terrorismus laut.

Obama sagte dem US-Fernsehsender CBS: "Wir glauben, dass es ein Netzwerk an Unterstützern in Pakistan für bin Laden gegeben haben muss." Das müsse die pakistanische Regierung nun untersuchen. Der US-Präsident fügte hinzu, nach der Tötung bin Ladens und mit Hilfe der sichergestellten Dokumente wollten die USA al Kaida nun "einen wirklich fatalen Schlag" versetzen. Die Organisation habe auch in anderen Teilen der Welt "Metastasen" gebildet, die angegriffen werden müssten. Dem Terrornetz könne weiter geschadet werden, "wenn wir in den nächsten Monaten aggressiv fortfahren", sagte Obama.

Die Auswertung des Materials, das bei dem Kommandoeinsatz entdeckt worden war, werde aber "einige Zeit" dauern. Er erwarte, dass die Daten zu anderen Terroristen führten, sagte Obama. Dies bedeute aber "nicht, dass wir den Terrorismus besiegen werden", gab der US-Präsident zu bedenken.

Pakistanischer Innenminister war nicht informiert

Zum Ablauf des Einsatzes sagte der pakistanische Innenminister Rehman Malik dem arabischen Fernsehsender al Arabija, dass er "15 Minuten nach dem Beginn der Operation" informiert worden sei. Er habe jedoch nicht gewusst und auch nicht glauben können, dass sie "dieses Ziel" gehabt habe. Es habe bislang "eine ständige Zusammenarbeit" zwischen den USA und Pakistan in Sicherheitsfragen gegeben, sagte Malik.

In Wana, der Hauptstadt der pakistanischen Unruheprovinz Südwaziristan im Nordwesten des Landes, gingen erstmals seit dem Tod bin Ladens hunderte Taliban-Anhänger auf die Straße, wie Vertreter lokaler Behörden der Nachrichtenagentur AFP sagten. Sie riefen regierungskritische Parolen und legten den Markt der Stadt lahm. Die Region gilt als Rückzugsgebiet von Taliban-Kämpfern und Al-Kaida-Anhängern.

mlr/AFP/Reuters/DPA DPA Reuters

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