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Terrorismus: Bush setzt Topterroristen auf Todesliste

Der Geheimdienst ist ermächtigt, Terroristenführer wie Osama bin Laden oder seinen Stellvertreter Eiman el Sawahiri ohne weitere Rücksprache mit dem Weißen Haus zu töten.

Die USA haben nach einem Bericht der »New York Times« zwei Dutzend internationale Topterroristen auf eine Todesliste gesetzt. Die US-Regierung habe die geheime Liste mit den Namen für den Geheimdienst CIA erstellt. Damit werde der Geheimdienst ermächtigt, Terroristenführer wie Osama bin Laden oder seinen Stellvertreter Eiman el Sawahiri ohne weitere Rücksprache mit dem Weißen Haus zu töten, wenn eine Gefangennahme nicht möglich sei oder es zu viele Opfer fordern würde, berichtete die Zeitung am Sonntag. Der Bericht wurde auch als Anzeichen dafür gewertet, dass die USA davon ausgehen, dass Bin Laden noch am Leben ist.

Auf das Konto von Bin Ladens El-Kaida-Netzwerk geht nach jordanischen Angaben auch der Mord an einem amerikanischen Diplomaten in Amman Ende Oktober. Informationsminister Mohammed el Udwan berichtete am Samstag, die jordanischen Sicherheitskräfte hätten zwei El-Kaida-Mitglieder verhaftet, die den Mord an dem US-Diplomaten Laurence Foley gestanden hätten. Sie sollen Kontakt zum El-Kaida- Kommandeur Abu Musab el Sarkawi gehabt haben, der im Verdacht steht, Terroranschläge in Deutschland zu planen.

US-Präsident George W. Bush hatte dem Irak kürzlich vorgeworfen, el Sarkawi Zuflucht gewährt zu haben. Von dem Jordanier geht nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes die größte Gefahr für Anschläge in Deutschland aus. El Sarkawi gehört demnach einer neuen El-Kaida-Zelle an und ist für die Planung von Anschlägen in Europa zuständig. Er hält sich nach Angaben aus Amman nicht in Jordanien auf.

In Pakistan vereitelte die Polizei am Sonntag einen neuen Selbstmordanschlag auf amerikanische Diplomaten. Drei Männer seien festgenommen worden, die einer Gruppe von Moslemextremisten angehörten, sagte der Polizeichef der Provinz Sindh, Syed Kamal Shah. Sie hätten in der Hafenstadt Karachi bereits ein Auto mit Sprengstoff präpariert, als die Polizei zugriff. Einer der Festgenommenen soll bereits in einen anderen Anschlag im Mai verwickelt gewesen sein. Dabei waren elf französische U-Boot-Ingenieure und drei Pakistaner getötet worden.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag vom 28. November auf ein israelisches Hotel in Mombasa hat die kenianische Polizei eine mögliche Spur nach Südafrika entdeckt. Nach Angaben der Sonntagszeitung »Sunday Times« (Johannesburg) bat Kenias Chefermittler William Langat per Interpol die südafrikanischen Kollegen um Amtshilfe. Sie sollen nachforschen, ob der als Käufer des benutzten Tatfahrzeugs gesuchte Saleh Nabhan am Kap Zuflucht gefunden hat. Er habe seinen Eltern wenige Tage vor dem Anschlag erklärt, er wolle in Südafrika nach einer Arbeitsstelle suchen.

Die südafrikanischen Behörden lehnten eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Es sei sehr unglücklich, dass Langat öffentlich über seine Arbeit gesprochen habe, sagte die für den Geheimdienst zuständige Ministerin Lindiwe Sisulu. Sollte sich Nabhan im Lande aufhalten, so sei er gewarnt und könnte erneut abtauchen. Bei dem Anschlag nahe Mombasa hatten die Attentäter 13 Menschen mit in den Tod gerissen. Ein gleichzeitiger Raketenanschlag auf ein startendes israelisches Flugzeug war gescheitert.

Der Weltsicherheitsrat verurteilte die Terroranschläge in Kenia inzwischen offiziell. Die Annahme der von den USA eingebrachten Resolution war durch langwierige Verhandlungen verzögert worden, weil das Ratsmitglied Syrien einer darin enthaltenen Sympathiebekundung für Israel nicht zustimmen wollte. Syrien stimmte am Freitag als einziger von der 15 Mitgliedstaaten des Rates gegen den Beschluss.