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Ukraine-Krise: Kiew meldet russische Truppen im Südosten

Russische Soldaten sollen Nowoasowsk und mehrere Dörfer in der Ostukraine eingenommen haben, Präsident Poroschenko spricht von einer "Intervention". Russland dementiert einen Einmarsch.

Die Ukrainische Armee attackiert Barrikaden prorussischer Separatisten in Slaviansk - nun sollen russische Truppen eine Stadt eingenommen haben

Die Ukrainische Armee attackiert Barrikaden prorussischer Separatisten in Slaviansk - nun sollen russische Truppen eine Stadt eingenommen haben

Bei den Kämpfen in der Ostukraine hat das russische Militär offenbar die Kontrolle über mehrere Orte übernommen. Nach Angaben der ukrainischen Regierung hätten "russische Truppen" eine wichtige ukrainische Grenzstadt im Südosten sowie mehrere umliegende Dörfer erobert. "Gestern übernahmen russische Soldaten die Kontrolle über Nowoasowsk", erklärte der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat am Donnerstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Die ukrainischen Soldaten hätten sich aus der Ortschaft zurückgezogen, um ihr Leben zu retten.

Ein Armeevertreter berichtete zudem, von Russland unterstützte Separatisten hätten eine strategisch wichtige Anhöhe östlich der umkämpften Stadt Donezk eingenommen.

Der pro-russische Rebellenführer Alexander Zachartschenko sagte dem Internetdienst eines russischen TV-Senders, in ihren Reihen befänden sich russische Soldaten, die in ihrem Urlaub lieber mit ihren Brüdern für die Freiheit kämpften, anstatt am Strand zu liegen. Ein Mitglied des Asow-Bataillons sagte, unter der Flagge der separatistischen Volksrepublik Donezk sei vor zwei Tagen militärische Ausrüstung in die Region gebracht worden, "aber es sind reguläre russische Truppen".

Die Separatisten würden zusammen mit diesen Truppen ihre Gegenoffensive im Südosten des Landes vorantreiben. Die ukrainische Armee konzentriere sich in der Region daher nun auf die Verteidigung der Stadt Mariupol.

Ukraine: "Wir graben uns ein"

Die ukrainische Führung wirft den Separatisten vor, hier eine "zweite Front" zu eröffnen. Die Aufständischen teilten mit, mit Panzern die Stadt Nowoasowsk nahe Mariupol erreicht zu haben. "Die Befreiung der Stadt ist eine Sache von Tagen", kündigte ein Separatistensprecher an. Die Armee bereitet sich auf eine Offensive vor.

"Wir formieren zwei Verteidigungslinien und graben uns ein", sagte ein ukrainischer Militärsprecher. Die Region Mariupol am Asowschen Meer ist die Landverbindung zwischen Russland und der von Moskau im März einverleibten Halbinsel Krim.

Auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko warf Russland einen militärischen Einmarsch in sein Land vor. "Ich habe einen Besuch in der Türkei abgesagt, (...) da eine Intervention russischer Streitkräfte in der Ukraine stattfand", teilte Poroschenko in Kiew mit. Er habe eine Krisensitzung des nationalen Sicherheitsrats einberufen, um über die nächsten Schritte zu beraten. Laut ukrainischem Militär halten sich derzeit rund 100 russische Fahrzeuge in der Ukraine auf.

Der ukrainische EU-Botschafter Konstiantyn Jelisiejew verlangte umfassenden Militärbeistand der EU. Die EU-Politik der "Beschwichtigung" gegenüber dem "Aggressor" müsse aufgegeben werden, die europäische Solidarität mit der Ukraine müsse sich in einer "weitreichenden militärischen und technischen Hilfe" sowie in "bedeutenden Sanktionen" gegen Moskau zeigen.

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk forderte die USA, die EU und die G7-Staaten auf, alle russischen Vermögenswerte einzufrieren, bis die russischen Truppen und die aus dem Nachbarland kommende militärische Ausrüstung aus seinem Land abgezogen seien.

US-Botschafter meldet Zahl russischer Soldaten

Die US-Regierung hatten Moskau am Mittwoch vorgeworfen, eine Gegenoffensive der Rebellen in der umkämpften Region zu "lenken".

Am Donnerstag erklärte der US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, auf Twitter, eine "zunehmende Zahl russischer Soldaten" sei "direkt an den Kämpfen auf ukrainischem Territorium beteiligt". Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kam in Wien zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Dort hat Russland den Einmarsch dementiert. Die russische Führung habe "keinerlei Interesse" an einer Invasion in der Ostukraine, sagte der russische OSZE-Vertreter Andrej Kelin.

Auch die Außenminister der 28 EU-Staaten beraten bei ihrem Treffen am Freitag über die Ukraine-Krise - zu möglichen Sanktionen der EU gegen Russland stehen aber keine Entscheidungen auf der Tagesordnung.

Insgesamt wurden in dem Konflikt zwischen ukrainischen Truppen und prorussischen Rebellen inzwischen mehr als 2200 Menschen getötet. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuletzt am Dienstag Vorwürfe Kiews und des Westens zurückgewiesen, die Aufständischen mit Waffen und Soldaten gezielt zu unterstützen.