Psychologische Kriegsführung 4000 Flugblätter für einen Iraker

Es ist die massivste psychologische Kriegsführung in der Geschichte der USA, doch der Erfolg ist bisher eher begrenzt. Denn sie funktioniert nur, wie Experten kritisieren, wenn das Militär zugleich auch Erfolge auf dem Schlachtfeld vorweisen kann.

Über 20 Millionen Flugblätter, Dauersendungen der über dem Irak kreisenden fliegenden Radiostationen, eine massive E-Mail-Kampagne und Tausende Anrufe auf den Handys der irakischen Offiziere: Es ist die massivste psychologische Kriegsführung in der Geschichte der USA, doch der Erfolg ist bisher eher begrenzt.

Sie funktioniert nur, wenn das Militär zugleich auch Erfolge auf dem Schlachtfeld vorweisen könne, sagte der Psychologe und Buchautor Anthony Pratkanis. Doch die groß angekündigte «Angst und Schrecken»- Kampagne sei bisher nicht so verlaufen, dass sie den Iraker genügend Schrecken eingejagt habe, um sie für die amerikanische Propaganda empfänglich zu machen.

«Nicht zu sehr darauf setzen»

Der pensionierte Marine-Oberst G.I. Wilson sagte, die psychologische Kriegsführung sei eigentlich nur als Unterstützung eines traditionellen Vormarschs gedacht und deshalb sollten die Militärs nicht zu sehr darauf setzen. Professor Lani Kass von der Nationalen Kriegsakademie bemängelte in der «Washington Post», das Problem sei, dass die Psychologie keine exakte Wissenschaft ist. Hinzu komme, dass es schwierig sei, Menschen aus einem anderen Kulturkreis zu beeinflussen.

Noch kurz vor Kriegsbeginn hatten sich amerikanische Politiker und Militärs überzeugt geäußert, dass sich die als «Psy-Ops» bezeichneten psychologischen Operationen schnell auszahlen würden. Vizepräsident Dick Cheney meinte, selbst die Soldaten der gefürchteten Republikanischen Garde würden massenweise desertieren. So wurden Millionen von Flugblättern über den Truppenstellungen abgeworfen, in denen Saddam Hussein Verschwendungssucht, Korruption und Brutalität vorgeworfen wurde.

Flugblätter mit genauen Kapitulationsbedingungen

Ziel war es, einen Keil zwischen Soldaten und Regime zu treiben. In einer zweiten Welle folgten dann Flugblätter mit genauen Kapitulationsbedingungen. Doch bisher sollen sich nur etwa 5000 Iraker ergeben haben. Das seien genau 4000 Flugblätter für einen Iraker, errechnete ein Experte im Fernsehen. Hinzu kamen Tausende Handy- Anrufe, in denen irakische Offiziere von Verwandten im Ausland und Irakern im Dienste der US-Armee zur Aufgabe gedrängt wurden.

Zur psychologischen Kriegsführung zählen Experten auch die öffentlich geäußerten Zweifel von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, ob Saddam Hussein die erste Bombennacht überhaupt überlebt habe. Diese Äußerung war nach Meinung vieler Kommentatoren in den USA an die Adresse der Iraker gerichtet, um ihnen die Angst vor dem Regime zu nehmen und sie zur Massenkapitulation zu bewegen. Doch auch in diesem Fall blieb der gewünschte Erfolg aus.

War das Pentagon zu «Psy-Ops»-begeistert?

Inzwischen fragte die «Washington Post», ob das Pentagon einfach zu «Psy-Ops»-begeistert war. Die Militärführung habe sich eingeredet, sie könnten Iraker damit in die Knie zwingen und bräuchten deshalb weniger Bodentruppen, zitierte die «Post» einen Armeeoffizier.

Thomas Müller DPA

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