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Skripal-Affäre Russland weist 23 britische Diplomaten aus - und legt verbal kräftig nach

Russlands Präsident Wladimir Putin (l.) und Außenminister Sergej Lawrow (r.) senden nicht nur nach Großbritannien ein Signal der Stärke, sondern auch ans eigene Volk (Archivbild vom Juli 2017)
Russlands Präsident Wladimir Putin (l.) und Außenminister Sergej Lawrow (r.) senden nicht nur nach Großbritannien ein Signal der Stärke, sondern auch ans eigene Volk (Archivbild vom Juli 2017)
© Alexander Zemlianichenko/AP Pool / DPA
Nachdem Grobritannien wegen des Gift-Anschlags auf Sergej Skripal 23 russische Diplomaten ausgewiesen hat, zahlt Russland es den Briten mit gleicher Münze zurück. Moskau wählt starke Worte - Experten rechnen mit einer langen Krise.

Russland holt im Streit mit Großbritannien um das Gift-Attentat auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal zum Gegenschlag aus und verweist 23 britische Diplomaten des Landes. Außerdem verbietet Moskau den Betrieb des britischen Generalkonsulats in St. Petersburg und des Kulturinstituts British Council in Russland. London kündigte umgehend am Samstag an, in der kommenden Woche im Nationalen Sicherheitsrat weitere Schritte zu erörtern.

Der Kreml reagierte damit auf Sanktionen, die die britische Premierministerin Theresa May am Mittwoch im Londoner Parlament verkündet hatte. Dazu zählt die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten und das Kappen bilateraler Beziehungen "auf hoher Ebene".

Signal der Stärke vor der Wahl in Russland

Die russischen Strafmaßnahmen sind kurz vor der Präsidentenwahl am Sonntag auch als Signal der Stärke an die Wähler zu werten, dass sich Russland vom Westen nicht in die Ecke drängen lässt. Es wird ein eindeutiger Sieg von Amtsinhaber Wladimir Putin erwartet.

Sergej Skripal, 66, und seine Tochter Yulia, 33, waren vor zwei Wochen bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury entdeckt worden. Am Freitagabend befanden sie sich noch in einem kritischen, aber stabilen Zustand. London zufolge wurden sie mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet, das in der Sowjetunion hergestellt wurde. Daher beschuldigt Großbritannien Putin als Drahtzieher.

Moskau fühlt sich von London provoziert

London habe Moskau mit seinen Vorwürfen provoziert, schrieb das russische Außenministerium am Samstag. Die 23 britischen Diplomaten hätten nun eine Woche Zeit, das Land zu verlassen - dieselbe Frist hatte London auch den betroffenen russischen Diplomaten gewährt.

Großbritannien wird nach den Worten von May niemals Bedrohungen britischer Bürger durch Russland dulden. Bei einem Treffen ihrer Konservativen Partei in London wies die Premierministerin am Samstag auf die breite Unterstützung durch westliche Verbündete hin. Unter anderem hatten sich Deutschland, Frankreich und die USA in seltener Geschlossenheit hinter Großbritannien gestellt.

London rechnet mit Sanktionen

Ein Sprecher des Außenministeriums in London machte in einer Mitteilung deutlich, dass man mit den Moskauer Sanktionen gerechnet habe. "Wir glauben weiter daran, dass es nicht im nationalen Interesse ist, alle Gespräche zwischen beiden Ländern abzubrechen."

Der Moskauer Außenpolitikexperte Alexander Kramarenko nannte die Gegenmaßnahmen "ziemlich hart". Er gehe davon aus, dass die Spannungen mindestens für die Amtszeit der jetzigen britischen Regierung bestehen bleiben dürften, sagte er.

Russland will Zugang zu Beweisen und Opfern

Moskau pocht bei der Aufklärung des Skripal-Falls auf eine eigene Untersuchung durch russische Ermittler und verlangt Zugang zu Proben und den Opfern. Aus russischer Sicht gibt es nicht genügend Beweise, um eine Beteiligung Moskaus festzustellen. "Die westliche Propaganda wird leider immer primitiver und unverschämter", sagte Außenminister Sergej Lawrow einer Mitteilung seines Ministeriums zufolge.

Der russische Diplomat Alexander Schulgin behauptete, dass auch der Westen Zugriff auf das Gift gehabt haben könnte. "Mit hoher Wahrscheinlichkeit" könne angenommen werden, dass der in Salisbury verwendete Stoff aus einem westlichen Labor stamme, sagte der russische Vertreter bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW). Er nannte ausdrücklich Großbritannien und die USA. Westliche Geheimdienste hätten in den 1990er Jahren russische Chemiker, die Wissen über Arbeiten aus der Sowjetunion hatten, angeworben und mit diesen Informationen aktiv gearbeitet.

Sergej Skripal soll russische Agenten verraten haben

Skripal soll den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 über russische Agenten in Europa informiert haben. 2004 flog der ehemalige Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU auf und wurde festgenommen. Er wurde zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Rahmen eines Gefangenenaustauschs kam er 2010 nach Großbritannien.

Für Unruhe in Großbritannien sorgt auch der Mord am russischen Kreml-Kritiker und Geschäftsmann Nikolai Gluschkow. Die britische Polizei kontaktierte eine Reihe von Exil-Russen und mahnte sie zur Vorsicht. Damit hätten die Sicherheitsbehörden ihre bisherige Einschätzung von einem geringen Risiko für Exil-Russen im Land geändert, berichtete der Sender BBC. Es sei aber weiter kein Zusammenhang zwischen dem Tod Gluschkows und dem Anschlag auf Skripal erkennbar.

Gewaltspuren am Hals von Nikoal Gluschkow

Bei den Ermittlungen fanden Rechtsmediziner am Hals Gluschkows Gewaltspuren, wie Scotland Yard in London mitteilte. Der 68-Jährige war am vergangenen Montag tot in seinem Haus in der Hauptstadt entdeckt worden. Gluschkow hatte für die russischen Großkonzerne Avtovaz und Aeroflot gearbeitet. 2004 war er in seiner Heimat zu drei Jahren und drei Monaten Haft nach Vorwürfen von Betrug und Geldwäsche verurteilt worden. 2010 erhielt er in Großbritannien Asyl. 

tkr/Claudia Thaler, Thomas Körbel, Silvia Kusidlo DPA

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