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Nach Annexion der Krim: TV-Sender der tatarischen Minderheit abgeschaltet

Laut russischer Medienaufsicht soll der Sender ATR die Krimtartaren gegen Moskau aufgehetzt haben - nun wurde der Betrieb eingestellt. Der ukrainische Präsident übt heftige Kritik an dem Vorgehen.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko schrieb bei Twitter: "Ihr könnt nicht die Krimtataren davon abhalten, nach der Freiheit und der Wahrheit zu streben."

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko schrieb bei Twitter: "Ihr könnt nicht die Krimtataren davon abhalten, nach der Freiheit und der Wahrheit zu streben."

Der TV-Sender der tatarischen Minderheit auf der von Russland annektierten ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim hat seinen Betrieb eingestellt. "Um Mitternacht haben wir aufgehört zu senden", sagte die stellvertretende Chefin des Senders ATR, Lilja Budschurowa, der Nachrichtenagentur AFP. Hintergrund ist die Entscheidung der russischen Medienaufsicht, den TV- und Radiosendern der Krimtataren keine Zulassung zu erteilen. Im September war ATR von den Moskau-treuen Behörden auf der Krim des "Extremismus" beschuldigt worden. Der Sender hetze die Tataren auf der Krim gegen die Regierung auf, lautete der Vorwurf.

Vor der Zentrale der Rundfunkanstalt in Simferopol versammelten sich am Mittwoch bis zu 200 Mitarbeiter, um gegen die Schließung zu protestieren. "Die Leute sind furchtbar enttäuscht", sagte Budschurowa, die auch als AFP-Korrespondentin arbeitet. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko verurteilte das erzwungene Aus für den Sender. "Ihr könnt den Sender schließen, aber ihr könnt nicht die Krimtataren davon abhalten, nach der Freiheit und der Wahrheit zu streben", schrieb der Staatschef im Onlinedienst Twitter.

300.000 Tartaren auf der Krim

Russland hatte die Krim im März 2014 ungeachtet internationaler Proteste annektiert, nachdem sich die Bevölkerung zuvor in einem umstrittenen Referendum mehrheitlich für den Beitritt ausgesprochen hatte. Zwei Wochen zuvor hatte Staatschef Wladimir Putin russische Spezialtruppen auf die Krim geschickt. Die krimtatarische Minderheit wandte sich mehrheitlich gegen die Annexion. Moskau geht seither mit harter Hand gegen die Minderheit vor - Aktivisten wurden festgenommen und Anführer von der Krim verbannt.

Von den rund zwei Millionen Bewohnern der Krim, die mehrheitlich russische Wurzeln haben, gehören etwa 300.000 dem muslimischen Turkvolk der Tataren an. Unter Diktator Josef Stalin wurden sie als "Nazi-Kollaborateure" verfolgt und zwangsumgesiedelt. Erst zum Ende der Sowjetunion durften sie in ihre Heimat zurückkehren. Putins Staatsführung bestreitet eine Benachteiligung der Minderheit vehement.

amt/AFP / AFP