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US-Vorwahl der Republikaner Ein Krieg gegen Obama


In dieser Verfassung haben die Republikaner keine Chance, im Herbst Barack Obama zu besiegen. Was der Partei helfen könnte, wäre ein Militärschlag - am anderen Ende der Welt.
Ein Kommentar von Hans-Hermann Klare

Der Vorwahlkampf der Republikaner läuft so erbärmlich, dass sich die Partei etwas Dramatisches ausdenken muss, wenn sie im November gegen Barack Obama gewinnen will. Das hat dieser Super Tuesday eindrücklich bewiesen. Eine Weile war von einem Super-Kandidaten die Rede, der dem Parteitag im August vorgestellt werden soll. Doch einige, deren Namen die Runde machten, haben bereits abgewunken: wie etwa Jeb Bush, Gouverneur von Florida und Bruder des ehemaligen Präsidenten George W. Bush.

Und so sehr Sarah Palin sich im fernen Alaska in unklaren Andeutungen ergeht, sie könnte noch mal eine Rolle spielen - die Frau hat selbst aus der Sicht vieler republikanischer Wähler mehr Frisur als Format.

Was "helfen" könnte, wäre - zynisch gedacht - ein Krieg gegen den Iran im rechten Augenblick. Die Entscheidung dazu liegt natürlich nicht in den Händen der konservativen Partei, sondern beim demokratischen Präsidenten. Oder bei den Israelis. Es ist ein offenes Geheimnis, dass deren Premierminister jeden lieber im Weißen Haus sähe als Barack Obama. Und wenn Benjamin Netanjahu in seiner Mischung aus Holocaust-Obsession und innenpolitischem Kalkül zu dem Schluss kommen sollte, dass ein Angriff auf die Atomanlagen des Iran nötig sei, dann müsste er diesen Krieg rechtzeitig vor den US-Wahlen beginnen.

Krieg oder Weichei

Damit könnte er eines von zwei möglichen Ergebnissen erreichen: Entweder er zwingt Amerika in einen Krieg, den das Land und sein Präsident nicht wollen. Denn spätestens wenn die Straße von Hormus von den Iranern gesperrt würde oder wenn dort passierende Öl-Tanker angegriffen würden, bliebe dem Weißen Haus nichts anderes als mitzumachen.

Oder Netanjahu würde den US-Präsidenten als genau das entlarven, wofür er ihn immer schon gehalten hat: ein linksliberales Weichei. Und damit wäre den Republikanern gedient. Wer will in Kriegszeiten schon einen Zauderer zum Präsidenten? Zumal dann, wenn es gegen den Lieblingsfeind der konservativen Amerikaner seit über 30 Jahren geht.

Auf den Zeitpunkt kommt es an

Das Problem dabei ist allein das Timing. Findet der Angriff der Israelis zu spät statt, schart sich Amerika womöglich erst Recht um den Präsidenten. Schlagen Israels Kampfjets zu früh zu, könnten Ölpreis, Weltfrieden und Weltwirtschaft so sehr in Mitleidenschaft gezogen werden, dass Amerikas wankelmütiges Volk den von Israel und allen republikanischen Anwärtern auf die Präsidentschaftskandidatur geforderten harten Einsatz gegen den Iran für eine schlechte Entscheidung halten würde.

Am besten wäre nach dieser Logik wohl ein Einsatzbefehl nach der Sommerpause und zu Beginn der heißen Phase des Wahlkampfs in den USA. Und die Schlachten, die sich Amerikas Kommentatoren dann auf konservativen Sendern wie Fox und anderswo liefern werden, könnten ähnlich heftig werden wie der Kampf gegen das Böse im Iran. "Wenn Obama wiedergewählt wird, wird der Iran zur Atommacht", sagte Kandidat Mitt Romney vor ein paar Tagen. Das ist ein Spruch des Mannes, der als Weichei unter den Republikanern gilt. Der verbale Krieg hat bereits begonnen.


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