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Unfall auf Testgelände am Weißen Meer: So gefährlich ist Moskaus Superrakete "SSC-X-9 Skyfall" (wenn sie funktioniert)

Die Amerikaner waren in den 60er-Jahren am Bau eines nuklearangetrieben Marschflugkörpers gescheitert – die Russen sind möglicherweise weiter. Doch der mutmaßliche Unfall mit der "SSC-X-9 Skyfall" zeigt, dass die Technik fast unbeherrschbar ist.

Burewestnik Skyfall

Der Marschflugkörper "Burewestnik", im Nato-Jargon "Skyfall" genannt, in einer "RT"-Sendung 

Schon die Amerikaner waren mit einem ähnlichen Projekt gescheitert: Ende der 50er Jahre versuchten sie, einen nuklear angetriebenen Marschflugkörper zu entwickeln. Der hätte nicht nur bis zu 16 Wasserstoffbomben transportieren können, sondern wäre auch in der Lage gewesen, mit vielfacher Schallgeschwindigkeit, mehrfach um die Erde zu fliegen.

Doch die technischen Hürden erwiesen sich als so gigantisch, die militärischen Folgen  als zu "provokativ", sodass das Projekt Pluto nach einigen Jahren aufgegeben wurde. Bis heute gilt die Konstruktion einer solchen Rakete als (zu) komplex. Umso größer die Überraschung, als Russlands Präsident Wladimir Putin im März 2018 genau diese Waffen der Öffentlichkeit vorstellte.

Moskau hüllt sich in Schweigen

"Burewestnik" wurde der atomar betriebene Marschflugkörper nach einer Onlineumfrage getauft, auf Deutsch: Sturmvogel. Oder im Nato-Jargon: SSC-X-9 Skyfall. Sollte sich US-Präsident Donald Trump nicht vertwittert haben, dann ist ein Exemplar von "Skyfall" jüngst bei Tests am Weißen Meer im Norden Russlands explodiert und hat dabei eine beträchtliche Menge Radioaktivität freigesetzt. Von russischer Seite wurde zwar ein zeitweiliger Strahlungsanstieg bestätigt sowie die Entwicklung neuer Waffen – aber über den Auslöser, geschweige denn einen konkreten Waffentyp hüllt sich die ohnehin nicht auskunftsfreudige Regierung in Moskau in Schweigen.

Riesendrohne

Nur ein einem Punkt widersprach sie deutlich den Anmerkungen Donald Trumps: Der hatte auf Twitter geschrieben, dass die USA über eine "ähnliche, wenn auch weiter fortgeschrittene Technologie" verfüge. Nein, hieß es aus Russland beinahe pampig, die eigenen Waffen seien den amerikanischen voraus. Selbst US-Experten waren über die Äußerung ihres Präsidenten überrascht. So schrieb der Friedensforscher und Autor Joe Cirincione auf Twitter: "Das ist seltsam. Wir verfügen über keine nuklear betriebenen Raketen." Entweder hat Trump etwas zu heftig auf die Pauke gehauen oder schlicht Staatsgeheimnisse verraten.

Wie weit ist Russland mit "Skyfall"?

Bislang ist unklar, wie weit die Russen mit der Entwicklung von "Skyfall" sind. Vermutlich war der aktuelle Testunfall nicht der erste mit dem hochkomplexen Waffensystem. Bereits im vergangenen Jahr soll eine Rakete verloren gegangen sein, kurz danach machte Putin den Bau des Marschflugkörpers öffentlich. Nicht ohne die Welt zu warnen, dass es de facto keine Verteidigungsmöglichkeit gegen "Burewestnik" gäbe. Theoretisch stimmt das wohl auch.

Ein nuklearbetriebener Marschflugkörper könnte extrem niedrig fliegen und wäre damit für Radarsysteme nahezu unsichtbar. Daneben würde er über eine beispiellose Reichweite verfügen. Das amerikanische "Pluto-Projekt" sah vor, dass eine Rakete bis zu 180.000 Kilometer weit fliegen könnte – das entspricht 4,5 Erdumrundungen. Die Amerikaner hatten zudem geplant, dass eine Rakete nach Abwurf von mehreren Atombomben noch wochenlang über der feindlichen Sowjetunion hätte kreisen und durch seinen ungeschützten Antrieb die Überflugzonen nuklear verseuchen sollen. Ob Moskau ähnliche Pläne mit "Skyfall" verfolgt, ist unklar.

USA glaubt, dass "Skyfall" funktionieren kann

US-Experten verfolgen die Entwicklung des "Sturmvogels" mit skeptischer Neugier. Das "Pluto-Projekt" etwa zeigte, dass es erhebliche Schwierigkeiten unter anderem mit den Materialien und der Steuerung gab, die der hohen Strahlung standhalten musste.

Mittlerweile sind mehr als 50 Jahre vergangen und die Grundlagenforschung hat erhebliche Fortschritte gemacht, weswegen auch die Amerikaner nicht grundsätzlich ausschließen, dass "Skyfall" funktionieren kann. Der russische Sender "RT" hat auch schon Bilder der "Burewestnik" gezeigt, mehr als ein raketenartiges Gebilde ist aber nicht zu sehen.

Quellen: "Washington Examiner", DPA, AFP, RT auf Twitter, Donald Trump auf Twitter, Vought