HOME

Trumps Mann im Sicherheitsrat: Warum musste Stephen Bannon gehen?

Zog sich Stephen Bannon geplant zurück? Wurde er fallen gelassen? Ging er freiwillig? Das Aus von Donald Trumps Chefstrategen im Nationalen Sicherheitsrat sorgt für zahllose Spekulationen. Sicher ist nur: Traurig darüber ist niemand.

Donald Trump (l.) und Stephen Bannon

Donald Trump (l.) lässt bislang nur ein bisschen von seinem Chefstrategen Stephen Bannon ab

Stephen Bannon ist Mister Sinister - der finstere Herr - im Weißen Haus, was ihm durchaus gefällt. "Finsternis ist gut. Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht", sagte er einmal in einem Interview. Zudem sei er nach eigener Auskunft ja auch Leninist, also jemand, der den Staat zerstören wolle. Dieses Ziel hat Donald Trumps Chefstratege bislang nicht erreicht, und beim Blick auf die jüngste Personalentscheidung seines Vorgesetzten ist fraglich, ob er es je erreichen wird. Denn seinen einflussreichen wie umstrittenen Posten ist der ultrarechte Ex-Journalist los: seinen Sitz im Nationalen Sicherheitsrat (NSC).  In der Hauptstadt Washington rätseln die Menschen nun warum.

Was machte Stephen Bannon im Sicherheitsrat?

War es eine Degradierung oder eine geplante Aktion? Hat er einen internen Machtkampf verloren oder wurde er nur symbolisch abgezogen? Wollte Bannon gar selbst alles hinwerfen? Und warum geschieht diese überraschende Demission ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als Präsident Trump ankündigt, dass er die Gräuel im Bürgerkriegsland Syrien nicht länger tolerieren wolle. Sicher ist: Die meisten Beobachter, ganz gleich ob konservativ, liberal oder links, begrüßen Bannons Abgang. Denn allein seine ständige Anwesenheit in dem "Principals Committee" des Rates wurde von den meisten Beteiligten als Affront gewertet.

Chefstratege von Donald Trump: Stephen Bannon: "Alles wird dekonstruiert"

Im NSC sitzen üblicherweise höchstrangige Minister, Armeevertreter und Geheimdienstler, die über die ganz großen Sicherheits- und Verteidigungsfragen des Landes beraten. Bannon aber, militärisch wie diplomatisch unerfahren, ideologisch in der rechten Ecke stehend und zudem einer der wichtigsten Politikberater des Präsidenten, wurde als unpassender, ja gefährlicher Eindringling betrachtet. "Der letzte Ort, an den man jemanden setzen sollte, der sich um Politik kümmert, ist ein Raum, in dem über nationale Sicherheit gesprochen wird", sagte der frühere demokratische Verteidigungsminister Leon Panetta dazu. War sein Rauswurf aus dem Gremium also vielleicht der Erkenntnis geschuldet, dass so jemand wie Bannon nichts im Nationalen Sicherheitsrat verloren hat?

Warum genau musste Bannon nun gehen?

  • Stephen Bannon selbst sagte über seinen Rückzug sinngemäß, dass der NSC unter der Regierung von Barack Obama "operationalisiert" worden sei. Sprich: von Obama und seinem Stab vereinnahmt. Diese Entwicklung rückgängig zu machen, sei seine und die des neuen nationalen Sicherheitsberater Herbert Raymond McMasters Aufgabe gewesen. "General McMaster hat die eigentlichen Aufgaben und Funktionen des NSC wiederhergestellt", so Bannon in einem Statement. Seiner Ansicht nach läuft also alles wie geplant.
  • Ähnlich, aber auch ungewöhnlich das Szenario, über das Medien wie die "New York Times" berichten. Das Blatt hat mit leitenden Mitarbeitern des Weißen Hauses gesprochen. Ihnen zufolge bestand Bannons Aufgabe in dem Rat, ein Auge auf Michael Flynn zu haben, den nach nur drei Wochen im Amt zurückgetretenen nationalen Sicherheitsberater Trumps. Da dies nicht mehr nötig sei, habe Bannon nun seinen Posten räumen können. Eine durchaus mögliche Variante, auch wenn es eher befremdlich anmutet, dass der Präsident einem seiner wichtigsten Mitarbeiter einen Aufpasser zur Seite stellt. Außerdem ist Flynn schon im Februar zurückgetreten, warum also scheidet Bannon erst jetzt aus der Position aus? 
  • Eine andere Version lautet, dass Herbert Raymond McMaster, Flynns Nachfolger als Sicherheitsberater, darauf gedrungen habe, Bannon seines Postens zu entledigen. Angeblich, so schreibt etwa die "Washington Post", wolle er politische Einflüsse, wie sie etwa von Bannon ausgingen, aus dem NSC heraushalten. McMaster, ein ehemaliger Drei-Sterne-General, gilt als erfahrener und intellektueller Kopf, der auch von politischen Gegnern Trumps in höchsten Tönen gelobt wird. Seit seiner Berufung zum nationalen Sicherheitsberater sei sein Einfluss stetig gestiegen, so die "Washington Post". 
  • Die Seite "Politico" bringt eine weitere verlorene Machtprobe ins Spiel: Danach soll sich Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner gegen Stephen Bannon durchgesetzt haben. Kushner, der Mann von Trumps Tochter Ivanka, ebenfalls Beraterin des Präsidenten, habe ständig versucht, seine Agenda zu durchkreuzen, soll sich Bannon anonymen Quellen zufolge beschwert haben, schreibt "Politico". Der Chefstratege habe deswegen überlegt, alles hinzuschmeißen. Dass er überhaupt noch im Weißen Haus sitze, sei Rebekah Mercer zu verdanken. Die Tochter des Hedgefonds-Milliardärs Robert Mercer ist einer von Donald Trumps Großspendern und gilt als glühende Anhängerin von Stephen Bannon. Sie habe den frustrierten Chefstrategen überredet, zu bleiben. " Rebekah hat ihn davon überzeugt, dass dies ein Langzeitprojekt ist", zitiert "Politico" einen Vertrauten der Familie. 
  • Daneben geistern noch zahlreiche weitere Spekulationen durch die Hauptstadt, die alle nicht minder wahrscheinlich sind. So soll etwa Bannon mit seinen zahllosen Aufgaben schlicht überfordert gewesen sei. Nicht weiter genannte NSC-Mitglieder sagten, er sei ohnehin nur selten auf den Treffen des Sicherheitsrats erschienen. Auf Twitter wird darüber gelästert, dass Bannon nun nur noch 99 statt 100 Jobs habe, weswegen sein Aus in dem Gremium eh nicht weiter auffalle. Und dann halten sich weiter die Gerüchte, dass der Chef selbst zunehmend unzufrieden über die Arbeit seinen obstersten Strategen sei und er ihn deswegen langsam entmachte.

Donald Trump - glücklos mit den Personal 

Welche Version nun zutrifft oder ob keine von ihnen oder von allem etwas, der Rückzug Bannons ist für die US-Außenpolitik wohl eher eine gute Nachricht. Denn künftig sitzen im Sicherheitsrat wieder Vollprofis und keine ideologisch verbrämten Hardliner. Vielleicht sieht Donald Trump aber langsam ein, dass sein Slogan von "America First" (der auch der von Bannon war und ist) angesichts der Weltlage kaum umsetzbar ist. Auch wenn beide die Rolle der USA als "Weltpolizist" loswerden wollten, zwingen Konfliktherde wie Syrien und Nordkorea dann doch zum Handeln - ob das Weiße Haus nun will oder nicht.

Immer deutlicher wird aber auch, dass der neue US-Präsident ein Personalproblem hat. Nach nicht einmal drei Monaten im Amt ist Stephen Bannon bereits der zweite Mitarbeiter (nach Michael Flynn), der Verantwortung abgeben musste. Zählt man die in der Kritik stehenden Jeff Sessions (Justizminister), Kellyanne Conway (Pressechefin) sowie den bereits zurückgetretenen Wahlkampfchef Paul Manafort noch dazu, hat Trumps Unerfahrenheit eine hohe Verschleißrate.