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Streit mit Russland: MI6 fürchtet Enttarnung von britischen Agenten durch Moskau

Der diplomatische Schlagabtausch zwischen Moskau und London nach dem Giftgas-Anschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal geht in die nächste Runde. Nun fürchtet der britische Geheimdienst MI6 die Enttarnung seiner Agenten. 

Britische Geheimdienstler fürchten Enttarnung von MI6-Mitarbeitern - als Rache für die Beschuldigungen im Skripal-Fall

Britische Geheimdienstler fürchten, dass sich der Kreml zu der Enttarnung von MI6-Mitarbeitern entschließen könnte - als Rache für die Beschuldigungen im Skripal-Fall

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Nachdem Großbritannien 23 russische Diplomaten ausgewiesen hatte, holte Russland im Streit um das Gift-Attentat auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal zum Gegenschlag aus. Der Kreml verwies seinerseits 23 britische Diplomaten des Landes. Nun fürchtet der britische Geheimdienst MI6, könnte die Namen der ausgewiesenen Personen öffentlich machen und somit die Identitäten britischer Agenten preisgeben. 

Seit dem Ende des Kalten Krieges ist es üblich, die Namen der gegnerischen Agenten vor der Öffentlichkeit geheim zu halten, um ihr Leben zu schützen. Doch nach Einschätzung des MI6 sind einige hochrangige Mitglieder der Putin-Regierung dermaßen über die Vorwürfe aus London empört, dass sie sich für diesen drastischen Schritt einsetzen, wie das britische Magazin "The Independent" aus Geheimdienstkreisen erfuhr. 

Ein hochrangiger Beamter aus Whitehall erklärte, die russischen Drohungen, die Identität britischer Geheimdienstmitarbeiter preiszugeben, seien "völlig ungerechtfertigt und unverantwortlich." habe schließlich nicht die Namen der ausgewiesenen russischen Diplomaten veröffentlicht. "Die Liste wurde sorgfältig verschlüsselt."

Umweg über Enthüllungsplattformen befürchtet

Sollte sich Moskau tatsächlich zu dieser Maßnahme entschließen, sind zwar britische Medien angewiesen, die Informationen über Mitglieder von Sicherheits-, - und Antiterror-Organisationen sowie Sondereinheiten und dem Verteidigungsministerium nicht weiterzuverbreiten. Doch im Zeitalter des Internets würde sich nichts geheimhalten lassen, was einmal in die Welt hinaus posaunt wurde.

Der befürchtet, Russland könnte sich einer Enthüllungsorganisation wie etwa Wikileaks bedienen, um Informationen über britische Geheimdienstler zu verbreiten. 

Moskau gibt London Mitschuld an Vergiftung von Skripal

Unterdessen hat Moskau London eine Mitschuld an der Vergiftung des früheren Doppelagenten gegeben. Entweder seien die britischen Behörden "unfähig", einen russischen Staatsbürger vor einer "Terrorattacke" auf ihrem Staatsgebiet zu schützen - oder sie hätten "direkt oder indirekt" den Angriff "gesteuert", sagte Außenamtsvertreter Wladimir Jermakow.

Jermakow, der im russischen Außenministerium die Abteilung für Rüstungskontrolle leitet, bezweifelte, dass bei dem Anschlag auf Skripal ein Nowitschok-Nervengift zum Einsatz kam. Bei der Verwendung eines militärischen Gifts hätte es "unvermeidlich" viele Todesopfer am Tatort gegeben, sagte er. "Aber das Bild, das sich in Salisbury bietet, ist ein ganz anderes."

ivi/tkr