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US-Vorwahlen: Deshalb ist der "Tuesday" so super

Clinton oder Obama? McCain oder Romney? Am "Super Tuesday" entscheidet sich die US-Präsidentschaftskandidatur. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum großen Showdown im Vorwahlkampf.

Von Tobias Betz

Der Vorwahlkampf in den USA begann vor einigen Wochen im winterlichen Farmerstaat Iowa und erreicht am "Super Tuesday", einer Art landesweiten Vorwahl, seinen absoluten Höhepunkt.

Der parteiinterne Ausscheidungskampf der Demokraten und Republikaner fasziniert die Amerikaner seit Wochen. Doch einen klaren Favoriten gibt es beiden Parteien bislang noch nicht.

Stattdessen machen sich noch vier Kandidaten Hoffnungen auf die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten. Es sind: der jugendlich-frische Barack Obama und die erfahrene, aber kühl wirkende Hillary Clinton bei den Demokraten. Der ehemalige Gouverneur und Manager Mitt Romney sowie der Kriegsveteran und Querdenker John McCain bei den Republikanern. Diese beiden haben mit Mike Huckabee sogar noch einen dritten Konkurrenten, der Außenseiterchancen hat.

All diese Kandidaten wollen nun am "Super Tuesday" so gut wie möglich abschneiden . Stern.de erklärt die wichtigsten Fragen.

Warum ist der "Super Tuesday" so wichtig?

An diesem Tag finden in 24 Bundesstaaten gleichzeitig Vorwahlen statt. Die Demokraten wählen in 22 Bundesstaaten und die Republikaner in 21. In Montana und West Virginia treten nur die Republikaner an, in Idaho, Kansas und New Mexico nur die Demokraten.

An diesem Tag greifen erstmals Wähler aus den großen, bevölkerungsreichen Bundesstaaten, wie Kalifornien und New York, ein. Für die Kandidaten geht es jetzt beim Sammeln der Delegiertenstimmen nicht mehr um "Peanuts", jetzt muss die Ernte eingefahren werden: Denn bei den Demokraten stehen mehr als die Hälfte aller zu vergebenden Delegierten auf dem Spiel, die Republikaner vergeben rund 40 Prozent ihrer Delegierten. Der Hauptpreis: Kalifornien mit 441 Delegierten bei den Demokraten und 173 bei den Republikanern.

Um nach den Vorwahlen bei den Parteiversammlungen als Kandidat aufgestellt zu werden, sind bei den Demokraten 2025 der 4049 Delegiertenstimmen nötig. Bei den Republikanern sind 2380 Delegierte insgesamt zu vergeben, hier reicht die Mehrheit von 1191 Delegierten.

Warum finden an einem einzigen Tag so viele Vorwahlen statt?

Traditionell eröffnet der Bundesstaat Iowa Anfang Januar den Reigen der Vorwahlen in den USA, kurz danach ist stets New Hampshire an der Reihe. Beide Staaten repräsentieren nur einen kleinen Teil der amerikanischen Bevölkerung - weniger als ein Prozent - und sind für das Endergebnis nicht entscheidend. Jedoch geht von ihnen eine wichtige Signalwirkung aus. Viele andere Staaten wollten deshalb dieses Mal ihre Abstimmung auf einen möglichst frühen Termin legen, um ihre Bedeutung zu erhöhen.

Kalifornien, das in den vergangenen Jahren mit seiner Vorwahl sehr spät dran war, legte seine Vorwahl auf den 5. Februar. Viele andere Staaten folgten diesem Beispiel. Doch einige andere Staaten, wie etwa Michigan oder Florida, wollten noch früher eingreifen und legten ihre Vorwahlen in den Januar. Die Staaten des 5. Februar konnte nun aber ihre Vorwahl nicht noch mal verlegen, denn natürlich kann die Organisation nicht ständig verändert und verschoben werden.

Übrigens wird seit 1988 von "Super-Tuesdays", gesprochen. Damals hielten neun Südstaaten ihre Vorwahlen an einem Tag ab, um ihre Bedeutung im Entscheidungsprozess zu erhöhen. Wann die "Super-Tuesdays" stattfinden, ist nicht kategorisch festgelegt, der Termin variiert. Der bisher größte "Super-Tuesday" fand 2000 statt, damals hielten 16 Staaten ihre Vorwahlen ab.

Wie wird gewählt?

In den meisten Bundesstaaten bestimmt eine "primary", eine klassische Vorwahl mit geheimer Stimmabgabe, den Wahlsieger. Um daran teilnehmen zu können, müssen sich die Wähler vorher als Demokraten oder Republikaner registrieren lassen. Einige Staaten öffnen ihre Vorwahl aber auch für nichtregistrierte Wähler, die in den USA als "independents", Unabhängige, bezeichnet werden.

