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Unruhen in Libyen Rebellen geben Ras Lanuf auf


Nachdem Gaddafis Soldaten die Stadt Al-Sawija zurückerobert haben, geben die lybischen Rebellen auch ihre letzten provisorischen Kontrollpunkte in der Hafenstadt Ras Lanuf auf. In Brüssel kommen die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder zu einem Libyen-Sondergipfel zusammen.

Libysche Rebellen haben ihre letzten provisorischen Kontrollpunkte in der umkämpften Hafenstadt Ras Lanuf aufgegeben. Der neue Checkpoint werde 15 bis 20 Kilometer weiter östlich errichtet, sagt der Rebellen-Kämpfer Jussef Mohannad der Nachrichtenagentur Reuter. In Ras Lanuf wird weiter gekämpft. Das staatliche libysche Fernsehen forderte die Menschen in den von Rebellen beherrschten östlichen Landesteilen auf, die öffentlichen Freitagsgebete und Kundgebungen zu meiden. Es bestehe Lebensgefahr durch Söldner und Verbrecherbanden.

In Brüssel beraten am Freitag die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder beraten am Freitag auf einem Sondergipfel über die Unruhen in Libyen. Dem Vernehmen nach will Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy gezielte Luftangriffe auf Ziele in Libyen vorschlagen, um Machthaber Muammar el Gaddafi zu stoppen. Nach UN-Angaben flohen seit Beginn des Volksaufstandes in Libyen bereits mehr als 250.000 Menschen aus dem nordafrikanischen Land.

Nicht nur die EU-Partner hat die Libyen-Initiative des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy überrascht, sondern auch den eigenen Außenminister. Alain Juppé habe erst bei seiner Ankunft in Brüssel am Donnerstag erfahren, dass der Präsident ohne weitere Absprache die libyschen Rebellen als legitime Vertretung des libyschen Volkes anerkannt hatte, berichtet die Zeitung "Le Figaro" am Freitag. "Der Präsident wollte am Vortag des EU-Sondergipfels ein Signal an die 27 senden. Er hat es auf seine Weise gemacht, indem er sich über die diplomatische Vorsicht hinweggesetzt hat", resümiert das regierungsnahe Blatt.

Die Afrikanische Union (AU) lehnte jedwede Militärintervention des Auslands ab. Der für Sicherheitsfragen zuständige AU-Kommissar Ramtane Lamamra sagte in Addis Abeba, die Afrikanische Union sei der "Einheit und territorialen Integrität Libyens" verpflichtet. Derzeit wird international über die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen debattiert, um die Luftangriffe der Gaddafi-treuen Truppen auf die Aufständischen zu verhindern.

"Wir brauchen dringend Waffen"

Der Golf-Kooperationsrat hatte am Montag einer solchen Zone, die militärisch durchgesetzt werden müsste, durch die UNO zugestimmt. Die Außenminister der Arabischen Liga wollen am Samstag in Kairo darüber beraten. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte in Washington, ein Plan für eine mögliche Flugverbotszone werde der Nato am 15. März vorgelegt.

Der Vorsitzende des von den Aufständischen gegründeten Nationalrates, Mustafa Abdel Dschalil, sagte dem britischen Sender BBC, die Libyer würden von Gaddafis Luftwaffe vernichtet. "Wir haben vom ersten Tag an eine Flugverbotszone gefordert. Wir brauchen dringend Waffen, und wir brauchen humanitäre Hilfe sowie Ärzte in den von Gaddafis Anhängern belagerten Städten", sagte Dschalil.

Etwa drei Viertel Libyens seien von humanitärer Hilfe abgeschnitten, sagte ein UN-Vertreter in New York. "Wir erhalten Informationen, wonach gerade jetzt, da die Menschen dringend auf Hilfe angewiesen sind, Krankenhäuser geschlossen werden." Nach Angaben von Ärzten starben bei den Gefechten im Osten Libyens seit Mitte Februar bereits rund 400 Menschen, 2000 weitere wurden verletzt.

Nach Informationen aus seinem Umfeld will Frankreichs Präsident Sarkozy den EU-Partnern gezielte Luftangriffe vorschlagen, um die Kommandostrukturen Gaddafis außer Kraft zu setzen. Als erstes Land hatte Frankreich am Donnerstag den Nationalrat als "rechtmäßigen Vertreter" Libyens anerkannt.

Gaddafis Sohn kündigt Offensive an

Gaddafis Sohn Seif el Islam gab sich siegesgewiss. "Wir kommen", sagte er vor jungen Anhängern in Tripolis mit Blick auf die Richtung Bengasi vorrückenden Gaddafi-treuen Truppen. Die zweitgrößte Stadt des Landes war gleich zu Beginn des Volksaufstandes von den Rebellen eingenommen worden. Aus der ebenfalls strategisch wichtigen Hafenstadt Ras Lanuf waren am Donnerstag zahlreiche Aufständische vor den Gaddafi-Truppen geflohen.

Libysche Delegation in Kairo

Eine Delegation des libyschen Staatschefs ist am Freitag in Kairo eingetroffen, berichtete der arabische Fernsehsender Al-Arabija. Die Abordnung wolle an dem an diesem Samstag geplanten Ministertreffen der Arabischen Liga in Kairo teilnehmen. Dabei geht es um die Frage der Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen. Zunächst blieb unklar, ob die Gaddafi-treuen Diplomaten an der Sitzung teilnehmen dürfen. Der Golf-Kooperationsrat (GCC), dem die am Persischen Golf liegenden arabischen Länder angehören, hatte sich am Donnerstag für eine Flugverbotszone ausgesprochen und die Gaddafi-Regierung für illegitim erklärt.

Niederländische Soldaten wieder frei

Nach fast zwei Wochen in libyscher Gefangenschaft sind drei niederländische Soldaten wieder frei. Nach Angaben eines Sprechers des Verteidigungsministeriums in Den Haag konnten die Soldaten Tripolis mit einer griechischen Militärmaschine Richtung Athen verlassen, wo sie am Morgen wohlbehalten eintrafen. Die beiden Männer und eine Frau waren am 27. Februar während einer Rettungsaktion für zwei ausländische Zivilisten in der nordlibyschen Stadt Sirte festgenommen worden.

Die drei niederländischen Marineflieger wurden nach Informationen der halbamtlichen griechischen Nachrichtenagentur ANA von niederländischen Diplomaten empfangen und sollen später in ihre Heimat zurückkehren. Die Aktion der Rückführung der ehemaligen Gefangenen organisierte der griechische Vizeminister Dimitris Dollis, der auch beim Flug dabei war, hieß es. Griechenland pflegte bislang gute Beziehungen zu Libyen. Griechische Fähren haben in den vergangenen Wochen mehr als 25.000 Ausländer aus Libyen in Sicherheit gebracht.

ins/swd/AFP/DPA DPA

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