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US-Diplomatin wird ausfällig Auf der Suche nach dem "Fuck the EU"-Durchstecher


Brüssel schweigt über den "Fuck the EU"-Kommentar einer US-Diplomatin. Wer ihre rustikale Äußerung in die Welt gesetzt hat, ist unklar - Russland jedenfalls will es nicht gewesen sein.

Eine schwere verbale Entgleisung einer amerikanischen Top-Diplomatin droht die Beziehungen zwischen den USA und der EU weiter zu belasten. In einem Tonbandmitschnitt, den Unbekannte auf das Internetportal YouTube stellten, sagte die im US-Außenministerium für Europafragen zuständige Abteilungsleiterin Victoria Nuland abfällig über die Europäische Union: "Fuck the EU."

Nach Angaben des US-Außenministeriums vom Donnerstag entschuldigte sich die Diplomatin bei ihren europäischen Partnern. Washington beschuldigte Russland, hinter der Veröffentlichung zu stehen. "Dies ist ein neuer Tiefstand der russischen Spionagetaktik", sagte Außenamtssprecherin Jen Psaki.

Ein Referent des russischen Vizeregierungschefs Dmitri Rogosin stritt dagegen jede Verantwortung ab. "Allein die Tatsache, dass ich reagiert habe, wird genutzt, um Russland die Schuld zu geben", schrieb Dmitri Loskutow in der Nacht auf Freitag bei Twitter. Auf der Seite verbreitete er später am Morgen einen Tweet, der wiederum einen Ukrainer beschuldigt, das Video veröffentlicht zu haben.

"F-Wort" gilt als streng tabu

Die EU-Kommission will die undiplomatische Äußerung nicht kommentieren. "Die EU ist damit beschäftigt, den Menschen in der Ukraine in der aktuellen Krise zu helfen", teilte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton mit. "Wir geben keinen Kommentar ab zu durchgesickerten angeblichen Telefongesprächen."

Der Kommentar fiel in einem vertraulichen Telefongespräch Nulands vor einigen Tagen mit dem US-Botschafter in der Ukraine, Geoffrey Pyatt, in dem es über Lösungsansätze zur Beilegung der Krise in der früheren Sowjetrepublik ging. Die US-Verantwortlichen schienen nicht begeistert von der Idee zu sein, dass Wladimir Klitschko stellvertretender Ministerpräsidenten werden könnte. "Die Klitschko-Sache ist offenkundig das komplizierte Elektron hier", war Pyatt zu hören. Der Boxweltmeister sollte das Amt nicht antreten und "seine politischen Hausaufgaben" machen. Auch Nuland äußerte sich skeptisch über eine Regierungsbeteiligung von Klitschko: "Ich glaube nicht, dass das notwendig und eine gute Idee ist."

Karrierediplomatin und Präsidentenberaterin

Nuland und Pyatt sprachen auch über die Pläne von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, den niederländischen Diplomaten Robert Serry als seinen Ukraine-Gesandten zu ernennen. Serrys Ernennung wäre "großartig", damit die UNO die Dinge in der Ukraine "zusammenklebt", sagte Kerrys Abteilungsleiterin für Europa und ergänzte: "Weißt du, scheiß' auf die EU" ("Fuck the EU"), woraufhin der US-Botschafter erwieder: "Nein, das sowieso!" Weiter äußert Pyatt in seiner Antwort die Befürchtung, dass Russland eine Lösung in der Ukraine "hinter den Kulissen" torpedieren könnte.

Die 52-Jährige Nuland ist eine Karrierediplomatin, die bereits US-Botschafterin bei der Nato sowie US-Sondergesandte für konventionelle Abrüstung war. Zudem hat sie das Kunststück fertiggebracht sowohl für den demokratischen Präsidenten Bill Clinton als auch für seinen republikanischen Nachfolger George W. Bush als enge Beraterin zu arbeiten. Verheiratet ist sie mit dem neokonservativen Vordenker Robert Kagan.

Kritik an Vitali Klitschko

Der Sprecher von Präsident Barack Obama, Jay Carney, verteidigte Nuland und betonte, dass die Beziehung der USA zur EU "so stark wie nie" sei. Zu den Einzelheiten des Telefonats wollte er sich nicht äußern: "Wir diskutieren keine privaten Unterhaltungen." Carney wies aber darauf hin, dass das mit russischen Untertiteln versehene Video von der Regierung in Moskau über den Onlinedienst Twitter verbreitet worden sei. "Das sagt etwas über Russlands Rolle aus", sagte Obamas Sprecher.

Nuland hielt sich am Donnerstag in Kiew auf, wo sie mit dem ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch sprach. Dieser deutete neue Zugeständnisse in Richtung Opposition an. Der Staatschef sei ein "Anhänger" einer baldigen Verfassungsänderung, betonte die Präsidialkanzlei nach dem Treffen Janukowitschs mit Nuland.

amt/DPA/AFP DPA

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