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Winterkatastrophe in Texas Vor umstrittenem Familientrip in die Sonne: Das schrieb die Ehefrau von US-Senator Cruz ihrer Nachbarschaft

Ein Mann mit Mund-Nasen-Schutz im Look der Flagge von Texas geht durch ein Flughafen-Terminal
Sehen Sie im Video: US-Senator Ted Cruz bricht umstrittenen Mexiko-Trip ab und gesteht Fehler ein.




Dieser Mexiko-Trip bringt viele Texaner auf die momentan vermutlich tief verschneite Palme. Während in ihrem US-Bundesstaat Millionen Menschen unter einer ungewöhnlich scharfen Kältewelle leiden, ist der Senator von Texas, Ted Cruz, mit seiner Familie ins Urlaubsparadies Cancun geflogen. Die Reaktionen zu Hause waren noch eisiger, als der Wintereinbruch. Cruz brach den Urlaub ab. Am Donnerstag zeigte er sich zerknirscht. "Es war ganz offensichtlich ein Fehler", sagte der Republikaner bei seiner Rückkehr nach Houston. "Ich muss zugeben, ich hatte Bedenken, kaum dass ich mich ins Flugzeug gesetzt hatte." Der heftige Wintereinbruch im Süden der USA hat Texas teilweise lahmgelegt. Rund 2,7 Millionen Bürger sind bei klirrender Kälte ohne Strom und Wasser. Mehr als 20 Menschen sind ums Leben gekommen. Nicht nur vor dem Hintergrund des Wetterchaos in seiner Heimat bekommt Cruz Gegenwind. Im Dezember hatte der Republikaner den Bürgermeister von Austin, Stephen Adler kritisiert, weil er nach Mexiko geflogen war, während andere US-Bürger wegen der Corona-Pandemie auf Reisen verzichten sollten.
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Der texanische Senator Ted Cruz hat seinen umstrittenen Trip in die Sonne inmitten einer Winterkatastrophe in seinem Bundesstaat einen Fehler genannt. Textnachrichten seiner Frau wecken Zweifel an seiner Erklärung für die Reise.

Nach dem umstrittenen Mexiko-Trip des texanischen Senators Ted Cruz haben US-Medien Zugang zu Textnachrichten seiner Ehefrau Heidi bekommen, die den Republikaner weiter in Schwierigkeiten bringen.

Ted Cruz war mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern am Mittwoch in das Urlaubsparadies Cancún geflogen, während sein Bundesstaat Texas seit mehreren Tagen mit einem heftigen Wintereinbruch kämpft und zeitweise Millionen Haushalte ohne Strom und Trinkwasser waren. Nachdem Fotos des reisenden Senators in den sozialen Medien aufgetaucht waren und für Empörung gesorgt hatten, war er am Donnerstagnachmittag wieder nach Texas zurückgekehrt.

"Kann oder will jemand für eine Woche verreisen?

Wie es zu der Reise kam, deuten Textnachrichten an, die Heidi Cruz am Mittwochvormittag in einem Gruppenchat an Freund*innen und Nachbar*innen geschickt hatte. In ihrem Haus sei es "EISIG", schrieb Cruz darin und schlug einen Ausflug bis Sonntag vor, wie die "New York Times" und die Nachrichtenseite "Reform Austin" berichten, denen der Gesprächsverlauf nach eigenen Angaben von Mitgliedern der Chatgruppe zur Verfügung gestellt wurde.

Heidi Cruz lud demnach die anderen Gruppenmitglieder ein, sich ihr und ihrer Familie im Ritz-Carlton in Cancún anzuschließen, wo sie bereits "viele Male" übernachtet hätten. "Kann oder will jemand für eine Woche verreisen? Wir fliegen vielleicht nach Cancún, es gibt einen Direktflug um 16.45 Uhr und Hotels mit Kapazitäten. Ernsthaft", schrieb die 48-Jährige. Vor der Wiedereinreise in die USA seien Coronatests erforderlich, die sie vor Ort machen würden.

