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Unruhen in der arabischen Welt Mit Panzern gegen Demonstranten


In arabischen Ländern ist es nach den Freitagsgebeten wieder zu Protesten und Gewalt gekommen. In Syrien lässt das Regime nach Angaben der Opposition auf Demonstranten schießen, in Ägypten fordern Tausende raschere Reformen.

Blutiger Freitag in Syrien: Bei neuen Massenprotesten gegen das Regime von Präsident Baschar al Assadsind nach Oppositionsangaben mindestens 27 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden. Sicherheitskräfte hätten nach den Freitagsgebeten in mehreren Städten auf Demonstranten gefeuert, hieß es. In Damaskus sei dabei auch ein Kind getötet worden. In Ägypten gingen derweil Tausende Menschen auf die Straßen, um gegen die Übergangsregierung zu demonstrieren. Proteste gab es zudem im Jemen und in Jordanien.

Nach Angaben der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter gingen in ganz Syrien mehr als eine Million Demonstranten auf die Straße. Mindestens neun Menschen seien in der Hauptstadt Damaskus getötet worden, sieben weitere in der Provinz Idlib nahe der türkischen Grenze, als Sicherheitskräfte das Feuer auf protestierende Regimegegner eröffnet hätten, berichtete die Opposition. Sie stellte Videos ins Internet, die Massenproteste in den Städten Hama und Homs zeigten. Die Demonstranten forderten die Absetzung Assads und die Freilassung inhaftierter Oppositioneller.

Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen sind bei den Unruhen der vergangenen vier Monate in Syrien mehr als 1400 Menschen ums Leben gekommen. Das Regime von Staatspräsident Assad bestreitet diese Zahl und macht ausländische Kräfte für die Aufstachelung der Bevölkerung verantwortlich.

Sicherheitsrat diskutiert Syriens Atomprogramm

Deutschland forderte von Syrien im UN-Sicherheitsrat klare Aussagen über dessen angebliches Atomprogramm. "Es ist an der syrischen Regierung, den eingegangenen internationalen Verpflichtungen zu entsprechen und der IAEA vollen Zugang zu gewähren", sagte Berlins UN-Botschafter Peter Wittig nach einer Sondersitzung in New York. Bei der Tagung hatten Experten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA das Gremium informiert. Viele Länder fürchten, dass die 2007 wahrscheinlich von israelischen Kampfflugzeugen zerstörte Anlage im syrischen Dair Alzour die Baustelle für einen Atomreaktor war. Die USA werfen dem Regime in Damaskus vor, an Atomwaffen gearbeitet zu haben.

Neue Demonstrationen in Ägypten

In Ägypten forderten Demonstranten in Kairo, Alexandria, Suez und anderen Städten öffentliche Verfahren gegen den früheren Präsidenten Husni Mubarak und seine Unterstützer sowie eine rasche Umsetzung der versprochenen Reformen. Mitglieder der früheren Regierungspartei müssten aus öffentlichen Ämtern entfernt werden.

Mubarak und zwei seiner Söhne sollen Anfang August vor Gericht gestellt werden. Der frühere Staatschef war nach Massenprotesten am 11. Februar von der Armeeführung entmachtet worden. Er lebt derzeit als Untersuchungshäftling in einem Krankenhaus in dem Sinai-Badeort Scharm el Scheich.

Mit Panzern gegen Demonstranten

Im Jemen gingen am Freitag ebenfalls Zehntausende Demonstranten auf die Straße. Sie forderten den Rücktritt von Präsident Ali Abdullah Salih. In der südjemenitischen Stadt Tais starben nach Berichten von Augenzeugen sieben Menschen, 30 seien verletzt worden. Regierungstruppen seien mit Panzern gegen die Menschenmenge vorgerückt.

Der Präsident war Anfang Juni bei einem Anschlag auf eine Moschee neben seiner Residenz schwer verletzt worden. Anschließend unterzog sich Salih in Saudi-Arabien mehreren Operationen. An diesem Sonntag will er nach Medienberichten zurückkehren - um sein 33. Amtsjubiläum zu feiern.

In Jordaniens Hauptstadt Amman löste die Polizei gewaltsam eine Kundgebung von Oppositionellen auf. Mindestens 20 Menschen, darunter zehn Journalisten, wurden verletzt, wie Augenzeugen berichteten. Die Demonstranten forderten den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Maruf Bachit. Gegen die Monarchie richten sich die Proteste nicht.


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