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TV-Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten Obama souverän, Romney zögerlich


Iran mit Atomwaffen als größte Bedrohung und das heikle Verhältnis zu China: Obama und Romney kreuzen beim Thema Außenpolitik zum letzten Mal die Klingen. Der Präsident kann punkten

In der letzten TV-Debatte hat US-Präsident Barack Obama seinen Herausforderer Mitt Romney als außenpolitischen Neuling abgestempelt. Beide Kandidaten lieferten sich am Montagabend (Ortszeit) einen heftigen Schlagabtausch über das iranische Atomprogramm und die Umwälzungen in der arabischen Welt. Zwei Wochen vor der Wahl versuchten sie dabei, über den Umweg globaler Themen auch innenpolitisch zu punkten.

Einer Schnellumfrage zufolge ist das dem US-Präsidenten besser gelungen. In dem nicht repräsentativen Votum von CNN/ORC sagten 48 Prozent der befragten Wähler, der Amtsinhaber habe die TV-Debatte gewonnen. 40 Prozent sahen unmittelbar nach Ende der Debatte Mitt Romney vorn.

Obama warf Romney bei dem Duell an der Lynn-Universität in Boca Raton in Florida fehlenden außenpolitischen Instinkt vor. "Jedes Mal, wenn Sie eine Meinung geäußert haben, lagen Sie falsch", sagte er. Der Präsident kritisierte, dass Romney den Einmarsch in den Irak unter seinem Vorgänger George W. Bush unterstützt habe. Außerdem habe der Republikaner Russland im Wahlkampf als größten geopolitischen Feind der USA bezeichnet. "Der Kalte Krieg ist seit 20 Jahren vorbei", hielt Obama seinem Herausforderer vor.

Streit um Iran, Bekenntnis zu Israel

Der Republikaner konterte, er werde in den Beziehungen mit Moskau "keine rosarote Brille" aufsetzen. Der russische Präsident Wladimir Putin müsse sich im Falle seiner Wahl auf "mehr Rückgrat" einstellen, sagte Romney. Damit spielte er auf einen durch eine Mikrofonpanne mitgehörten Wortwechsel zwischen Obama und Putins Vorgänger Dmitri Medwedew aus dem Frühjahr an. Damals hatte der US-Präsident gesagt, im Streit um das geplante US-Raketenabwehrsystem in Osteuropa nach der Wahl "mehr Flexibilität" zu haben.

Führungsschwäche attestierte Romney dem Präsidenten auch im Umgang mit der arabischen Welt. "Wir sehen eine ziemlich dramatische Umkehr der Hoffnungen, die wir für die Region gehabt haben", sagte er. In mehreren Ländern seien Islamisten auf dem Vormarsch. "Ich beglückwünsche den Präsidenten zur Tötung von Osama bin Laden", sagte Romney. Die Jagd auf die Führung des Terrornetzwerks Al-Kaida reiche aber nicht aus. Der Republikaner forderte eine "umfassende und robuste" Strategie, damit die Menschen in muslimischen Ländern "den radikalen, gewalttätigen Extremismus zurückweisen".

Beide Kandidaten bekräftigten, dass sie keine atomare Bewaffnung des Iran dulden würden. "Solange ich Präsident der Vereinigten Staaten bin, wird Iran keine Atomwaffen erhalten", sagte Obama. Dabei betonte er seine Unterstützung für den engen Verbündeten Israel, der sich durch das iranische Atomprogramm direkt bedroht sieht: "Ich werde an der Seite Israels stehen, wenn es angegriffen wird."

Debatte driftet in Innenpolitik ab

Romney kritisierte dagegen, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und Israel unter Obama verschlechtert hätten. Das iranische Atomprogramm nannte der Republikaner "inakzeptabel". Als Präsident werde er sich für eine Verschärfung der Sanktionen gegen Teheran einsetzen. "Und natürlich ist eine militärische Aktion das letzte Mittel", sagte Romney, der einen nuklear bewaffneten Iran als "größte Bedrohung der Welt" bezeichnete. Obama erklärte dagegen, für ihn gehe die größte Gefahr weiter von Terrornetzwerken wie Al-Kaida aus.

Immer wieder glitt die Debatte in die Innen- und Wirtschaftspolitik ab. Der Präsident sagte, sein Herausforderer stehe für "die Außenpolitik der 80er Jahre, die Gesellschaftspolitik der 50er Jahre und die Wirtschaftspolitik der 20er Jahre". Romney kündigte an, als Präsident eine härtere Haltung im Handelskonflikt mit China einzunehmen. Die USA verlören Jobs, weil Peking "nicht nach den gleichen Regeln spielt", sagte er. Romney erneuerte sein Versprechen, in seiner Amtszeit zwölf Millionen Arbeitsplätze zu schaffen.

kng/AFP/DPA DPA

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