Eine spezielle Eigenheit im US-Wahlsystem ist der so genannte "caucus". Die Wähler versammeln sich, Demokraten und Republikaner getrennt voneinander, um in kleinen Gruppen mitunter per Handzeichen abzustimmen. In Schulen, Kneipen und sogar in Privathäusern wird zuerst über die Kandidaten diskutiert und danach entschieden. Kuriosum im Nevada-Caucus 2008: In Las Vegas wurde sogar in neun Kasinos abgestimmt.

Welche Rolle spielen die Delegierten?

Die Kandidaten werden in allen Bundesstaaten nur indirekt gewählt. Denn eigentlich werden in den Vorwahlen nur Delegierte für den Nominierungs-Parteitag verteilt. Der Sieger einer Vorwahl erhält die meisten Delegiertenstimmen, in manchen Bundesstaaten sogar alle. "The winner takes it all" nennen das die Amerikaner.

Neben diesen gewählten Delegierten, die auf den jeweiligen Parteitagen von Demokraten und Republikanern verpflichtet sind, für den Kandidaten zu stimmen, in dessen Namen sie antreten, gibt noch einige so genannte "Superdelegierte" (Bei den Republikanern 463, bei den Demokraten 796). Dies sind Parteifunktionäre, Kongressmitglieder sowie Gouverneure, die ebenfalls ein Stimmrecht auf dem Parteitag haben, sich aber frei für einen Bewerber entscheiden dürfen. Sie waren in den vergangenen Wahljahren nicht entscheidend, weil es meistens einen klaren Favoriten innerhalb der Parteien gab. Diesmal könnten sie die entscheidenden Stimmen bringen. Wie viele Delegierte jeder Bundesstaat entsenden darf, hängt von dessen Bevölkerungsgröße ab.

Wie stellen sich die Kandidaten auf den Superwahltag ein?

Alle Regionen der USA sind am "Super Tuesday" vertreten - der Westen, der tiefe Süden, aber auch Neu-England-Staaten im Osten. Eine riesige Fläche, die kein Kandidat mit ständigen Wahlkampfauftritten abdecken konnte. Deshalb kam es in den vergangen Wochen und Tagen vor allem auf die richtige Strategie und teure TV-Wahlkampfspots an.

Wie geht es nach den Vorwahlen weiter?

  • Anfang Juni, wenn die letzten Vorwahlen in New Mexiko, South Dakota und Montana stattgefunden haben, gilt es für die beiden siegreichen Kandidaten der beiden Parteien nach Monaten hitziger Debatten und gegenseitiger Attacken, ihre Partei zu einen und Wunden zu heilen. Also: Sie müssen die Reihen in der Partei wieder zu schließen, sie auf die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner der anderen Partei vorbereiten und hinter sich scharen.
  • Die beste Möglichkeit dafür sind die "National Conventions", die Nominierungsparteitage im Sommer. Hier küren die Delegierten offiziell ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl. Der Parteitag der Demokraten findet vom 25. bis 28. August in Denver statt, die Republikaner treffen sich vom 1. bis 4. September in Minneapolis-St. Paul. Bei dieser Abstimmung sind die Delegierten an das Wahlergebnis in ihrem Bundesstaat gebunden.

Wann wählen die Amerikaner ihren Präsidenten?

Alle vier Jahre, Anfang November, ist das ganze Land aufgerufen, das neue Staatsoberhaupt zu wählen. In diesem Jahr fällt der Wahltermin auf den 4. November. Im Gegensatz zu den Vorwahlen, die meist nur registrierten Parteimitgliedern offen stehen, können hier alle Amerikaner teilnehmen, die älter als 18 Jahre und als Wähler registriert sind.

Auch hier ist die Wahl nur indirekt, denn rein formal entscheiden die US-Bürger nur über die Wahlmänner in ihrem Bundesstaat. Auch hier hängt die Zahl der Wahlmänner von der Einwohnerzahl der Bundesstaaten ab. Die Wahlmänner bestimmen schließlich, wer für die nächsten vier Jahre ins Weiße Haus einziehen wird.

Traditionell sind die Wahlmänner aber nicht frei in ihrer Entscheidung, sondern an das Ergebnis in ihrem Bundesstaat gebunden: Wer dort die meisten Stimmen bekommen hat, den vertreten sie. Der Zweitplatzierte und alle anderen gehen dagegen leer aus. Deshalb lässt sich bereits am Wahlabend sagen, wer der nächste Präsident sein wird.