VG-Wort Pixel

Separatistenführer in Donezk "Jetzt werden wir die ukrainische Armee angreifen"


Die Kämpfe in der Ostukraine erreichen die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol. Bei Beschuss eines Wohnviertels sterben 27 Zivilisten. Wer für den Angriff verantwortlich ist, steht nicht fest.

Die prorussischen Aufständischen in der Ostukraine haben ihre angekündigte Großoffensive mit einem Angriff auf die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol begonnen.

Das sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko am Samstag in Donezk der Agentur Ria Novosti. Jede Verantwortung für den Raketenangriff auf ein Wohnviertel von Mariupol, bei dem nach jüngsten Behördenangaben mindestens 27 Zivilisten getötet und fast 100 verletzt wurden, stritt er ab. "Im Gebiet von Mariupol sind wir bis zum heutigen Tag militärisch nicht offensiv vorgegangen. Doch nachdem Kiew jetzt uns die Schuld am dem Raketenangriff zuschieben möchte, habe ich den Befehl erteilt, die Stellungen der ukrainischen Armee anzugreifen", so Sachartschenko.

Das ukrainische Militär beschuldigt die Separatisten, den Vorort der Hafenstadt am Asowschen Meer beschossen zu haben. Verteidigungsminister Stepan Poltorak sagte, die Armee erwidere Angriffe der Aufständischen. Ukrainische Medien zeigten Bilder von brennenden Autos und einer schwarzen Rauchsäule über dem Vorort.

Wer kann die Gewalteskalation stoppen?

Präsident Petro Poroschenko berief für diesen Sonntag den Nationalen Sicherheitsrat ein. Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk forderte eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats zur Lage im Osten des Landes.

Die Europäische Union ermahnte Russland in deutlicher Sprache, die moskautreuen Separatisten nicht mehr militärisch, politisch und finanziell zu unterstützen. "Das würde verheerende Folgen für alle verhindern", erklärte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Samstag in Brüssel. Moskau habe beträchtlichen Einfluss auf die Anführer der Separatisten. Die Italienerin warnte vor einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland.

Die neue Gewalteskalation untergräbt Hoffnungen auf eine friedliche Lösung des Konflikts. Seit einem Krisentreffen der Außenminister Deutschlands, Russlands, der Ukraine und Frankreichs am Mittwoch in Berlin hat sich die Lage im Bürgerkriegsgebiet verschärft. Dutzende Zivilisten wurden getötet.

Provokation von Kiew?

Der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats in Kiew, Alexander Turtschinow, warf Russland vor, moskautreue Separatisten bei dem Angriff auf den Vorort von Mariupol unterstützt zu haben. Russland hatte ähnliche Anschuldigungen in der Vergangenheit zurückgewiesen. Die Aufständischen sprachen von einer Provokation der prowestlichen Führung in Kiew. Sie hätten keine Geschütze mit einer entsprechenden Reichweite in der Gegend stationiert, hieß es.

Nach Erkenntnissen der OSZE wurde der Raketenangriff von Gebieten in der Ostukraine gestartet, die von prorussischen Separatisten kontrolliert werden. Eine Untersuchung der Krater habe gezeigt, dass die Einschläge von Raketen stammten, die aus dem Osten und dem Nordosten von Mariupol abgefeuert worden seien, berichtete die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa am Samstagabend. Die Gebiete würden von Separatisten der selbst ernannten "Volksrepublik Donezk" kontrolliert.

Die OSZE sei zu Vermittlungen bereit, hieß es. Die Aufständischen hatten neue Gespräche in Minsk jedoch zunächst abgelehnt. Ihr Anführer Alexander Sachartschenko sagte, er wolle nur noch mit Präsident Petro Poroschenko sprechen. In dem Konflikt wurden nach UN-Angaben seit April 2014 mehr als 5000 Menschen getötet.

ivi/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker