Somalia-Krise Muslim-Extremisten verlassen Mogadischu


Die islamistischen Milizen in Somalia haben sich angesichts der vor den Toren der Stadt stehenden Regierungstruppen aus der Hauptstadt Mogadischu zurückgezogen. Sie nennen es "Taktikänderung". Der UN-Sicherheitsrat konnte sich wieder nicht auf eine Erklärung zum Somalia-Konflikt einigen.

Die Muslim-Extremisten in Somalia haben sich aus der Hauptstadt Mogadischu zurückgezogen. Binnen Stunden könne die Stadt nun vollständig von Regierungstruppen eingenommen werden, sagte ein Regierungssprecher zu Reuters. Bereits jetzt seien zwei strategische Kontrollpunkte außerhalb der Stadt erobert worden. Insgesamt kontrolliere die Übergangsregierung jetzt 95 Prozent des Landes am Horn von Afrika. Somalische Regierungstruppen und mit ihr verbündete Soldaten aus Äthiopien waren am Mittwoch auf eine Linie rund 30 Kilometer vor Mogadischu vorgerückt.

Die Extremisten sprachen nur von einer Änderung ihrer Taktik, bestätigten aber den Rückzug aus Mogadischu. "Wir haben alle Führer und Mitglieder abgezogen, die in der Hauptstadt gearbeitet haben", sagte Sheikh Sharif Ahmed, ein hochrangiger Vertreter der Extremisten, dem Fernsehsender Al-Dschasira.

Der Weltsicherheitsrat hat sich erneut nicht auf eine Erklärung zum Somalia-Konflikt einigen können. Das für den Frieden in aller Welt zuständige UN-Gremium verzichtete am Mittwochabend (Ortszeit) darauf, die kämpfenden Parteien zur Waffenruhe und Wiederaufnahme von Gesprächen zu ermahnen. Der formelle Aufruf zur friedlichen Lösung des Konflikts scheiterte nach Angaben von Diplomaten an einer Forderung Katars.

Das einzige arabische Land unter den 15 Ratsmitgliedern, das im Dezember auch die Ratsgeschäfte leitet, bestand demnach darauf, in dem Appell den Rückzug des äthiopischen Militärs und anderer ausländischer Truppen aus Somalia zu verlangen. Frankreich, Großbritannien, die USA, Russland, China sowie Ghana und Tansania lehnten es jedoch entschieden ab, nur Äthiopien beim Namen zu nennen. Es sei bekannt, dass auch eine ganze Reihe anderer Länder indirekt in die Kämpfe verwickelt seien, hieß es.

Am Mittwoch hatten die Afrikanische Union (AU) und die Arabische Liga das christlich geprägte Äthiopien zum unverzüglichen Abzug seiner Truppen aus Somalia aufgefordert. In einer in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba veröffentlichten gemeinsamen Erklärung wurden aber auch "ausländische Elemente" zum Verlassen des Landes am Horn von Afrika aufgefordert, ohne diese konkret zu benennen.

UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte am Mittwochabend nach Beratungen mit dem Weltsicherheitsrat in New York zu Journalisten, er habe mit dem äthiopischen Regierungschef Meles Zenawi telefoniert. Dieser hätte ihm versichert, dass der militärische Einsatz seines Landes im Nachbarland Somalia nur von kurzer Dauer sei und dass die äthiopischen Truppen bald wieder zurückkehren würden.

Sorge um die Stabilität der Region

Unterdessen befürchtet Frankreich ein Übergreifen des Krieges in Somalia auf die Nachbarstaaten. "Ich denke an Eritrea und Dschibuti, die auch von dieser drohenden Destabilisierung in Serie betroffen sind", sagte Außenminister Philippe Douste-Blazy der Zeitung "Le Parisien" (Donnerstag). Mit den Krisen in Darfur und Somalia bestehe die Gefahr der "Destabilisierung in einer für den ganzen afrikanischen Kontinent wesentlichen strategischen Zone". Eine "militärische Lösung" lehnte Douste-Blazy ab. Die Somalier müssten "die einzigen Herren des Schicksals ihres Landes" sein.

Mogadischu belagert

Äthiopische Truppen und Soldaten der somalischen Übergangsregierung hatten am Mittwoch die letzten Orte in der Umgebung von Mogadischu erobert. Die islamistischen Milizen zogen sich nach heftigen Gefechten zurück und drohten mit einem Guerillakrieg.

Äthiopien unterstützt die international anerkannte somalische Übergangsregierung in Baidoa und hatte am Sonntag den Islamisten den Krieg erklärt. Seitdem haben die äthiopischen Streitkräfte somalische Flugplätze aus der Luft angegriffen und mehrere zuvor von den Islamisten kontrollierte Städte besetzt. Der UN-Sondergesandte für Somalia, François Lonsény Fall, mahnte, dass der Bevölkerung ohne politische Lösung noch mehr Not als in den vergangenen 16 Jahren der Anarchie drohe.

Reuters/DPA DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker