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Sudan: "Ethnische Säuberungen" in Dafur

Der deutsche Politiker Gerhard Baum hat die internationale Gemeinschaft aufgefordert, in der sudanesischen Kisenregion Dafur einzuschreiten. Die Staatsminsterin im Auswärtigem Amt, Kerstin Müller, sprach von "ethnischen Säuberungen".

Im Sudan bahnt sich eine humanitäre Katastrophe unglaublichen Außmaßes an. In der Krisenregion Dafur sind ca. 1 Million Menschen auf der Flucht. Sie sind ständigen Attacken arabischer Milizen ausgesetzt. Diese werden dabei offensichtlich von Regierungstruppen unterstützt. Im benachbarten Tschad leben rund 125 0000 Flüchtlinge unter äußerst widrigen Bedingungen. Deshalb hat jetzt der ehemalige UN-Beauftragte für den Sudan, der deutsche Politiker Gerhard Baum, die internationale Gemeinschaft aufgefordert einzuschreiten, andernfalls werde das Land "auseinanderknallen".

"Frauen werden systematisch vergewaltigt. Die Zivilbevölkerung wird bombardiert. Genug, um dort von ethnischen Säuberungen zu sprechen - und von der größten humanitären Katastrophe, die zurzeit auf der Welt besteht, ohne dass bisher wirklich durchgreifend Abhilfe erfolgt ist," sagte Baum weiter. Der seit über 20 Jahren tobende Bürgerkrieg zwischen arabischen Norden und christlichen Süden stehe zwar kurz vor einem Friedensschluss, dabei seien aber die neu entstandenen Konflikte in der Region Dafur ausgeklammert worden.

Kontrolle durch "internationale Begleitung"

Die Vereinbarungen des Friedensabschlusses müssten jetzt umgesetzt und durch "internationale Begleitung kontrolliert werden". Das ganze Land müsse aber in den Prozess einbezogen werden. Baum hält den Vorschlag von UN-Generalsekretär Kofi Annan für "bedenkenswert", notfalls mit Blauhelmen in Dafur zu intervenieren. Ein Bundeswehreinsatz sei für ihn aber nicht vorstellbar. Vielmehr müsse Deutschland mit Experten helfen, zivile Strukturen wieder auzubauen.

Seit einem Jahr kämpfen in der Region Dafur im Westen Sudans zwei Rebellengruppen gegen die Armee und arabische Milizen. Die Region hatte schon früher harten Widerstand gegen die britischen Kolonialherren geleistet. Die schwarzafrikanischen Ethnien der Fur, Zagawa und Masalit wehren sich gegen eine Bevormundung durch die Araber. Auch sie sind Muslime.

Im anderen Bürgerkrieg gab es 1,5 Millionen Tote

Der eigentliche Hauptkonflikt des Landes ist aber der seit über 20 jahren stattfindene Bürgerkrieg im Süden. Dort kämpft die Sudanesische Befreiungsarmee (SPLA) gegen die Regierung. Dieser Krieg läuft unter der Rubrik "Muslime gegen Christen". 1,5 Millionen Todesopfer sind zu beklagen. Aber dieser Krieg geht zu Ende: Friedensverhandlungen in Kenia stehen vor dem Abschluss.

Die Staatsministerin im Auswärtigem Amt, Kerstin Müller (Grüne), spricht ebenfalls von "enthnischen Säuberungen" in Dafur. Müller warf der sudanesischen Regierung vor, den Konflikt zwischen der arabischen und afrikanischen Bevölkerung in der westsudanesischen Krisenregion zu instrumentalisieren, um den politischen Konflikt mit den Rebellen im Süden des Landes zu lösen. Die Regierung müsse die arabischen Janjaweed-Milizen stoppen und entwaffnen. Der vereinbarte Waffenstillstand müsse eingehalten werden. Internationale Hilfsorganisationen müssten noch vor Beginn der Regenzeit in etwa vier Wochen freien Zugang in die Krisenregion bekommen.

Die Entsendung deutscher Soldaten steht nicht zur Debatte

Die Bundesregierung habe die humanitäre Hilfe für den Sudan auf vier Millionen Euro erhöht, sagte Müller. Außenminister Joschka Fischer (Grüne) werde die Krise im Sudan auch bei seinen Gesprächen mit der US-Regierung in den kommenden Tagen anschneiden. Die Afrikanische Union (AU) habe die EU um personelle und finanzielle Unterstützung gebeten. Die Bundesregierung unterstütze dies. Die Entsendung deutscher Soldaten stehe aber nicht zur Debatte.

Müller hatte vergangene Woche Flüchtlingslager im Tschad an der Grenze zum Sudan besucht und danach dem UN-Sicherheitsrat berichtet. Die Lager seien am Rande ihrer Aufnahmekapazitäten. Etwa 10 000 Menschen seien bereits getötet worden. Vom UN-Sicherheitsrat forderte Müller eine "deutliche Erklärung".

Tote im Süden des Sudans

Im Süden des Sudans überfielen derweil nach unbestätigten Berichten Milizen ein Lager von Rinderhirten und töteten mehr als 200 Menschen. Etwa 70 Menschen seien nach Angaben der lokalen Behörden verletzt, sagte ein UN-Sprecher in Nairobi. Hilfsorganisationen hätten derzeit auch keinen Zugang zu der Region nahe der Grenze zu Äthiopien, die unter Kontrolle der Rebellenbewegung SPLA steht.