PORTRÄT Boris Jelzin - der »Totengräber der UdSSR«


Ein starkes und blühendes Russland am Ausgang des 20. Jahrhunderts - davon träumte Präsidenten Boris Jelzin. In seiner letzten Fernsehansprache 1999 bat er die Russen jedoch um Verzeihung für ihre enttäuschten Hoffnungen. Die Reformen, sein Lebenswerk, konnte der seit langem gesundheitlich schwache Staatschef nicht mehr selbst zum Abschluss bringen. »Ich habe alles getan, was ich konnte«, sagte Jelzin mit zitternder Stimme.

Jelzin hatte es im Kreml nicht nur mit den Folgen von 70 Jahren kommunistischer Misswirtschaft zu tun. Seine zahlreichen Krankheiten setzten ihm genauso zu wie die Rückständigkeit des Riesenreiches.

Jelzins Laufbahn von schweren Fehlern gekennzeichnet

Jelzins Laufbahn, die als sowjetischer Funktionär begann, war auch von schweren Fehlern gekennzeichnet. Die erste Krieg 1994 bis 1996 in Tschetschenien kostete ihn die Unterstützung vieler Reformer, der Ausgang des zweiten in diesem Herbst begonnen Feldzuges in der abtrünnigen Kaukasusrepublik ist ungewiss. Vor allem aber durch mangelnde wirtschaftliche Erfolge verlor Jelzin die Popularität der frühen Jahre. Im letzten Amtsjahr kamen auch noch Vorwürfe der Bestechlichkeit und persönlicher Bereicherung hinzu.

Jelzin wurde am 1. Februar 1931 im Dorf Butka im Ural in einer Bauern-Familie geboren. 1961 trat der spätere Bauingenieur

in die Kommunistische Partei der Sowjetunion ein. Sein Aufstieg führte ihn 1976 an die Spitze der Partei in Swerdlowsk, dem heutigen Jekaterinburg. Der KPdSU-Chef Michail Gorbatschow holte ihn zu Beginn der Perestroika-Zeit nach Moskau und machte ihn dort zum lokalen Parteichef.

Bereits Ende 1987 musste Jelzin, der radikalere Reformen forderte, sein Amt aufgeben. Mit 89 Prozent der Wählerstimmen im Rücken zog er 1989 jedoch in den Kongress der Volksdeputierten und anschließend in das russische Parlament ein, das ihn im Mai 1990 zu seinem Vorsitzenden wählte. Aus der Partei trat er bald aus.

Putsch orthodoxer Kommunisten niedergeschlagen

Kurz nach seiner Wahl zum ersten Präsidenten Russlands schlug Jelzin im August 1991 den Putsch orthodoxer Kommunisten gegen Gorbatschow nieder. Mit den Staatschefs Weißrusslands und der Ukraine löste er in Dezember 1991 die Sowjetunion auf. Einen weiteren Putsch des kommunistischen Parlaments ließ er 1993 niederschlagen.

1996 schaffte Jelzin die Wiederwahl. In diese zweite und letzte Amtszeit fielen die schwere Herzoperation im Herbst 1996 und die immer häufigeren Krankheiten.


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