Später postete Cruz den Flugplan, demzufolge sie am Mittwochnachmittag nach Cancún fliegen und am Sonntag um 18.15 Uhr wieder in Houston landen würden und teilte den Zimmerpreis pro Nacht mit: "Ritz Carlton Cancun 309$ plus Steuern".

Links ist tagsüber ein weißes Apartementhaus zu sehen, in dem Flammen lodern, rechts brennt das Feuer im Dunkeln immernoch

Ganz anders als als einen Kurzurlaub mit Freunden stellte dagegen Ted Cruz den Besuch der mexikanischen Karibikküste dar. In einer Erklärung, die er mehrere Stunden nach Bekanntwerden der Vorwürfe von Mexiko aus veröffentlichen ließ, behauptete der Senator, er sei nur seinen Kindern zuliebe nach Cancún geflogen. Da der Schulunterricht gestrichen sei, hätten seine Töchter einen Trip mit Freunden machen wollen. In seinem Bemühen, "ein guter Vater" zu sein, sei er am Mittwoch mit ihnen weggeflogen. Er werde noch im Laufe des Donnerstags nach Texas zurückkehren. Ob das von Anfang an sein Vorhaben gewesen war, teilte der 50-Jährige nicht mit. Reporter fanden jedoch heraus, dass sein Rückflug ursprünglich für Sonntag terminiert gewesen war und erst am Donnerstagmorgen auf den Donnerstagnachmittag umgebucht wurde.

Ted Cruz nennt Cancún-Reise einen Fehler

Nach seiner Landung in den Vereinigten Staaten räumte Cruz dann selbst ein, dass er eigentlich geplant hatte, länger in Cancún zu bleiben und von dort per Telefon und Videoschalte zu arbeiten. "Der Plan war, das Wochenende mit der Familie zu verbringen", sagte der Senator und beschrieb das Vorhaben als den elterlichen Versuch, seinen beiden Töchter im Alter von zehn und zwölf Jahren nach einer "harten Woche" etwas Gutes zu tun. Dann sei ihm aber klar geworden: "Ich musste hier [in Texas] sein und deshalb bin ich zurückgekommen."

"Es war offensichtlich ein Fehler, und im Nachhinein hätte ich es nicht getan", gestand Cruz vor Reportern. Bereits beim Besteigen des Flugzeuges seien ihm Zweifel an der Reise gekommen. Er könne verstehen, warum die Menschen verärgert sind. "Auf der einen Seite haben wir alle, die wir Eltern sind, die Verantwortung, uns um unsere Kinder zu kümmern, uns um unsere Familien zu kümmern", sagte der Senator. "Aber ich habe auch eine Verantwortung, die ich sehr ernst nehme, für den Staat Texas zu kämpfen."

Anfang der Woche hatte Cruz die Texaner aufgefordert, angesichts der Winterwetterkrise daheim zu bleiben. In einem Radio-Interview am Montag warnte er, Texas könnte bis zu 100 Todesfälle in dieser Woche erleben. "Also riskieren Sie es nicht. Bringen Sie Ihre Familie in Sicherheit und bleiben Sie einfach zu Hause und umarmen Sie Ihre Kinder."

Wegen der Corona-Pandemie rät auch die Privatschule der Töchter des Republikaners von Auslandsreisen ab. Zwei Eltern legten der "New York Times" eine Kopie der Schulrichtlinien vor, wonach die Schüler nach internationalen Reisen sieben Tage lang nicht in die Klassenzimmer zurückkehren oder sich drei bis fünf Tage nach ihrer Rückkehr einem Coronatest unterziehen sollten. Für Cruz' Kinder hieße das, dass sie in der kommende Woche nicht in die Schule können.

Im vergangenen Dezember hatte Cruz den demokratischen Bürgermeister der texanischen Hauptstadt Austin, Stephen Adler, heftig attackiert, als dieser während der Pandemie mit mehreren Personen nach Cabo San Lucas in Mexiko reiste, während die Bürger aufgefordert wurden, zu Hause zu bleiben. "Heuchler," schrieb Cruz auf Twitter. "Komplette und totale Heuchler."

Quellen: "New York Times""Reform Austin", CNN "Austin American-Statesman"

mad

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